Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: "When I get home" "Ich bin Solange Knowles und das ist, wo ich herkomme"

Auf ihrem vierten Studioalbum beleuchtet Solange mehr denn je ihre Identität als Black American Woman und holt sich dafür hochkarätige Gäste mit auf die Platte.

Von: Alba Wilczek

Stand: 04.03.2019

Minimalistisch. Sanft. Und mit einem repetitiven Mantra. So beginnt das neue Album von Solange Knowles. Schon die ersten zehn Sekunden zeigen: Das hier ist nicht einfach eine Platte. Nein. Mehr ein musikalischer Stream of Consciousness. Ein ambient Jam, eingebettet in souligen und kosmischen Jazz. Solange gräbt auf ihrem vierten Studioalbum im innersten Ich. "When I Get Home" ist zunächst eine Ode an Zuhause. The Dirty South. Houston, Texas. Die Künstlerin gibt einen Einblick in ihren wunderbar weirden Kopf: "Ich bin Solange Knowles und das ist, wo ich herkomme."

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Solange - S McGregor (interlude) (Official Audio) | Bild: SolangeKnowlesVEVO (via YouTube)

Solange - S McGregor (interlude) (Official Audio)

"S McGregor" ist eines der insgesamt sechs Interludes, die über das Album verteilt sind. Es lohnt sich, da mal genauer hinzuschauen. Solange sampelt hier sehr humorvoll mehrere weibliche afroamerikanische Ikonen. Lässt also starke Frauen das Album miterzählen. Black Female Empowerment. Unter den Samples sind Schauspielerin Debbie Allen und die feministische Dichterin Pat Parker. Beide haben Wurzeln in Houston.

Hitverdächtig: "Almeda"

Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Album "A Seat at the Table" setzt Solange den Fokus nun weniger auf die klassischen Rassismus-Issues. Eher stehen der Stolz auf ihre Identität und ihr Glaube im Spotlight. The Black Faith of a Black Woman. Im Track "Almeda" geht es genau darum. Er ist der Höhepunkt und Hit der Platte.

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Solange - Almeda (Official Audio) | Bild: SolangeKnowlesVEVO (via YouTube)

Solange - Almeda (Official Audio)

Hochkarätige Features

Gucci like to play. Der Gucci von dem Solange im Song "My Skin My Logo" singt ist Trap-Pionier Gucci Mane. Er kommt aus Atlanta, neben Houston die andere HipHop-Hochburg im amerikanischen Süden. Gucci ist nur ein Teil der Armee an talentierten Producern und Artists, die Solanges kosmisches Souljazz-Spektakel mitprägen. Knowles featuring Southern Rap. Mit dabei unter vielen anderen: Houstons Rap-Legende Devin the Dude, Rapper Tyler the Creator, Trap-Newcomer Playboi Carti und Blood Orange’s R’n’B-Prinz Dev Hynes. Hochkarätige Features. Die auf den Tracks aber selten herausstechen. Es wirkt, als hätten alle ihr Ego vor der Studiotür abgegeben und sich dann einfach nahtlos in das große Ganze eingefügt. Das kommt ganz schön sympathisch.

Mit ihrem Vorgänger-Album ist Solange in den afroamerikanischen Olymp aufgestiegen. Sie hat maßgeblich zur Rassismus-Debatte beigetragen und einen Grammy gewonnen. 2017 hat sie dann verkündet, ab jetzt mehr die Musik sprechen lassen zu wollen. "When I Get Home" ist symbolischer, rätselhafter. Manchmal vielleicht ein Ticken zu sehr: Die Lyrics, die Solange übrigens komplett und ohne Ausnahmen selbst geschrieben hat, sind kryptisch und nie ganz eindeutig. Die butterweichen Soul-Texturen, die psychedelisch anmutenden Jazz-Harmonien – sie heben nie wirklich ab, wollen gar nicht den Kick-Ass-Schalter finden. Und auch die echt genialen Melodien wirken so, als hätten sie noch viel mehr zu erzählen.


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