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Kultur im Lockdown Clubs in München, Passau, Würzburg und Landshut berichten, wie es ihnen geht

Die dritte Welle der Corona-Pandemie rollt über uns, die Zahlen steigen täglich und die Impfungen gehen weiterhin sehr langsam voran. So leidet auch die Kultur, und insbesondere die Clubs und weiter, immer und immer mehr. Wir haben von Passau bis Landshut und über Würzburg bis München nach der aktuellen Lage gefragt.

Stand: 13.04.2021

Blitz München

Wie geht’s euch aktuell nach einem Jahr Pandemie?

Geschäftsführerin Sandra Forster.

Betreiberin Sandra Forster: Naja, was soll ich sagen. Nicht so wahnsinnig toll. Wir haben jetzt seit über einem Jahr Berufsverbot. Das ist natürlich schon ein bisschen schwierig darin seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber da hängen natürlich auch noch viel mehr emotionale Angelegenheiten dran. Wir machen das ja nicht nur zum Geld verdienen, sondern es ist auch eine Art Berufung, der wir jetzt eben seit einem Jahr nicht nachkommen können. Das geht langsam natürlich auch aufs Gemüt.

Habt ihr finanzielle Unterstützung bekommen?

Wir haben finanzielle Unterstützung bekommen. Ob das ausreicht? Aktuell nicht, weil es zum Teil noch nicht geflossen ist. Außerdem bezieht sich das in erster Linie auf den Erhalt des Betriebes und nicht auf unsere Unternehmerlöhne, die seit einem Jahr nicht bezahlt werden.

Reicht die Geduld?

Die Geduld reicht tatsächlich jetzt langsam nicht mehr aus. Es fühlt sich einfach nach einer sehr großen Ungerechtigkeit an. Diese Pandemie wird eben nicht auf allen Schulter gleich getragen, sondern ich hab schon das Gefühl, dass gerade kulturelle Einrichtungen oder vielleicht sogar subkulturelle Einrichtungen, als Kollateralschaden in Kauf genommen werden. Und, dass wir einfach aktuell überhaupt keine Zukunftsperspektive dargestellt bekommen. Wir müssen auch finanziell alles selber tragen. Es gibt keine Vermieter und keine Lieferanten, die zurückstecken müssen. Kein Finanzamt, niemand muss eigentlich zurückstecken, eigentlich nur wir Betreiber. Aber wir warten zugleich auch auf Zahlungen, die einfach teilweise seit Dezember nicht kommen.

CLUBZWEI München

Wie geht’s euch aktuell? Habt ihr finanzielle Unterstützung?

Veranstalter Markus Sporrer.

Konzertveranstalter Markus Sporrer: Uns geht es gut soweit. Die Firma ist gesund. Das liegt natürlich an den Hilfen, die total angemessen sind. Hinzu kommen aber auch die herzerwärmenden Spenden von unserem Stammpublikum, das hat uns sehr geholfen. Wir haben die glückliche Situation, dass wir eine relativ kleine Firma sind, sprich im Kern einfach nur zu dritt. Und, dass wir keine eigene Location haben, so gesehen also auch keine großen laufenden Kosten. Das macht es uns leichter als manch anderen Kolleginnen und Kollegen.

Wie geht’s in Zukunft weiter?

Ich bin da zum einen durchaus Optimist, weil man hört, dass wir zum Ende des Sommers durchgeimpft sind. Dann würde ich mir auch wünschen dürfen, dass man im Herbst dann wieder unter normalen Bedingungen Konzerte veranstalten kann. Wenn es mal wieder losgeht, habe ich schon die Sorge, dass einfach so ein absurd großes Überangebot da ist und die Leute nicht mehr wissen, wo sie hinrennen sollen. Könnte sein, dass dann wieder sehr schnell eine Sättigung eintritt. Hinzu kommt dann, dass sich vielleicht zehn bis zwanzig Prozent noch nicht trauen auf ein Konzert zu gehen. Da ist meine Befürchtung, dass die Konzerte nicht so gut besucht werden, wie man sich das in so einer rosaroten Welt vorstellt. Das birgt große finanzielle Gefahren. Dass da jetzt jeder die Bude einrennt, das glaub ich nämlich nicht. Man stelle sich vor, wir verlieren bei einem Konzert ein paar tausend Euro, weil 100 oder 200 Leute zu wenig kommen, aufgrund diverser Umstände. Das wär ziemlich hart für uns, in so einer angespannten Lage.

Heart Regensburg

Die dritte Welle rollt. Wie überlebt man. Und reicht die Geduld?

Philip Lang, Geschäftsführer: Wir denken positiv, sind geduldig und hoffen auf eine Eröffnung unserer Clubs gegen Ende des Jahres.

Wie geht’s in Zukunft weiter?

Erst wenn etwas nicht mehr da ist, merkt man, wie sehr es einem fehlt. Wir denken deshalb, dass das Nachtleben nach Corona einen noch höheren Stellenwert als bisher genießt.

Institut für Spaß und Gesellschaft Passau

Wie sieht euer Alltag im Moment aus?

Gastronom und Betreiber Stefan Lang.

Leiter Stefan Lang: Die Vollzeit- und Teilzeitkräfte befinden sich im Moment in Kurzarbeit. Es sei denn, es stehen mal dringend notwendige Renovierungen an. Dann holen wir die kurz rein. Aber ansonsten ist einfach Stillstand. Es ist auch verständlich, wenn man mit den Mitarbeitern redet, dass das für die natürlich frustrierend ist. Wir hoffen darauf, dass sich das bald wieder ändert.

Wie überlebt man?

In unserem Fall ist es so, dass ich Umbauten vorgenommen habe, um Flächen teils untervermieten zu können. Andererseits ist es jetzt so, dass auch die Überbrückungshilfe teils angekommen ist und auch der Bescheid eingegangen ist. Wünschenswert wäre noch ein Unternehmerlohn. Da wir jetzt seit einem Jahr vom Ersparten leben.

Wie geht's in Zukunft weiter?

Wir bauen wieder eine große Außengastronomie auf oder versuchen das zumindest und planen natürlich, wenn es wieder losgehen sollte, neue Konzepte und versuchen dann voll loszustarten. Wenn es wieder erlaubt ist und wenn Corona es zulässt. Was wir hoffen, dass das sehr bald der Fall sein wird.

Kantine Augsburg

Wie geht’s euch aktuell nach einem Jahr Pandemie?

Geschäftsführer Sebastian Karner.

Geschäftsführer Sebastian Karner: In Schulnoten ausgedrückt, wären wir bei einer 4- mit klarer Tendenz zur 5. Ich sage das deswegen, weil es schwer zu beschreiben ist. Auf der einen Seite haben wir Glück und können durch die Hilfen überleben. Aber eben nur als, ich nenne es immer eine 'leere leblose Hülle'. Veranstaltungen machen, planen, für Konzerte brennen, Künstler auf die Bühne bringen, all das ist momentan ja nicht möglich. Von dem her, überlebt als Firma die leere Hülle, aber das Leben und alles, was Spaß macht, ist weg. Es ist eigentlich nur noch Verwaltung zurzeit.

Habt ihr finanzielle Unterstützung bekommen?

Wir haben finanzielle Unterstützung bekommen. Das alles ist, wie man es in der Presse so oft liest, wahnsinnig kompliziert und mühselig. Auf der anderen Seite bekommen wir aber auch richtig viel Geld, was uns aktuell das Überleben als Firma sichert. Leider ist es so, dass die FAQs und die Bedingungen dauernd im laufenden Prozess geändert werden. Und es wird wohl dazu führen, dass wir auch eine sehr wichtige Förderung zurückzahlen müssen, weil diese mit einer anderen Förderung nicht kombinierbar ist. Das ist sehr schade, weil es nur um eine Frist geht, die hier anders verlaufen ist, als es uns im Antragsverfahren möglich war. Das betrifft in Bayern sehr viele Spielstätten. Aus unserer Sicht wird in Bayern der Großteil der Spielstätten und Clubs die Spielstättenprogrammförderung zurückzahlen müssen, wegen der außerordentlichen Wirtschaftshilfe vom Bund. Das ist mehr als schade, weil wir jetzt im Nachhinein schlechter gestellt sind als eine ganz normale Gastronomie, obwohl wir als Kulturtreibende mit Sicherheit mehr Hilfe benötigen als eine normale Schankwirtschaft.

Wie überlebt man?

Zunächst können wir froh sein, dass es nur um das wirtschaftliche Überleben geht. Aber dies gelingt uns nur, weil wir uns relativ gut auskennen in diesen ganzen Förderthemen und auch alle Anträge rechtzeitig stellen. Weil wir auch alles sauber ausarbeiten und die Anträge dann auch durchgehen und die mit einiger Verzögerung, dann auch ausbezahlt werden. Dies gelingt. Allerdings nagt die Situation an sich schon sehr an den Nerven. Vor allem auch diese Ausweg- und Perspektivlosigkeit. Das werfen wir der Politik auch vor, dass zu wenig in die Zukunft gedacht wird und zu sehr auf Sicht gefahren wird.

Rocketclub Landshut

Wie geht’s euch aktuell und nach einem Jahr Pandemie?

Betreiber Oele: Ja ein bisschen von der Grundsituation angenervt, aber immer noch recht am Durchhalten eigentlich.

Bertreiber Widy: Wir sind froh, dass es uns besser geht als Anderen. Privat kommen wir ganz gut zurecht und vom Betrieb her, durch unsere Struktur, geht’s anderen Leuten, Betrieben, Clubs und Veranstaltern deutlich schlechter.

Oele und Wildy vom Rocketclub Landshut.

Oele: Dadurch, dass wir beide noch einen anderen Job haben. Wir waren ja noch nicht soweit, dass wir davon leben können. Was vorher Nachteil war, ist jetzt vielleicht Vorteil.

Verliert man langsam die Geduld? Wie bleibt man optimistisch?

Widy: Beide sind wir sehr pragmatisch. Mei, es ist wie es ist. Ich könnt mich jetzt tagelang drüber ärgern und schimpfen, aber es ist trotzdem so wie's ist.

Oele: Was einen manchmal nervt ist, dass man das Gefühl hat, dass gewisse Leute ihren Job einfach nicht ordentlich machen können. Mir geht's so, dass die Pandemie mich selber gar nicht so nervt, weil es einfach lustig ist, wenn Leute gegen Corona demonstrieren. Man kann halt nicht gegen ein Virus demonstrieren. Die interessiert das aber nicht und das ist halt so. Wie der Widy aber schon sagte, an ein paar Stellen könnte alles ein bisserl stringenter laufen, das nervt manchmal.

Widy: Was es mühselig macht, ist, dass es keine klaren Regeln gibt oder diese Regeln sich täglich, wöchentlich ändern. Wir haben letztes Jahr auch einige Konzerte für drinnen geplant gehabt und bevor wir dann bereit waren, war dann alles wieder vorbei. Deswegen ist das für uns eigentlich nicht der dritte Lockdown, sondern der erste, weil wir immer noch zu haben. Für viele Betriebe ist es sicherlich ein Auf- und Zumachen. Aber für uns ist es ein: Wir haben die ganze Zeit zu. Letztes Jahr konnten wir auf unseren Parkplatz vor dem Club unseren Kultursommer machen mit Konzerten und DJ-Abenden. Wir hatten sogar ein Probelauf-Konzert drinnen im August, weil wir's einfach ausprobieren wollten, wie es funktionieren könnte. Dann hatten wir ab Herbst mehrere Konzerte geplant und dann war halt wieder zu. So dass gar nix mehr erlaubt war.

Ist diesen Sommer auch wieder so etwas ähnliches geplant?

Widy: Wir sind im Gespräch mit der Stadt, dass wir den Platz wieder bekommen. Die stehen der Sache sehr wohlwollend gegenüber. Wir planen jetzt mal, dass wir das machen. Haben auch Förder-Zusagen und Unterstützung. Das 'Wann' ist jetzt so das große Problem und momentan kann man auch nichts mit einer Band ausmachen, weil, was sage ich? Juni? Jui? Mai? Wir machen, verschieben, wir machen, verschieben. Das gleiche Spiel wie im letzten Jahr und da haben wir keine Lust drauf, das wieder zu machen.

Oele: Das kann man auch irgendwann nicht mehr leisten. Wie gesagt, wir gehen jetzt nebenbei zum Arbeiten und das bringt auch mit sich, dass ich jetzt nicht so viel Zeit hab für den Club. Auch das Hinterherlaufen hinter irgendwelchen Fördergeldern, das ist ja nicht so, dass man sagt 'Naja da schreib ich jetzt mal schnell hin und dann funktioniert das alles', sondern das ist ja dann immer über verschiedene Stellen und bei jedem läuft's anders. Das verschlingt auch einen Haufen Zeit. Da muss man auch dauernd dahinter sein, sonst funktioniert es nicht.

Widy: Und es sind auch die normalen Sachen, wie die normale Büroarbeit. Also die Firma, auch wenn sie zu hat. Angestellte, Kurzarbeiter, Geldabrechnen, solche Sachen fallen ja nicht weg. Das Hintergrundgeschäft, eine Firma am Laufen zu halten, bleibt ja bestehen. Unabhängig, ob wir jetzt offen haben oder nicht.

Rote Sonne München

Wie geht’s euch aktuell nach einem Jahr Pandemie?

Betreiber Peter Wacha aka DJ Upstart.

Betreiber Peter Wacha: Man sitzt wie so auf einer Reservebank, aber es gibt kein Spiel. Oder man erinnert sich an großartige Spiele, die's mal gab. Und fragt sich, ob's diese Intensität, die man im Club erleben kann, überhaupt noch einmal so geben wird. Finanziell sind wir abgesichert. Es gibt dieses Spielstättenprogramm des Freistaats und da werden alle Fixkosten übernommen. Bis dato Ende Juni. Wie es danach aussieht, weiß noch keiner.

Reicht die Geduld?

Die Geduld ist manchmal schon sehr strapaziert. Man sehnt sich nach wilden Nächten voller Euphorie, die man gemeinsam feiert. Wo der Vibe einfach stimmt und tolle Musik läuft, tolle DJs da sind, tolle Bands spiele. Wo Zeit und Raum verfliegt und wir komplett in der Magie der Nacht aufgehen können. Das fehlt wirklich. Und natürlich der Tanz.

Wie geht's in Zukunft weiter?

Natürlich gehen jetzt die ganzen Überlegungen und Planungen in Richtung OpenAir, weil es einfach absehbar sein wird, dass die Clubs erstmal zu bleiben. Mal das ganze Impfgeschehen abwarten, etc. Auf jeden Fall fundieren wir mit vielen anderen Münchner Veranstaltern gerade Möglichkeiten, wo wir Bühnen und Trucks aufstellen können und wenigstens ein kleines Musikprogramm wieder in die Öffentlichkeit bringen können.

Posthalle Würzburg

Reicht die Geduld?

Jojo Schulz, Geschäftsführer: Hm. Ob ein Konzert vielleicht stattfinden kann, ja das wird irgendwann passieren. Aber natürlich nicht mit ddem Konzertcharakter, wie wir uns das eigentlich wünschen, sprich bestuhlt, mit Maske, mit Abstand. Vielleicht keine Getränke. Das ist okay, immerhin kann man dann bisschen was vermitteln. Aber es ist nicht das, was sich Künstler, Besucher oder auch Clubbetreiber, der das aus Passion macht, wünscht.

Blickt ihr positiv in die Zukunft?

Ich schon. Bei uns kommt aber dazu, dass unser Mietvertrag nur noch zwei Jahre läuft und die Zukunftsperspektive sowieso noch nicht gesichert ist. Davon werden wir noch ein Pandemiejahr haben und hoffentlich in 22 dann loslegen können. Wieder. Also zumindest für ein Jahr, bis sich dann der Rest geklärt hat.


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