Bayern 2 - Zündfunk


11

Neue BBC- Miniserie "Small Axe" zerlegt die Geschichte des afro-britischen Rassismus wie keine Serie zuvor

Steve McQueen hat es geschafft. Längst zählt der oscarprämierte "12 Years a Slave"-Regisseur zur Oberliga seiner Zunft. Nun gibt es Neues von ihm: Die Mini-Serie „Small Axe“. Roderich Fabian stellt sie euch vor.

Von: Roderich Fabian

Stand: 22.12.2020

Erschienen in der BBC und auf Amazon Prime | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Des Willie

"Wenn du der große Baum bist, sind wir die kleine Axt, sie ist geschliffen, um dich zu fällen", singt Bob Marley in seinem Song "Small Axe". Der große Baum, das ist das ungerechte System Babylon, das von den vielen kleinen Äxten bearbeitet wird. Und tatsächlich sehen wir in der gleichnamigen BBC-Serie vielen kleinen Äxten bei der Arbeit zu, genauer in fünf Filmen, die alle zwischen einer und zwei Stunden lang sind. Die fünf Filme spielen in der Zeit zwischen 1968 und 1983, jeweils in der afro-karibischen Community Londons. Sie erzählen aber fünf völlig unterschiedliche Geschichten mit jeweils unterschiedlichen Schauspielern.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Small Axe (1973) - Bob Marley & The Wailers | Bild: Bob Marley (via YouTube)

Small Axe (1973) - Bob Marley & The Wailers

Der erste und längste Teil heißt "Mangrove" und erzählt die Story der sogenannen "Mangrove Nine". Das "Mangrove" war ein karibisches Restaurant im Stadtteil Kensington, deren Betreiber immer wieder durch unbegründete Razzien von der Polizei schikaniert wurden. Gemeinsam mit Aktivisten der Londoner Black Panther Party veranstalteten die Betreiber am 9. August 1968 eine Demo gegen die Polizei-Willkür. Neun von ihnen wurde danach wegen angeblicher Gewalt-Anwendung der Prozess gemacht.

Rassismus bei der Polizei und der britische Rechtsstaat

Die erste Folge von "Small Axe" ist über weite Strecken ein klassischer Gerichtsfilm. Hier wird einerseits der Rassismus diverser Polizisten offengelegt, aber auch die Wirksamkeit des britischen Rechtsstaates. Steve McQueen setzt den "Mangrove Nine" mit diesem Film ein wohlverdientes Denkmal. Ein echter Heartbreaker dagegen ist der Film "Red, White and Blue". Auch hier wird eine wahre Geschichte nacherzählt, nämlich die von Leroy Logan, der 1983 eine Ausbildung bei der Polizei begann, nachdem sein aus Jamaika stammender Vater von Polizisten grundlos krankenhausreif geschlagen wurde. Logans Versuch, die Polizei von innen her zu verändern, stößt bei allen Seiten auf Widerstände.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Small Axe: Trailer - BBC | Bild: BBC (via YouTube)

Small Axe: Trailer - BBC

Auch Leroy Logan ist also ein bislang unbesunger Held, eine "Small Axe", einer, der sich sowohl gegen die Rassisten in der Polizei wie gegen die "Verräter"-Vorwürfe aus seiner Community verteidigen muss. Diese diversen Konflikte machen "Red, White and Blue" zu einem Highlight der Serie. Dann gibt es noch die Geschichte des Autors Alex Wheatle, der nach den Unruhen in Brixton 1981 im Knast landete und dort auf einen Rasta traf, der ihn zur Literatur bekehren konnte. Auch hier gilt: Based on a true story.

Der böse Baum Babylon steht immer noch

In "Education" dagegen, dem nächsten Teil, geht es um die rassistische Selektion, die in Londoner Schulen noch in den 70er Jahren vorgenommen wurde, um afro-karibischen Kinder eine höhere Schulbildung zu verweigern. Allen Filmen ist die meisterliche Handschrift Steve McQueens gemein. Nie hat man hier das Gefühl, einer didaktischen Lehrstunde beizuwohnen. McQueen erzählt locker, spannend und anschaulich.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Sade - Lovers Rock (Lovers Live) | Bild: SadeVEVO (via YouTube)

Sade - Lovers Rock (Lovers Live)

Eine der fünf Geschichten fällt völlig aus dem Rahmen: "Lovers Rock" erzählt die einfache Story einer House Party am Anfang der 80er Jahre. "Lovers Rock" - das war die sanfte Seite des Reggae. Und auf dieser House Party sind wir dabei, wie Paare zueinander finden, wie Rivalitäten ausgetragen und  geklärt werden, das Ganze zum besten Reggae und Dub-Sound, den diese Zeit zu bieten hatte. "Lover’s Rock" feiert eine Community, die wusste, wie feiern geht. Und wie eigentlich alle Filme dieser Mini-Serie ist diese Folge als Liebeserklärung Steve McQueens zu verstehen. Der 51-jährige Regisseur feiert die Generation, die ihm vorausgegangen ist und, der er wohl einiges zu verdanken hat. Die "Small Axe" ist seitdem fleißiger geworden, auch wenn der böse Baum Babylon immer noch steht. Aber: Wir arbeiten gemeinsam daran.

Zu sehen bei: BBC, Amazon, iTunes


11