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„Pool“ Skee Mask ist deutscher Techno-Exportschlager und Exportgeheimnis zugleich

Seine Musik wird millionenfach gestreamt und international gefeiert. Nun erscheint mit „Pool“ überraschend ein neues Album des Münchners. Skee Mask ist international erfolgreich – und trotzdem kennt ihn hier kaum einer.

Von: Ralf Summer

Stand: 11.05.2021

Er ist noch immer ein Geheimtipp. Obwohl er schon seit zehn Jahren Platten veröffentlicht und seine Tracks millionenfach gestreamt werden. Denn Skee Mask ist öffentlichkeitsscheu und besetzt mit seinem Mix aus Ambient, Breakbeats und experimentellem Clubsound eine Nische. Das allerdings sehr erfolgreich.

Die erste Maxi von Bryan Müller aus München-Pasing erschien im Jahr 2011. Da war er gerade mal 18 Jahre alt. Talentscout war damals Boys Noize alias Alex Ridha. Der DJ und Produzent arbeitete mit Jean-Michel Jarre, Daft Punk – und brachte auch den gerade volljährigen Münchner raus. Damals nannte der sich noch SCNTST. Ein Musiker mit einem Namen ohne Vokale also, ausgestattet mit einem Sack voll Talent.

Er kann auch den Crowdpleaser

Seine drei SCNTST-Alben brachten Bryan Müller auch viel internationale Ehre und Respekt ein. So gefiel etwa BBC-Spürnase Gilles Peterson der abstrakte Elektroniksound von Müller so gut, dass er ihn schon früh einen Radio-Mix machen ließ.

Ab 2016 nannte sich Bryan dann Skee Mask und schloss sich Ilian Tape an, dem Münchner Label der Brüder Dario und Marco Zenker, der heute wohl einflussreichsten, süddeutschen Elektronik-Adresse. Im Sound-Mix ihres Labels aus Ambient, Breakbeats und Techno ist Müller bestens aufgehoben. Das hört man auch nachts. Müller legte im Rahmen von Ilian-Tape-Nächten auf. Er kann also auch den Crowdpleaser.

Mit seiner letzten Platte „Compro“ landete er dann neben DJ Koze als einziger Deutscher in den „Best Albums of the 2010s“ des vielgelesenen US-Musikblogs Pitchfork. Nun hat Skee Mask ein neues Kapitel aufgeschlagen. Am Freitagnachmittag ploppte plötzlich bei Pitchfork die Meldung auf: „Skee Mask surprise release – listen to his new album Pool“. Ganz oben, zwischen Pop- und Rap-News von Kurt Cobain und DJ Khaled. Die Welt da draußen kennt also Skee Mask und weiß ihn einzuordnen.

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Skee Mask - Nvivo | Bild: ILIAN TAPE (via YouTube)

Skee Mask - Nvivo

Es ist ein Phänomen, das wir aus eigener Erfahrung kennen. Im „Popcast“, dem gemeinsamen Musikpodcast von Goethe-Institut und Zündfunk, merken wir: Die Welt da draußen will kaum englischsingende Indie-Rock-Bands aus Deutschland oder deutschen Gangsta-Rap hören. Aber der ganze Globus schätzt instrumentale, elektronische Musik „made in Germany“. Skee Mask hat allein auf Spotify mehr als zehn Millionen Streams – und ist doch ein Hidden Champion. Er ist Exportschlager und Exportgeheimnis zugleich.

Seine neue Platte ist erstmal nur bei Bandcamp erhältlich. Dazu muss man wissen: Die amerikanische Download-Plattform hat sich einen Namen gemacht, weil sie während der Pandemie immer am ersten Freitag im Monat fast 100 Prozent der Einnahmen der über die Plattform gekauften MP3s direkt an die Künstler*innen weitergibt. Der sogenannte „Bandcamp Friday“ ist bei vielen Bands und Labels der Hit. Auch Skee Masks neues Album erscheint deshalb erstmal nur dort. Die LP folgt demnächst.

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Skee Mask - CZ3000 Dub | Bild: ILIAN TAPE (via YouTube)

Skee Mask - CZ3000 Dub

Ich hätte Bryan Müller gern gefragt, was ihm Dub bedeutet, denn drei Tracks haben das Wort „Dub“ im Titel. Auch hätte ich gern gewusst, ob der Song „Harrison Ford“ eine Verbeugung vor „Blade Runner“ ist. Und mich hätte interessiert, wie er den tollen Track „Dolan Tours“ aus seinen Maschinen rausgeschraubt hat. Dieser schleicht sich ambient-typisch an – um einen dann auf eine Drum-’n’-Bass-Achterbahnfahrt mitzunehmen.

Doch Interviews gibt Bryan Müller keine, nicht mehr. Aber er schreibt: „Meine neue Platte ist die Fortsetzung dessen, was ich bisher getan habe und was ich in Zukunft machen möchte.“ Sein Plan sei, dass es keinen Plan gebe. Weiter schreibt er: „Meine neue Skee-Mask-Platte ‘Pool’ baut auf bestimmten Stimmungen und bestimmten Patterns und ist Ausdruck purer Schaffensfreude.“

Doppelstunde in Nerdkunde

Seine Lektionen in Sachen Rhythmus-Gefühl hat sich Bryan Müller bei „Dad Rock“ geholt. Er begann nämlich als Schlagzeuger in einer Rock-Cover-Band – und zwar in der seines Vaters. Eine gute Groove-Schule.

Skee Masks 18 Tracks lange neue Platte ist eine Doppelstunde in Nerdkunde. Avanciertes Programmieren. Abgefahrene Sounds. Sphärische Outer-Space-Synthies treffen auf unberechenbare Breakbeats. Ist er der Aphex Twin seiner Generation?