Bayern 2 - Zündfunk

Shahrzad Osterer und Natalie Amiri Die Hoffnung stirbt zuletzt - unser Leben mit dem Iran

Natalie Amiri war Leiterin des ARD-Studios in Teheran. 2020 musste sie ihre Tätigkeit dort aufgeben. Shahrzad Osterer hat das Land verlassen, als sie noch keine 20 war. Beide können nicht in den Iran einreisen, weil sie sonst ihr Leben riskieren würden. Ein Gespräch über ein Land, "das das unserige war und vielleicht wieder einmal wird".

Published at: 24-10-2022

Seit dem Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini befindet sich der Iran im Ausnahmezustand: Seit vier Wochen entlädt sich die Wut der Bevölkerung auf den Straßen. Viele Menschen fordern einen Systemwechsel. Anders als bei früheren Protesten gibt es Demonstrationen in allen 31 Provinzen des Landes und die Teilnehmenden kommen aus allen sozialen Schichten. Das Regime um Präsident Ebrahim Raisi reagiert mit Gewalt. Bislang starben mindestens 250 Menschen. 

Mahsa Amini war am 13. September von der iranischen Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie gegen die islamische Kleiderverordnung verstoßen haben soll. Was genau nach ihrer Festnahme geschah, ist bis heute ungeklärt. Fest steht, dass die 22-Jährige ins Koma fiel und am 16. September in einer Klinik verstarb. Ihren Tod führen viele auf Polizeigewalt zurück.

Leben im Iran

Die Weltspiegel-Moderatorin Natalie Amiri und die Zündfunk-Autorin Shahrzad Eden Osterer unterhalten sich in dieser Stunde über ein Land, in das sie zurzeit beide nicht einreisen können, weil sie sonst ihre Freiheit und ihr Leben riskieren würden. Sie schildern ihre Erlebnisse und die ihrer Familie und Freunde in einem Land, dessen Regierung Menschen - und vor allem Frauen - dafür bestraft, dass sie beispielsweise auf einer Party waren oder das Kopftuch nicht richtig getragen haben.

Natalie Amiri ist in München geboren, ihr Vater ist Iraner, ihre Mutter Deutsche. Bis 2020 berichtet sie aus dem Iran. Sie ist noch keine 40, da wird sie Leiterin des ARD Studios Teheran. Schließlich muss Amiri ihre Arbeit aufgeben, weil die Gefahr zu groß wurde. Über ihre Zeit, ihr Leben in und mit dem Iran, hat sie ein Buch geschrieben: "Zwischen den Welten - von Macht und Ohnmacht im Iran".

Shahrzad Osterer lebt selbst zwischen den Welten, sie ist in Teheran geboren und aufgewachsen und hat das Land verlassen, als sie noch keine 20 war.

(Erstausstrahlung am 3. April 2021)