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Serie "Black Mafia Family" Die Wahrheit über die Drogenwelt des 80er-Jahre-Hip-Hops

Detroit, 1980. Die Black Mafia Family ist der einflussreichste Drogenhändlerring in der gebeutelten Stadt. Und dann steigen die beiden Brüder noch ins Hip-Hop-Business ein. Idealisiert Produzent 50 Cent mit dieser Serie die Drogenwelt des Rap – oder erzählt er einfach Wahrheit?

Von: Katja Engelhardt

Stand: 23.09.2021

Black Mafia Family | Bild: STARZ

"Wir haben uns den Hustle nicht ausgesucht - der Hustle kam zu uns. Es war die einzige Möglichkeit unsere Armut sofort zu beenden." Mit diesem Zitat von Demetrius Flenory, auch Big Meech genannt, beginnt die allererste Folge von "Black Mafia Family".

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'We Gonna Be Kings' Inside the World of BMF | STARZ | Bild: STARZ (via YouTube)

'We Gonna Be Kings' Inside the World of BMF | STARZ

Drogengeschäfte vor Schulbeginn

Das ist der Grundton: Aus dem Detroit der 80er Jahre gehst du nicht ohne weiteres als Gewinner hervor. Hier wachsen die beiden Brüder Demetrius und Terry auf. Mit dem ehemaligen Industriestandort Detroit geht es schon länger bergab. Die Brüder sehen in der Nachbarschaft Dealer und Gewalt, noch bevor sie morgens die Schule erreichen. Nach nicht einmal zehn Minuten der ersten Folge steigen sie – noch als Kinder - zu dem lokalen Drogenboss ins Auto. Der Karriereweg ist eingeschlagen. Einige Jahre später, als Teenager, sind sie eine Stufe höher in der Hierarchie: Sie bringen die Ware nicht selbst auf die Straße, sie lassen andere verkaufen.

Natürlich kommen Rivalitäten mit anderen Dealenden auf sie zu. Und natürlich setzen die beiden damit ihre eigene Sicherheit und die ihrer Familie aufs Spiel - während sie selbst noch minderjährig sind. Einer der beiden, Terry, geht zur Schule. Die Eltern hoffen, dass aus ihm „etwas werden wird“, wie man so sagt.

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BMF | Behind the Scenes | STARZ | Bild: STARZ (via YouTube)

BMF | Behind the Scenes | STARZ

Die neoliberale Logik der Straße

Zwischen diesen beiden Welten agieren sie. Einerseits sind da die gläubigen Eltern, bei denen sie leben, die hart arbeiten und doch nicht den Schulausflug der Tochter zahlen können – andererseits ist da die neoliberale Logik der Straße. Dieses große Verständnis, das die Serie für Terry und seinen Bruder mag Empowerment bedeuten für all diejenigen, die diese Umstände aus erster oder zweiter Hand kennen. Es wirkt aber auch idealisierend, etwa wenn sie Drogen zum Verkauf vorbereiten und dabei Musik hören, alles happy irgendwie.

Produzent Curtis Jackson, auch bekannt als 50 Cent, sagte – angesprochen auf eine etwaige Verharmlosung: Zwischen Entertainment und Realität sei doch ein riesiger Unterschied. Stimmt. Die Serie verwischt diese Grenze aber immer wieder gezielt. Denn Demetrius, alias Big Meech wird verkörpert von seinem eigenen Sohn: Lil Meech, bürgerlich Demetrius Flenory Junior. 50 Cent hatte ihm vorab Schauspielunterricht ermöglicht und Lil Meech selbst beschreibt im Interview, wie echt alles war, wie nah er sich an der Realität gefühlt hat: "Die Dreharbeiten waren therapeutisch. Ich habe viel neues über meinen Dad gelernt. Wir haben sogar in dem Haus gedreht, in dem mein Dad aufgewachsen ist."

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BMF | Official Teaser | STARZ | Bild: STARZ (via YouTube)

BMF | Official Teaser | STARZ

Das echte Leben

Auch beim Setdesign und den Kostümen ist die Serie authentisch und liebevoll gestaltet, die Charaktere tragen Trainingsanzüge von Sergio Tarquini und sitzen rauchend im Diner. 50 Cent ist der erste, der von Big Meech autorisiert, die Geschichte der "Black Mafia Family" - kurz BMF -erzählt. Der Produzent und das Vorbild aus dem echten Leben standen in engem Austausch, so Lil Meech. 50 Cent hätte schon sechs Jahre die Rechte daran gehabt, aber der Planung Zeit gegeben, bevor er an die Umsetzung gegangen ist. Davor gab es auch andere Versionen dieser Geschichte: "Der Unterschied zwischen BMF und dieser Dokumentation, die auf dem History Channel lief ist, dass niemand mit meinem Dad gesprochen hat. Mein Dad wollte immer, dass die Leute seine wahre Geschichte erfahren", so Lil Meech.

Wenn es einerseits die Geschichte einer echten Gang ist, die mit dem engen Kontakt zu dem wahrhaftigen Big Meech beworben wird, andererseits aber betont wird, dass einiges fiktionalisiert wurde, zugunsten der Unterhaltung – was ist denn dann echt? Diese Widersprüchlichkeit steht durchgehend im Raum, erzeugt eine Spannung – und ist auch ein Grund, warum man diese Serie sehen möchte.


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