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"Untitled (Black Is)" Auf ihrer neuen Platte verwandeln Sault die Wut über Rassismus in soulige Würde

Die neue Platte von Sault ist nicht mehr so ausgelassen und unbeschwert funky wie das Debüt, das im August 2019 rauskam. Aber wie soll das auch fröhlich klingen, wenn sich KünstlerInnen tagtäglich mit einer so gegen sie gerichteten Realität beschäftigen müssen? Anstatt ein verbittertes Statment zu liefern, verpacken Sault auf unserem Album der Woche "Untitled (Black is)" ihre Wut lieber in Würde und ganz viel Soul.

Von: Ralf Summer

Stand: 23.06.2020

“Black is beautiful”, “Black is excellent”, “Black is sweet and love and god”. Singen Sault im Titelsong ihres neuen Digital-Albums “Untitled (Black Is)”. Aber sie können auch anders. Auf dem Cover der Platte steht nichts, wir sehen nur eine schwarze, erhobene und geballte Faust. Sault klagen an: “Junge, du bist Teil des Systems, du bist Teil des Problems. Wir wissen, dass du dich vor uns fürchtest, aber das ist kein Grund uns zu töten.”

Ab der ersten Sekunde thematisieren Sault den Rassismus

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Black Is | Bild: SAULT - Topic (via YouTube)

Black Is

Ab der ersten Sekunde beschäftigen sich Sault auf dieser Platte mit dem Thema Rassismus. Sie wissen, wovon sie reden: Sängerin Cleo Sol ist jamaikanisch-serbisch-spanisch und Produzent Inflo ist schwarz. In ihren Songs thematisieren sie die permanente Angst, den permanenten Stress, unter denen Schwarze in den USA stehen. Weil sie bei jeder Polizeikontrolle immer mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Diese Angst übersetzen sie in Musik. Immer wieder flehen sie: “Haltet sie auf, erschießt uns nicht.” Oder:  “Waffen runter, bitte nicht schießen, ich bin unschuldig”. Und im Hintergrund laufen Polizeisirenen.

"Änderung steht an. Wir passen auf."

Sault kommen zwar aus London, aber die Platte nimmt natürlich Bezug auf den Tod von George Floyd. In einem ihrer raren Statements schreiben sie. „Wir präsentieren unser 'Untitled'-Album in einer Zeit, in der wir als Black People um unsere Leben kämpfen. Ruhe in Frieden, George Floyd und all jene, die durch Polizeigewalt und den Rassismus des Systems leiden. Änderung steht an. Wir passen auf.“

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Wildfires | Bild: SAULT - Topic (via YouTube)

Wildfires

Der Song „Wildfires“ scheint unter den Fans der Hit der Platte zu werden. Jedenfalls, wenn man die Kommentare auf Bandcamp liest, wo man die 20 Tracks von Sault umsonst runterladen kann. Man kann aber auch spenden, der Erlös geht an caritative Zwecke. Einer ihrer größten Fans arbeitet auch beim Radio: Gilles Peterson, die DJ-Legende für schwarze Musik bei der BBC, hat zehn Tage vor Veröffentlichung etwas in seiner Sendung gemacht, was er davor nur einmal tat: Er spielte das neue Sault-Album komplett von A-Z. Vorab versteht sich.

Kein verbittertes Statement, aus dem nur Hass quillt

Ein besonderes Stück auf dem Sault-Album ist „Bow“ – zu Deutsch: „sich verbeugen“ - in dem ein Gastsänger in einer ganz anderen Rolle als gewohnt auftaucht: Michael Kiwanuka gibt hier mal nicht den Folkie, sondern chantet über einen Afro-Beat. Er, dessen Eltern aus Uganda nach London geflohen waren, zählt viele afrikanische Länder und Städte auf und fordert am Ende: „We got rights“ - „Wir haben Rechte“.

Die neue Sault ist aufgrund ihres Themas nicht mehr so ausgelassen und unbeschwert funky wie das Debüt, das im August 2019 rauskam. Aber wie soll das auch fröhlich klingen, wenn sich KünstlerInnen mit einer so gegen sie gerichteten Realität beschäftigen? Müssen. Tag für Tag. Unser Album Der Woche ist trotzdem kein verbittertes Statement, aus dem nur Hass quillt. Sault haben das Überraschungs-Soul-Album zum #BlackLivesMatter-Frühjahr 2020 hinbekommen. Sie verwandeln Wut in Würde. Und überlassen uns, wieviel uns die neuen Lieder wert sind.


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