Bayern 2 - Zündfunk

Film-Rückblick Was das Kino-Jahr 2021 besonders gemacht hat

Eigentlich war’s wegen des Lockdowns nur ein halbes Kino-Jahr, aber das hat dann doch sehr ordentlich geliefert. Die großen Filme-Macher haben uns Meisterwerke vorgelegt – und vor allem ein unerwartetes Genre hat auch aufgrund der Krisenzeit gerade Hochkonjunktur.

Von: Roderich Fabian

Stand: 20.12.2021

Eine Szene aus dem Film "Dune". | Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Villeneuve Films

Ich hoffe, dass man das bald gar nicht mehr erwähnen muss, weil es eine Selbstverständlichkeit geworden ist, aber auch 2021 war voller starker Filme von Frauen. Darunter der ungeheuer schlaue Neo-Western „Power of the Dog“ von der bewährten Neuseeländerin Jane Campion, der vor allem zeigt, dass auch ein Macho - hier gespielt von Benedict Cumberbatch - tatsächlich dazu fähig sein kann, seine wahren, in diesem Fall queeren, Gefühle zu zeigen. Ganz anders, nämlich unversöhnlich, sah das die Französin Julia Ducournau, die uns in „Titane“ eine traumatisierte Kriegerin vorführt, die auf Dominanzgebahren ultrabrutal reagiert. Dieser Film gewann zurecht die Goldene Palme in Cannes, und auch der Oscar für Chloe Zhao und ihren Film „Nomadland“ ging mehr als in Ordnung.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

NOMADLAND | Official Trailer | Searchlight Pictures | Bild: SearchlightPictures (via YouTube)

NOMADLAND | Official Trailer | Searchlight Pictures

Horrorfilme haben in Krisenzeiten Hochkonjunktur

„Nomadland“ war nicht der einzige Film, der sich mit denen beschäftigte, die in den USA zu den sogenannten Verlierern gehören. Die zunehmende Armut und die damit einhergehende Verschärfung der Konflikte in der amerikanischen Gesellschaft zeigen ihre Spuren auf der Leinwand. Der Horrorfilm hat - wie immer in Krisenzeiten - wieder Konjunktur. Mit „Ted Bundy - No Man Of God“ gab es ein sehr cleveres Psychogramm eines Serienmörders, in „Old“ führte uns M. Night Shyamalan den Alptraum des modernen Menschen vor, nämlich wenn der Alterungsprozess in den Turbo geht, und in „Antlers“ zeigte uns Produzent Guillermo del Toro nicht nur dysfunktionale Familien, sondern auch das, was passiert, wenn das Testosteron zu hoch kocht.

Donald Trump hat auch im Kino Spuren hinterlassen

Der echte Horror eines Militärputsches wurde übrigens sehr gut eingefangen vom mexikanischen Film „New Order - Die Neue Weltordnung“. Ja, die Trump-Ära hat ihre Spuren im Kino des Jahres 2021 hinterlassen, aber natürlich sorgte auch heuer der pure Eskapismus der Superhelden-Blockbuster wieder für die wesentlichen Umsätze. Inzwischen wendet sich allerdings die jahrzehntelang affirmative Filmkritik von den ja schon immer eher banalen Comicverfilmungen ab. Man spürt wohl, dass es enger wird für die Filmkunst in Zeiten, in denen die Macht der großen Studios immer mehr auf die Streaming-Anbieter übergeht. Aber einen Hollywood-Film fanden in diesem Jahr alle gut, die Neuauflage von „Dune, Der Wüstenplanet“ vom Kanadier Denis Villeneuve.   

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

New Order - Die neue Weltordnung - Deutscher Trailer | Bild: Ascot Elite Entertainment (via YouTube)

New Order - Die neue Weltordnung - Deutscher Trailer

Dominik Grafs Meisterwerk sticht heraus

Und der europäische Film? Die Franzosen drehten jede Menge ihrer Feelgood-Movies, also oberflächliche Komödien, aber eben auch meinen Film des Jahres „Titane“, aus England kam die Swinging-Sixties-Fantasie „Last Night In Soho“, aber auch das düstere Familiendrama „The Nest“ mit Jude Law als armseligem Hochstapler. Paolo Sorrentino hat uns aus Italien die großartigen Maradonna-Kindheitserinnerungen „The Hand Of God“ geliefert.

Und sogar bei uns gab’s Beachtliches: Das Thomas-Brasch-Biopic „Lieber Thomas“, das Drama „Große Freiheit“ über Homophobie in den Sechziger Jahren, und vor allem: Dominik Grafs Meisterwerk „Fabian“. Die Geschichte von Erich Kästner aus dem Jahr 1931 konnte und sollte wohl auch als Warnung verstanden werden, die Nazis nicht zu lange gewähren zu lassen - der beste deutsche Film des Jahres, auch dank Tom Schilling mit mahnenden Worten: „Wir sitzen alle im gleichen Zug und reisen quer durch die Zeit. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir fahren alle im gleichen Zug, und keiner weiß wie weit“.