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Generator Podcast Reguliert das Metaverse oder verbietet es!

Das Metaverse wird kommen - ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir Bürger*innen uns jetzt nicht damit beschäftigen, dann hat das Metaverse unter der Federführung von Zuckerberg und Co. das Potential, das Ende der Demokratie weltweit zu besiegeln.

Von: Esther Diestelmann

Stand: 06.05.2022

„Das Metaverse ist körperliches Internet“, sagt der Cyberethiker Chris Bühler. Glaubt man den Big Tech-Unternehmern aus dem Silicon Valley, dann könnte unsere digitale Zukunft sich „so anfühlen, als ob du wirklich dort mit anderen Menschen bist. Du kannst ihren Gesichtsausdruck, ihre Körpersprache sehen und auch herausfinden, ob sie wirklich bessere Karten haben“, so erklärte es Meta-Chef Mark Zuckerberg bei der Facebook Connect-Konferenz im Oktober 2021.

Eine traumhafte Lebenswelt, in die wir mit einer Virtual-Reality-Brille eintauchen sollen. Eine Welt, in der wir daten, gemeinsam tanzen, arbeiten, reisen und uns besser kennenlernen können als bislang vorstellbar. Unser Avatar, den wir selbst gestalten können, wird es uns ermöglichen tiefe Einblicke in unseren Charakter und unsere Erfahrungen zu geben. Einer der Marktführer der Technologie, die das alles sichtbar machen soll, heißt Oculus, natürlich ein Tochterunternehmen des Meta-Konzerns von Zuckerberg.

Die langen Schatten der schönen neuen Welt

Schöne neue Welt? Grundsätzlich ja, denn sie beinhaltet massiven technologischen Fortschritt. Aber es gibt in dieser neuen Welt einen langen Schatten: Für Thomas Metzinger, Philosoph und Berater der EU-Kommission zu Künstlicher Intelligenz, ist die Macht privatwirtschaftlicher Firmen das Problem: „Ein Beispiel: Alle Politiker benutzen jetzt Twitter. Als Twitter endlich Trump abgestellt hat, haben auf einmal alle Politiker verstanden, dass sie auch abgestellt werden könnten. Da gab es eine ganz kurze Welle, wo die Leute das realisiert haben. Genauso ist es natürlich, wenn jetzt begeisterte Kinder und Jugendliche in Zuckerbergs Metaversum strömen. Es kommt ein Punkt, da kann man das nicht mehr abstellen, weil es zur Infrastruktur geworden ist. Das ist eine extreme Machtanballung, die man eigentlich nicht zulassen dürfte, um die Demokratie zu schützen.“

Mein Avatar soll Sneaker tragen

Optisch sieht Zuckerbergs Metaverseum aus, wie eine Variante der Welten auf der Wii-Konsole. Harmlos – auf den ersten Blick. Aber warum sichern sich schon jetzt viele Investoren einen Platz auf den Metaverse-Plattformen? Der Grund: Sie wollen neue Märkte erschließen. Es ist schließlich eine neue Lebenswelt, in der auch neue Bedürfnisse entstehen sollen. Warum sollte mein Avatar keinen schicken Sneaker tragen, wäre mein digitales Alter-Ego im sonnigen Metaverse nicht hübscher mit einer Sonnenbrille?

Auf Decenterland, einer anderen Metaverse-Plattform, können die Bewohner über Verträge auf der Blockchain virtuelle Grundstücke bauen und handeln – und dort dann beispielsweise Konzerte oder Kunstaustellungen veranstalten. Oder ins Casino gehen, wo die Croupiers für ihre Arbeit in Kryptowährungen bezahlt werden. Decenterland soll den User*innen gehören und wird von der Decentraland Foundation weiterentwickelt. Die auf der Kyrptowährung Etherum basierende Plattform hatte im Dezember 2021 einen Börsenwert von 7,4 Milliarden Euro.

Kinder und Jugendliche

Ein anderer Big Player der Metaverse-Plattformen ist die Online-Spiele-Plattform von Roblox. Dort werden jedes Jahr Millionen von Videospielen kreiert, an deren Umsätzen die Entwickler*innen der Plattform beteiligt werden. Die Regeln bestimmt das Unternehmen. Roblox nutzen vor allem Kinder unter 13 Jahren. Thomas Metzinger kritisiert: „Die fünf amerikanischen Tech-Konzerne sind weder an der geistigen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen interessiert, noch sind sie daran interessiert, dass mündige Bürger entstehen. Sondern sie haben phantastische Systeme der Aufmerksamkeitsextraktion entwickelt. Sie haben es geschafft, viele von uns süchtig zu machen und als Produkt an Werbekunden zu verkaufen.“

Was für ein Metaversee wollen wir eigentlich?

Wer jetzt glaubt, dass man sich davon auf individueller Ebene frei machen kann, der sollte mal auf sein Handy schauen und prüfen, ob dort nicht WhatsApp, Facebook, Google, Spotify und Co gespeichert sind. Unabhängig davon, ob sich am Ende das Metaverse von Mark Zuckerbeg, AltspaceVR von Microsoft oder eben ein anderes privatwirtschaftliches Unternehmen durchsetzt, es dürfte eigentlich niemanden egal sein, was da gerade entsteht, denn es wird uns alle betreffen. Am Ende müssen wir dieses neue Universum finanzieren. Nochmal der Cyberethiker Chris Bühler: „Was wir brauchen, ist viel mehr Teilhabe an dieser Veränderung der Welt. Aber zuallererst brauchen wir eine Diskussion: Was für ein Metaverse wollen wir eigentlich? Wem soll das helfen? Wie soll es aufgebaut sein? Das sind die wichtigen Fragen.“

Fragen, die wir klären müssen. Denn solange wir uns nicht damit beschäftigen, bleiben wir der Macht der Big Tech-Unternehmern aus dem Silicon Valley ausgeliefert. Und die bauen uns vor allem eine Welt, die ihnen Geld einbringt.

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