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"Coburger Mohr" Wegen Rassismus: Eine Petition fordert, das Stadtwappen von Coburg zu ändern

Vor einem Monat wurde George Floyd ermordert, was weltweit zu Protesten und einer breiten Rassismus-Debatte geführt hat. Statuen fallen und es wird diskutiert, ob eine U-Bahnstation wirklich „Mohrenstrasse“ heißen muss. Auf dem Prüfstand steht auch das Stadtwappen von Coburg, der sogenannte „Coburger Mohr“.

Von: Cynthia Seidel

Stand: 25.06.2020

Der Schutzpatron von Coburg, Sankt Mauritius, seit 1521 auch "der Coburger Mohr" genannt, auf einem Kanaldeckel | Bild: picture-alliance/dpa

Krauses Haar, volle Lippen und großer Ohrschmuck, so stellte man sich in grauer Vorzeit in Coburg einen Afrikaner vor: Die Stadt trägt stolz seit mehr als 100 Jahren ihren „Coburger Mohren“ im Stadtwappen. Juliane Reuther, geborene Oberfränkin und Wahlberlinerin, ist alles andere als stolz. Im Gegenteil: Sie findet das Wappen rassistisch: „Viele fragen sich natürlich, ist das nicht eher cool und progressiv, dass man eine schwarze Person in Oberfranken im Stadtwappen hat. Da ist natürlich nichts Schlechtes dran, das Wappen ist allerdings rassistisch, weil es sich auf Stereotypen von Menschen des afrikanischen Kontinents bezieht. Es erinnert an viele Darstellungen schwarzer Menschen aus der Kolonialzeit und der Sklaverei.“

Um darauf aufmerksam zu machen hat Reuther zusammen mit ihrer Freundin Alisha Archie vor ein paar Tagen eine Petition ins Leben gerufen, die fordert, das Wappen zu ändern. Es sind bereits über 2.600 Unterschriften zusammengekommen. Die Kritik gilt dabei nicht nur der Darstellung, sondern auch dem Begriff: „Das Wort Mohr wird von schwarzen Menschen als eine Art Pendant zum N-Wort erfahren. Es wirkt diskriminierend, traumatisierend und erniedrigend. Das Wort Mohr war nie neutral. Es ging immer auf zwei Worte zurück: Aus dem Griechischen „Moros“, was soviel wie töricht und dumm bedeutet und aus dem Lateinischen „Maurus“, was soviel wie afrikanisch, schwarz oder dunkel bedeutet.“

Der Heilige Mauritius

Wie aber kam es überhaupt dazu, dass ein klischeehaft dargestellter Afrikaner das Stadtwappen von Coburg schmückt? Gezeigt wird der Heilige Mauritius – der legendäre Schutzpatron der Stadt. Im dritten Jahrhundert, zur Zeit des Römischen Reichs, war er General einer ägyptischen Legion. Mit dieser wurde er in die Schweiz gerufen, um einen Aufstand zu unterdrücken. Als er den römischen Göttern huldigen sollte, weigerten er und seine Männer sich, da sie Christen waren – und Mauritius wurde enthauptet. So wurde er fortan als Märtyrer verehrt – auch in Coburg.

Aber so wie im Wappen dargestellt, kann Mauritius kaum ausgesehen haben. Allein schon, weil er aus Ägypten stammte, also aus Nordafrika. Diese vollkommen falsche Darstellung stört Juliane Reuther besonders: „Man kann davon ausgehen, dass die Künstler des Mittelalters gesagt haben: Okay, Mauritius ist aus Afrika, deswegen stellen wir ihn als diesen Stereotyp dar, obwohl der Mann selbst wahrscheinlich überhaupt nicht so ausgesehen hat. Ich frage mich, warum kann man sich von diesem Bildnis dann nicht trennen?“ Dabei will Reuther Mauritius gar nicht aus dem Wappen entfernen. Sie fordert aber eine authentische Darstellung.

Kein Verständnis von der Stadt: Petition ist "sinnbefreit"

Coburgers Bürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) hat bisher noch nicht zur Petition Stellung bezogen. Dafür aber der zweite Bürgermeister Hans Herbert-Hartan (CSU), der für Rassismus-Bedenken wenig Verständnis zeigt: „Was man da hinein interpretieren möchte, ist mit völlig schleierhaft. Im Gegenteil: Wenn ein farbiger Mensch der Schutzpatron einer Stadt ist, dann ist das ja eine Ehre und keine Diskriminierung. Insofern halte ich das für völlig sinnbefreit.“

Aktivisten haben das U-Bahn-Halstestellenschild "Mohrenstrasse" mit "George Floyd" überklebt

Doch nicht nur Coburg muss sich derzeit fragen, ob es richtig ist, die Darstellung eines stereotypen Afrikaners im Stadtwappen zu haben. In Möhringen, einem Stadtteil von Stuttgart, gibt es das gleiche Problem und eine ähnliche Petition. Genauso taucht der sogenannte „Mohr“ in mehreren Stadtwappen von Mandach bis Krautheim auf. Die Firma Sarotti hat übrigens schon vor Jahren den sogenannten „Sarotti-Mohr“ gegen einen Zauberer im Logo ausgetauscht. Und kein Mensch isst heute mehr „Negerküsse“ oder „Mohrenköpfe“ – vielen wäre es peinlich, solche Wörter auszusprechen.


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