Bayern 2 - Zündfunk


12

"Once Upon a Time in Hollywood" Quentin Tarantino ist zurück: Ein Comeback in alter Stärke

In „Once Upon a Time in Hollywood“ passiert in der erst mal nicht viel. Denn es geht darum, einen Groove zu schaffen. Natürlich gelingt Leonardo DiCaprio und Brad Pitt das auch mühelos. Später geht’s dann um Serienmörder Charles Manson - aber vor allem aber geht es - wie schon so oft bei Quentin Tarantino - darum, eine Film-Ära zu würdigen, in diesem Fall die späten Sixties.

Von: Roderich Fabian

Stand: 02.08.2019

Der Film spielt im Jahr 1969. Das kommt Tarantino schon mal entgegen. Denn damals galten in Hollywood andere Spielregeln als heute. Und so kann er seine Protagonisten zwei weiße Machos sein lassen. Leonardo DiCaprio spielt den mittelmäßig erfolgreichen Cowboy-Darsteller Rick Dalton und Brad Pitt seinen Stuntman und Chauffeur Cliff Booth.

Wie immer bei Tarantino: Eine Nachhilfestunde in Sachen Filmgeschichte

Neben Witzen am Rande der Schmerzgrenze gibt’s in der ersten Stunde dieses fast dreistündigen Werks vor allem Anspielungen auf die Filmgeschichte. Schon beim Titel lässt Sergio Leone grüßen. Denn „Spiel mir das Lied vom Tod“, der große Hit des Jahres 1969, hieß im Original „Once upon a Time in the West“. Und mit dem Biker-Film „Easy Rider“ begann 1969 die Ära des amerikanischen Autoren-Films. Auch das Kung-Fu-Genre war gerade im Begriff, von Taiwan aus den Westen zu erobern. Auch davor verbeugt sich Tarantino, indem er Brad Pitt eine Parodie auf Bruce Lee tänzeln lässt.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD - Finaler Trailer - Ab 15.8.19 im Kino! | Bild: SonyPicturesGermany (via YouTube)

ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD - Finaler Trailer - Ab 15.8.19 im Kino!

Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Tarantino feiert das Jahr, in dem sich die Popkultur in Hollywood durchgesetzt hat. Sex, Drogen und Rock’n‘ Roll rulen total 1969, und der Soundtrack holt ein paar wirklich funky Perlen aus der Versenkung hervor. Tarantino nutzt alle Freiheiten, die ihm dieses Jahr bietet. Und wer noch immer bezweifelt, dass Tarantino Hippies nicht ausstehen kann, bekommt hier mehrere Beweise an die Hand. Die werden nämlich hier vor allem als stinkfaule Schnorrer und Herumhänger dargestellt.

„Once Upon a Time in Hollywood“ verhandelt schließlich auch die Morde der Manson-Hippie-Family an der Schauspielerin Sharon Tate und ihren Freunden – irgendwie muss der Film überhaupt so etwas wie eine nacherzählbare Handlung bekommen. Das aber diese gewisse Ziellosigkeit von „Once upon a Time in Hollywood“ trotzdem funktioniert, liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern. Brad Pitt darf einfach gnadenlos Brad Pitt sein, eine Karikatur des unbesiegbaren Heartbreakers. Und Leo DiCap ist eben dieses nach Anerkennung heischende Hollywood-Sternchen, dem schon das Lob eines Kindes in Begeisterung versetzen kann.

Tarantino's viertbester Film

Tarantinos neuer Film kann man als künstlerisches Comeback verbuchen. Anders als die etwas angestrengten Vorgänger von „Kill Bill“ bis „The Hateful Eight“ kommt „Once Upon a Time“ extrem locker daher. Tarantino kennt sich in Hollywood und der Filmgeschichte einfach besser aus als in Fernen Osten oder im Wilden Westen. Dass „Pulp Fiction“, „Reservoir Dogs“ und „Jackie Brown“ unerreicht bleiben, stört nicht Besonders. Denn Platz vier in der Tarantino-Filmographie ist doch auch nicht schlecht, oder?


12