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Interview mit Schachgroßmeisterin Schönes Beiwerk? Wieviel Schach wirklich in der Erfolgsserie "The Queen's Gambit" steckt

"The Queen's Gambit", zu Deutsch "Das Damengambit", ist die erfolgreichste Miniserie auf Netflix. Sie handelt vom Schachwunderkind Beth Harmon und hat zu einem Boom des Strategiespiels geführt. Wir wollten von Schachgroßmeisterin Josefine Heinemann wissen: Wieviel Liebe zum Schach steckt wirklich in der Serie?

Von: Katja Engelhardt

Stand: 02.12.2020

The Queen's Gambit (deutscher Titel "Das Damengambit"), Produktionsfoto | Bild: Phil Bray/Netflix

Beth Harmon ist ein Waisenkind mit einem außerordentlichen Talent für Schach, das sie heimlich vom Hausdiener des Kinderheims beigebracht bekommt. "The Queen's Gambit" erzählt von ihrem Kampf um Titel und Anerkennung, denn sie ist die einzige Frau in einer Männerdomäne. Die Serie handelt aber auch von Beths Kampf gegen ihre Drogensucht und von der Einsamkeit des Genies.

Zündfunk: Josefine, Du spielst seit der Grundschule, warum bist du so lange dabeigeblieben? Was liebst Du an Schach?
Josefine Heinemann: Ich mag den sportlichen Aspekt daran, ich mag den Wettkampf. Ich bin gerne besser als andere. Aber ich finde auch, dass Schach sehr ästhetisch sein kann. Ich schätze, das ist von außen gar nicht so einfach zu verstehen.

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Das Damengambit | Offizieller Trailer | Netflix | Bild: Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (via YouTube)

Das Damengambit | Offizieller Trailer | Netflix

„The Queen’s Gambit“ ist ja per se eine sehr ästhetische Serie, von der Ausstattung und der Kleidung her und wie es gedreht ist. Ich finde, dass dieses Ästhetisieren auch auf Schach zutrifft. Sind das so richtig stehende Begriffe, sagt man das so: Das ist der Zug und der Zug? Oder ist das ein bisschen überzogen?
Es ist tatsächlich ein kleines bisschen komisch dargestellt aus meiner Sicht. Zum Beispiel dieses Auswendiglernen der Züge, das gibt es so eigentlich nicht so richtig. Es geht mehr um Motive, dass man Figurenkonstellation erkennt. Was es gibt, sind die verschiedenen Eröffnungen, so wie sie auch in der Serie vorkommen: Sizilianische Verteidigung, Grünfeld-Verteidigung, Spanisch, Italienisch.

Hast Du eine Lieblingseröffnung?
Meine Lieblingseröffnung ist Najdorf, das ist eine Variante der Sizilianischen Verteidigung.

Schachwunderkind Beth Harmon schlägt sie alle

Sind Dir Sachen in der Serie aufgefallen, bei denen Du sagt, das ist jetzt totaler Quatsch. Das würde niemand machen.
Also, die Gegner sind alle ein bisschen zu begeistert von Beth. Man will halt gewinnen und man will nicht, dass da jemand besser ist als man selbst. Und dass jemand einen Handkuss kriegt, der gerade jemanden geschlagen hat, ist einfach absolut unrealistisch.

Eine Frage, die sich viele stellen ist: Kann man mit Schach reich werden?
Ja, aber sehr wenige Menschen. Unsere Topspieler verdienen schon sehr gut. Zum Beispiel bei dem Turnier, wo ich kommentiert habe, gab es 100.000 Dollar Preisgeld. Es können inzwischen mehr Leute davon leben durch das ganze Streaming und so. Aber reich werden tun die meisten nicht.

Es gibt jetzt schon Artikel dazu, dass die Serie einen Schach-Boom ausgelöst hätte. Merkst Du was davon, ist das Interesse gestiegen?
Ich merke, dass sehr viele Leute in unseren Streams nach „The Queen’s Gambit“ fragen. So: Habt Ihr die Serie gesehen? Was haltet Ihr davon? Ich habe schon das Gefühl, dass es etwas ausgelöst hat.

Josefine Heinemann (22) ist Schachgroßmeisterin der Frauen und eine der erfolgreichsten Schachspielerinnen Deutschlands

Stichwort Stream. Ich finde das super interessant, weil das ja bei vielen anderen Sportarten gar nicht so gut geht. Gibt es so etwas wie eine offizielle Liga oder Online Liga?
Es gibt natürlich diese Turniere, die am Brett stattfinden. Die sind immer von irgendwelchen offiziellen Verbänden organisiert. Aber die Online-Turniere mit den großen Preisfonds sind momentan sehr auf die Spitzenspieler beschränkt, weil es leider im Online-Schach die große Problematik gibt, dass es relativ leicht ist zu schummeln. Und natürlich kann man da ein bisschen dagegen kämpfen, aber es komplett auszuschalten ist nahezu unmöglich. Zumindest momentan. Derzeit setzt man einfach darauf, nur Leute einzuladen, die im Prinzip - weil sie so einen guten Ruf haben - viel zu verlieren haben, dass sie das Risiko nicht eingehen werden.

Ein Punkt in der Serie ist, dass Schach dann doch ein Teamsport ist. Dass man sich zusammen beratschlägt. Stimmt das?

In der Serie wird das ja vor allem in den Hängepartien gezeigt. Da wurde die Partie abgebrochen und am nächsten Tag weitergespielt. Aber heute kann jeder den Computer anschmeißen. Früher musste man eben selbst an der Stellung arbeiten und da war es dann auch wichtig, ein Team zu haben, das einem hilft. Heute gibt es keine Hängepartien mehr.


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