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„II - The next wave“ Quakers schenken uns eine antirassistische Hip-Hop-Zeitreise in die 70er

Das muss ein Hip-Hop-Album erstmal schaffen: Oldschool-Beats mit den politischen Themen von heute zu verknüpfen. Quakers gelingt es auf ihrer neuen LP „II - The next wave“ wie selten einer Rap-Crew - und zwar auf unglaublichen 33 Tracks.

Von: Sandra Limoncini

Stand: 17.11.2020

Cover der neuen LP "II The Next Wave" | Bild: SureShot/Quakers

Also das habe ich wirklich lange nicht mehr gesehen: Ein Album mit 33 Tracks. Alter, das kann einem ja fast Angst machen. Was hat sich Geoff Barrow nur dabei gedacht? Ok, er hat das alles nicht allein gemacht. Der alte „Portis-Head“ hat sich mit dem australischen Produzenten Supa K alias Katalyst und dem vergleichsweise unbekannten 7STU7 zusammengetan.

Comeback nach acht Jahren

Nach 8 Jahren Stille tauchte das transatlantische Hip Hop - Projekt wie ein Phönix aus der Rap und Hip Hop Asche auf, erst mal mit einem instrumentalen Mix Tape namens: Heavy Tremors. Und jetzt die offiziellen LP: „II The Next Wave”.

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Quakers feat. Jonwayne - Test My Patience | Bild: Stones Throw (via YouTube)

Quakers feat. Jonwayne - Test My Patience

Damit keine Missverständnis entstehen. Von den 33 Tracks sind manche nur sehr kurz, kleine Appetizer oder besser Mini Tracks, bei denen man oft denkt, das hätte doch jetzt hier noch gut 4 Minuten so weiter gehen können. Wie bei Leaflet Drops.

Überhaupt eine gutes Beispiel für die Vielfältigkeit dieses Albums! Quakers verknüpfen Old School Hip Hop, 70er Jahre Disco Beats mit politischem Psych-Rap. Oder vielleicht muss man sagen, das um den US-Rapper The Koreatown Oddity erweiterte Team verbindet hochpolitische Themen mit abseitigen Beats. Aber wenn nicht jetzt, wann sonst darf, soll, nein muss, Hip-Hop politisch und unkonventionell sein.

Unkonventioneller Oldschool-Rap, der relevanter nicht sein könnte

Das Unkonventionelle an diesem Album sind dabei nicht die Beats, der Sound an und für sich oder die Künstler, mit denen die Quakers kollaborieren, sondern die konsequente Zusammenstellung von unterschiedlichen Sounds, der abwechslungsreiche, soulige fast schon verspulte Old School Style des Albums. J-Dilla-Veteran Guilty Simpson rappt in „Duck And Cover“ mit seinem altersweisen Toughtalk über eine nach Apokalypse klingende Bassline. Der Flow von Jeremiah Jae rasselt über die Hi-Hats von „This Station“.

Stones-Throw-Records-Newcomer Koreatown Oddity rappt seine antirassistischen und anti-militaristischen Lines in „Double Jointed“ über eine fast schon militärische Snare-Drum. Alle 31 Künstler*innen haben dabei von Geoff Barrow und seinem Team einen genau auf ihn oder sie zugeschnittenen Beat Background bekommen.

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Quakers - Double Jointed feat. The Koreatown Oddity | Bild: Stones Throw (via YouTube)

Quakers - Double Jointed feat. The Koreatown Oddity

Zeitreise in die 70er Jahre

Besonders angetan haben es mir aber die kleinen kurzen Song Skips - oft nicht länger als 23 Sekunden. Schön, dass einen Musik noch verblüffen kann. Diese angedeuteten Tracks sind komplexe, kleine Sound-Wunderwerke, die das Album zu dem machen, was es ist. Eine Zeitreise zurück in die 70er Jahre, die trotzdem schwer im Hier und jetzt verankert ist. Dass etablierte Künstler*innen wie Sampa The Great auch dabei sind, sollte man vielleicht noch erwähnen. Aber so abwechslungsreich die verspulten, souligen Old-School-Beats auch sind, am Ende klingt das Album dann doch wie aus einem Guss. Love it.


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