Bayern 2 - Zündfunk


30

Lueg, Jetzendorf, 14.07.2018 PUCH OPEN AIR

Dieses Festival gehört zur Münchner Indie-Szene wie kaum ein zweites und ist definitiv eines unserer Lieblingsfestivals. Seit mehr als 27 Jahren findet sich ein kleines, aber sehr feines Line-Up zwischen Waldrand und Obstbäumen ein. Lauschiger geht's nicht.

Von: Zündfunk

Stand: 07.02.2018

PUCH OPEN AIR | Bild: Südmotor GmbH

14 Juli

Samstag, 14. Juli 2018, 17:00 Uhr

Lueg, Jetzendorf:

Bus shuttle S2 Petershausen / A9 Ausfahrt Petershausen Einlass 15:00 | Start 16:00 | Ende 03:00 Tickets 30€ + VVK Gebühr |Tageskasse 35 €

„Weißt du noch? Kannst Du dich noch erinnern?“

Wer schon einmal oder öfter beim Puch Open Air war, hat ihn vielleicht schon erfahren, seinen persönlichen Puch-Moment. Ein Erlebnis, das es nur hier geben kann. Auf dem lauschigen Grashang am Waldrand unter den Apfelbäumen auf dem Grundstück der Familie Lehmair. Der eine erinnert sich vielleicht noch an den kleinen Shuttle-Bus, der nur aus Festivalplakaten zu bestehen schien, und in dem man freundlich begrüßt wie ein VIP, in Windeseile vom Bahnhof zum Open Air kutschiert wurde.

Dem anderen Besucher klingt vielleicht noch der legendäre Auftritt von Jaki Liebezeit und Jochen Irmler in den Ohren. Zwei Krautrock-Urväter, die sich unbeeindruckt von strömenden Regen musikalisch die Bälle zuschoßen und legendäre Auftritte von The Notwist, Tocotronic, FSK, Superpunk, Pollyester, Mount Kimbie, Mouse on Mars, Die Goldenen Zitronen, Jeans Team, Stereo Total – um nur ein paar zu nennen, die in den letzten 26 Jahren hier vorbeischauten
Aus einer spontaner Mitfahrgelegenheit wurde vielleicht eine Freundschaft oder mehr. Und wenn manchmal gar nichts mehr ging, zogen die benachbarten Landwirte, auch schon die eine oder andere Karre aus dem Dreck.

Das Familienfest der Indie-Szene aus München und dem Umland überrascht jedes Jahr wieder mit seinem Booking, für das Peter Wacha aka "Upstart" wieder zuständig ist (davor Queerbeat) und zieht seit über 27 Jahren deutsche und internationale Bands und Liveacts an.

Hier das Puch-Open-Air-Line-Up 2018:

THE NOTWIST
SUUNS
DIE NERVEN
EBOW
ANIMAL CRAKERS / DREI SEKUNDEN
ELEMENTAL WAVE SOUNDSYSTEM

THE NOTWIST

Von ihren Anfängen 1989 in Weilheim mit Wurzeln im Hardcore und Noise bis zu ihren Exkursionen in Jazz und Elektronik gehören Notwist zu den wandelbarsten und zugleich beständigsten Bands. Schon ihr Debüt „The Notwist“ ließ aufhorchen, bereits auf „Nook“ findet sich bei Songs wie „The Incredible Change of Our Alien“ dieses feine Gespür für die Balance von Melodie und Härte, Stille und Sturm, die zum Markenzeichen für Notwist Songs wird. Mit „Shrink“ gelingt ihnen 1998 ein weiteres Album, das fast so etwas wie Blaupause für Indietronic wird. Erstmals ist auch Console-Mastermind Martin Gretschmann Teil des Bandgefüges und prägt mit seinen frickligen Passagen den neuen Sound der Band, der neben Elektronik auch Ambient und Jazzeinflüsse enthält. 2001 dann der Meilenstein „Neon Golden“ ihr bis heute wohl erfolgreichstes und zugänglichstes Album, das nicht nur Kritiker jubeln lässt. Songs wie „Pick Up The Phone“, This Room“, „Consequence“ oder “One With Freaks“ umarmen den Hörer, Markus Achers Stimme wird zum alten Bekannten, die harten Töne der frühen Jahre scheinen Vergangenheit zu sein und doch biedert sich hier niemand an. „Consequence vom ersten bis zum letzten Ton. Gerade diese Konsequenz ist sicher eins der Markenzeichen der Band, die keine Experiment scheut, und doch immer beeindruckend stilsicher agiert. Trotz der Metamorphosen, die Notwist über die Jahre durchlebten, erkennt man die Handschrift von Markus und Micha Acher sofort. Nachdem sie aktuell eher mit ihren Nebenprojekten wie der Hochzeitskapelle oder Ms. John Soda von sich reden machen, mit Alien Transistor ihr eigenes Label pflegen oder kurzerhand mit „Alien Disko“ ihr eigenes neues Indoor-Festival aus der Taufe hoben , wird es höchste Zeit Notwist endlich wieder live auf der Bühne zu sehen.

SUUNS

Im März erschien „Felt“, das vierte Album der Kanadier. Postpunkelemente und elektronische Partikel konkurrieren darauf um die Vorherrschaft und auch der gute alte Krautrock feiert eine Renaissance. Von ihrer düsteren Seite, die ihre letzten Alben prägte, haben sich Suuns, die um 2007 von Sänger Ben Shemie und Gitarrist Joe Yarmush gegründet wurden, weitgehend verabschiedet, die Elektronik haben sie zugunsten akustischer Instrumente zurückgeschraubt, ihre Experimentierfreude dagegen mit Samples und Autotune-Effekten noch mal gesteigert. Live erwarten den Hörer Noise-Ausflüge zwischen dröhnenden, schneidenden Gitarren, Basslawinen und Schlagzeugdonnern.

DIE NERVEN

Ein drückender Bass, scheppernde Drums, verzerrte Gitarreneruptionen und atemloser Gesang sind die Kennzeichen der Band, die in den letzten Jahren Indie-Deutschland jubeln lässt. Da schimmern Referenzen wie Wipers oder Hüsker Dü oder Mogwai vor dem geistigen Auge auf, um gleich wieder im wohl lärmigen Wechselspiel zwischen Stille und Noise unterzugehen. Gerade erschien mit „Fake“ das aktuelle Album der Stuttgarter. Drei Jahre Zeit ließen sich Julian Knoth (Gesang, Bass), Max Rieger (Gesang, Gitarre) und Kevin Kuhn (Schlagzeug) für den Nachfolger von „Out“. Mit Abstand hat uns kein Album so viel abverlangt wie dieses hier und wir können kaum erwarten es auf Euch los zu lassen“ sagt die Band selbst über das neue Album.

EBOW

Seit ihrem Debütalbum ist bei Ebow viel passiert. Von München zog es sie nach Wien, musikalisch schlug sie mit den Gaddafi Gals neue Wege ein. Jetzt schaltet sie mit „Punani Power“ in den höchsten Gang und lässt die Hater weit hinter sich. M.I.A ist dabei genauso Referenz wie die iranische Sängerin Googosh. Im November vergangenen Jahres erschien ihr Album „Komplexität“ beim Wanda-Label Problembär Records. Ihre Beats ließ sich Ebow neben Nik Le Clap, von Pennedhaus und Walter p99 Arkestra auf den Leib schneidern, dazu erzählt sie mit vie Biss und Gesellschaftskritik Geschichten von bröckelnden oder gescheiterten Beziehungen, ihrer Kindheit und den Eltern oder wie in „Asyl“ vom dem Leben der Flüchtlinge in Deutschland.

ANIMAL CRAKERS / DREI SEKUNDEN

Lenz Lehmair und Reiner Sladek waren die Songschreiber der ANIMAL CRAKERS, einer Münchner Indie-Band der späten Achtziger, die sich an Soundtrack-ohne- Film-Post-Rock-Strukturen,Tracks, wie sie heute im nordamerikanisch/kanadischen Umfeld üblich sind, abgearbeitet haben. Live zogen die ANIMAL CRAKERS Soundwände hoch um sie gleich im Anschluss genauso laut wie kunstvoll zu dekonstruieren; sie veröffentlichten insgesamt fünf Alben. Letztes Jahr erschien die Doppel-CD Small Loud Songs (WSFA), eine Anthologie der vergriffenen Vinyl Aufnahmen, Demos und Cassetten-Veröffentlichungen. Während der langen Arbeit an der Zusammenstellung der Small Loud Songs haben Lehmair und Sladek auch wieder begonnen, neue Songs zu schreiben und aufzunehmen. Arbeitstitel: die DREI SEKUNDEN. Drei Sekunden sind der zeitliche Maßstab, den der menschliche Verstand als Gegenwart interpretiert. Was wir als Gegenwart empfinden dauert genau drei Sekunden. Insofern ist der der Name DREI SEKUNDEN Programm: die Songs sind eine Liebeserklärung an die Gegenwart, wie flüchtig und zerbrechlich sie auch sein mag. In Szenen, Verschiebungen, Wiederholungen und Wiederholungen. Musik besteht aus Wiederholung. Das Meer auch. Manchmal irrlichtert elegante Melancholie, ganz ohne Südsee, manchmal klappern überdrehte Disharmonien über Elektro- Pop, auf einer Reise zwischen weg und da, Pop und Art. Unruhe wird dabei zur Methode: Gib mir Mode, Halbwertzeiten, gib mir Dinge, die nicht lange halten, gib mir Jahreszeiten heißt es in „Der Deutsche Frühling“. Die Texte sind großteilweise auf Reisen entstanden: Etappen, Geschichten, Menschen, Eindrücke, Stationen zwischen Tanger und Istanbul, vom Yumbo Center nach Yad Vashem. Episoden an Busbahnhöfen, Häfen, Dampfbädern, Frühstücksterrassen, Terminals, Durchgangsstationen. Verschiebungen. Neu-Gier. Reiselieder sind Liebeslieder: Nicht jeder Koffer ist eine Waffe. Das erste Album von den DREI SEKUNDEN wird deutscher Frühling heißen und erscheint diesen Herbst auf WSFA. Der Auftritt auf dem Open Air Puch beginnt mit Animal Crakers Songs, in Minimal-Besetzung aus E-Gitarre und Stimme und leitet über zum allerersten Auftritt der DREI SEKUNDEN.

Reiner Sladek und Lenz Lehmair sind DREI SEKUNDEN. Das Minimal-Elektro-Duo Duo aus München mag das Mittelmer, Mülltrennung, Moogs und die wenigen Momente, in denen München wie eine Großstadt wirkt. Eine hypnotische Liebeserklärung an die Gegenwart: Gib mir Mode, Halbwertzeiten, gib mir Dinge, die nicht lange halten, gib mir Jahreszeiten DER DEUTSCHE FRÜHLING.

Bühnenmoderation: Noe Noack

PUCH OPEN AIR - INDEPENDENT MUSIC FESTIVAL
LUEG / JETZENDORF
Bus shuttle S2 Petershausen / A9 Ausfahrt Petershausen

www.puch-openair.de
www.facebook.com/puch.openair

Präsentiert von Zündfunk/Bayern 2, Spex - Magazin für Popkultur, taz, InMünchen, Mucbook - das Münchner Stadtmagazin & Optimal Records


30