Bayern 2 - Zündfunk


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Online-Dienst "Cameo" Abgehalfterte Promis sagen dir jetzt alles, was du willst – gegen Geld

Das amerikanische Start-Up „Cameo“ macht dich zum Bauchredner der Stars. Du bezahlst deine Lieblingsstars dafür, dass sie dir Geburtstagswünsche, Liebeserklärungen oder Aufmunterungen als Video schicken. Ein Selbsttest.

Von: Maria Fedorova

Stand: 16.11.2018

Perez Hilton schickt Grüße an den Zündfunk via Cameo | Bild: Cameo

„Cameo“ heißt der neueste Hype aus den USA. Das ist eine Website und eine App, auf der erloschene Sternchen und ganz große Stars dafür bezahlt werden, personalisierte Videos zu erstellen. „Cameo“ funktioniert wie eine Art Restmüll-Deponie vergessener B- und C-Promis, unterteilt in die Kategorien: Musikerinnen und Schauspielerinnen, Sportler, Influencerinnen, Models und Politikerinnen. Das schreit nach einem Selbstversuch, das schreit danach 25 Dollar auszugeben, um mir selbst von einem Ex-Star die Seele streicheln zu lassen.

"You´re my lucky star, This is my lucky star. Maria, Maria you´re a star as well."

  Perez Hilton

Das singt Perez Hilton für mich, einer der ersten berühmten US-Skandal-Blogger und ein Reality-Show-Akteur. Perez Hilton – übrigens nicht zu verwechseln mit Paris Hilton, auch wenn deren große Zeit ungefähr die gleiche war: Perez Hilton hatte nur nie ein Sex-Tape und war deswegen auch nie ganz so famous, wie Paris Hilton, aber egal. Ich habe bei Perez Hilton jedenfalls eine Art Motivationsvideo bestellt: Im Sinne von „Ich arbeite beim Zündfunk und bräuchte ein bisschen Power im Arbeitsalltag.“ 

Es ist schon witzig sich das heimlich im Büro anzuschauen, aber sich heimlich die Seele streicheln zu lassen, ist nur halb so geil, wie sich die Seele vor aller Welt streicheln zu lassen. Deswegen habe ich Perez Hilton befohlen, allen mitzuteilen, was für ein Badass ich bin und dass ich das Potenzial für Hollywood habe. Wie das Video beweist, tut er das auch. Ich liebe Perez Hilton dafür zwar nicht, aber die 22 Euro hat er sich verdient.

Jeder hat seinen Preis. Und Perez Hilton ist mit einem Zwanziger die Budget-Variante bei „Cameo“. Für den Rapper Riff Raff zahlt man 50, Tom Felton aus Harry Potter liegt bei paar Hundert Dollar. Caitlyn Jenner oder Dennis Rodmann sind in der „obersten“ Preisklasse: 1.000 Dollar pro Video. Und – logisch – man kann seine Promis auch bewerten: von Null bis fünf Sterne.

Promis beschimpfen auch Leute - auf Befehl

Zugegeben – ich musste auch lachen, als ich mein Video gekriegt habe. Ich war peinlich berührt, ich hab mich fremdgeschämt und gefragt: wann wird die Seite für extreme Sachen ausgenutzt? Natürlich können die Stars deine Anfrage ablehnen, die Praxis zeigt, dass sie das selten tun. Es gibt keine ausgeschriebenen No-Go-Regeln, Prominente mussten schon Zungenbrecher einsprechen, peinliche Witze erzählen oder Leute beschimpfen.

"Cameo“ ist im Prinzip wie der Film „Being John Malkovich“, nur in echt. Im Film führt ein geheimes Portal direkt in das Gehirn des Schauspielers. Das Erlebnis in Malkovichs Kopf zu sein wird verkauft und es gibt viele Interessenten. Alle wollen in seiner Haut stecken, ihm die Wörter in den Mund legen und sich dabei besser fühlen. Also stimmt es: diese ewige Suche nach der besseren Identität, diese Verbeugung vor Ruhm, die dazu zwingt, dass wir permanent jemand anderes sein wollen? Vielleicht ist aber die Wahrheit viel offensichtlicher, viel simpler - eben so wie Cameo.

Das Anhimmeln in großen Stadien, Poster auf der Wand: wie altbacken ist das denn. Die Annäherung an einen Star geht klar. Und die Täuschung, dass berühmte Leute dich auch kennen, dich direkt ansprechen wird bekräftigt  - durch Selfie-Videos, die sie ungeschminkt zu Hause, im Bett oder beim Autofahren aufnehmen. Leute wie Perez Hilton nutzen die letzten Funken ihres Ruhms um daraus Profit zu schlagen. Und mir, einer völlig fremden Person, Liebeserklärungen zu schicken. Also Fame ist auch nicht mehr das, was es mal war.


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