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Produzent von Kendrick Lamar und Co. Grammy-Nominee Steve Lacy prägt aktuellen Pop wie kein zweiter - mit nichts als einem Smartphone

Steve Lacy startete seine Karriere als Gitarrist und Producer der R’n‘B-Gruppe The Internet. Seit 2019 ist der Mann aus Compton, NY aber auch solo unterwegs – neben seiner Tätigkeit als Producer von Kendrick Lamar, J. Cole, Vampire Weekend und Solange. Nun ist Lacys zweites Album erschienen: „Gemini Rights“. Zeit für einen umfassenden Blick auf das Talent.

Von: Alba Wilczek

Stand: 18.07.2022

Steve Lacy bei der Grammy-Verleihung 2020 | Bild: picture alliance / Jordan Strauss/Invision/AP

Steve Lacys musikalische Backstory liest sich wie der Plot einer coolen Teenie-Netflix-Serie. Der Protagonist? Ein junger Afro-Amerikaner aus Compton, Los Angeles, der bei seiner Mama aufgewachsen ist. Dessen Papa erst nie da war und dann ziemlich früh verstorben ist. Seine Mutter schickt ihn auf eine private High School, weit weg von den Problemen auf den Straßen Comptons.

Mit 16 entdeckt der junge Steve sein Faible fürs Gitarre spielen durch das Video-Game Guitar Hero. In der Jazz-Band seiner privaten High School trifft er dann auf Jameel Bruner und gründet mit ihm und anderen talentierten Musiker*innen die Band „The Internet“. Das erste Album der Gruppe, „Ego Death“, wird sehr erfolgreich. Lacy produziert die Platte. Komplett alleine. The Internet werden prompt für einen Grammy nominiert. Da ist Steve gerade einmal 18 Jahre alt.

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Just Sayin/I Tried | Bild: The Internet - Topic (via YouTube)

Just Sayin/I Tried

Musik mit dem Handy produzieren

Der Sound von The Internet? LoFi. Ein Gemisch aus R’n‘B, Hip-Hop und Träumerei. Ein Sound, der nicht etwa in Hochglanz-Studios, sondern dort entstanden ist, wo 18-Jährige eben so rumhängen: Auf dem iPhone. Dem Internet-Magazin WIRED erklärt Steve Lacy, dass er schon immer Beats über verschiedene Apps auf seinem Handy kreiert habe. Es mache Spaß, sei flexibel und er brauche eh nicht viel. Nur das Programm Garage Band, einen Ploppschutz, den er vor seinen Mund hält, wenn er direkt ins iPhone singt und das sogenannte iRig, ein Plug-In-Gerät für seine Gitarre.

Mit dieser Technik nimmt Steve Lacy nicht nur das erste und zweite The Internet-Album auf, sondern auch alle anderen Produktionen, mit denen er beauftragt wird. Klar, mit der Grammy-Nominierung sind nicht nur Kritiker*innen und Fans auf ihn aufmerksam geworden. In den Jahren nach dem „Ego Death“-Album arbeitet Steve Lacy mit dem Who is Who an Künstler*innen zusammen. Für Compton-Legende Kendrick Lamar produziert der 18-Jährige den Song „Pride“ auf dessen Grammy-ausgezeichneten Albums „DAMN“.

Von Solange bis Mac Miller

Für Vampire Weekend steuert er 2019 zwei Songs für das Album „Father Of The Bride“ bei und im gleichen Jahr ebenfalls zwei Songs für „When I Get Home“, der hochgelobten Platte von Solange. Die Liste der Kollaborationen ist lang: Denzel Curry, Kali Uchis, Isaiah Rashad, J. Cole und schließlich Mac Miller. Alles Künstler*innen, die für zeitgenössische urbane Musik stehen. Die die Spaces zwischen R’n’B, Hip-Hop, Rap und LoFi mit herausragenden Alben neu gefüllt und geprägt haben. Steve Lacy war und ist ein Teil davon. Als Feature-Gast und als Produzent. Dank ihm klingen große Teile der Contemporary Urban Music, so viele Lieblingsalben der letzten Jahre, so wie sie klingen.

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Steve Lacy - Mercury (Official Video) | Bild: SteveLacyVEVO (via YouTube)

Steve Lacy - Mercury (Official Video)

Doch Steve Lacys veröffentlicht auch eigene Alben. Gerade ist „Gemini Rights“ erschienen. Die moody Platte mit zehn Songs verkörpert einen sonnigen Sonntagnachmittag auf dem Balkon, mit Drinks und den Gedanken, die man als Anfang 20-Jähriger eben so hat: Liebe, Beziehungen, Tagträume. Es ist bereits Lacys zweite Platte als Solo-Artist. 2019 kam „Apollo XXI“ raus. Und auch für dieses Album gab es eine Grammy-Nominierung.

Musik für die Seele

Steve Lacy macht keine Platten, die große Hits hervorbringen, die die Masse bewegen oder Clubs zum Brennen bringen. Er ist einer dieser Künstler, die Musik mit Seele und für die Seele produzieren. Jeder Song gibt einem das Gefühl einer Umarmung. Lässt einen vor dem inneren Auge fast sehen, wie Lacy genüsslich Spur auf Spur stapelt und grinsend Lyrics in sein iPhone singt. Mit einer Stimme wie flüssiger Honig.

Das Beste: Heute ist Lacy  gerade einmal 24 Jahre alt. Und verliert man sich in seiner Diskographie, schwimmt besonders ein Gefühl stetig mit: Da geht noch mehr. Der hält sich doch noch zurück! Was da wohl noch alles kommt? Die Vorfreude, die ist jedenfalls da.