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Old school – True school Warum Raplegende Masta Ace gerne nochmal 14 wäre

Sind die goldenen Jahre des Hip-Hop vorbei? Raplegende Masta Ace findet ja. Doch hinter seiner Nostalgie steckt eigentlich eine Liebeserklärung: an die Jugend, die hungrig sein muss.

Von: Maria Fedorova

Stand: 05.06.2019

The Brooklyn rapper Masta Ace is considered as a highly skilled and influential MC and storyteller in American hip-hop culture. Masta Ace???s civil name is Duval Clear and is here pictured at a live concert at the Danish hip-hop festival Århus Took It 2010. Denmark 01/10 2010. | Bild: picture alliance/CITYPRESS 24

Zündfunk: Eine Jugend im New York der 80er Jahre. Live-Battles in den Straßen von Queens und Brooklyn. War das die goldene Zeit des Hip-Hop?

Masta Ace: Damals war das unser Alltag. Wir haben uns immerzu spontan gebattelt. Irgendwo auf der Straße. Wenn du gehört hast, dass irgendein Kid aus einer anderen Hood gut rappt, dann bist du in seine Hood gefahren, um ihn zu finden und ihn herauszufordern. Ich vermisse diese Zeiten. Es war eine andere Zeit. Es drehte sich alles um den Wettkampf: beim Graffiti, beim Breakdance, bei den MCs und bei den DJs. Heute geht es in den Battles nur noch darum, wer reicher ist, wer mehr Geld verdient. Früher ging es um die Skills, um dein Talent. Ohne Talent konntest du nicht überleben. Ich denke oft an die Zeit zurück. Und wünsche mir, ich wäre wieder 14 – zumindest nur für ein Tag.

Du hast deine Karriere in der legendären Juice Crew angefangen und durftest als Erster „The Symphony“ einleiten, das erste Posse Cut in der Hip-Hop Geschichte. Stimmt das, dass du als Erster ran durftest, weil die anderen Rapper zu schüchtern waren?  

Ja, Craig G und Kool G Rap haben diskutiert, wer als Erster rappen soll. Sie waren schon aufgeregt und haben sich belauert, was die anderen so für Rhymes vorbereitet haben. So dass man noch mal seine Verse ändern kann, wenn der andere was richtig Cooles am Start hatte. Marley Marl hat mich nur ins Studio geschickt, um das Mikrofon aufzuwärmen. Ich habe einfach den ersten Reim rausgespuckt, der in meinem Kopf rumschwirrte. Und sie haben ihn drin gelassen. Das war meine erste Aufnahme.

MCs waren zu der Zeit wahre Botschafter der Kultur und des Zeitgeschehens, oder?

Das ist unser Job als MC. Jeder Rapsong ist ein Zeitdokument. Was in der Gesellschaft so los ist, in der Mode, im Musikgeschäft. Raps sind wie musikalische Hieroglyphen an den Höhlenwänden. Die Höhlenmaler erzählen uns was damals passiert ist. Hip-Hop hat unsere Gegenwart festgehalten. Höre Hip-Hop und du weißt, was Sache ist. Erst danach hat man angefangen, Rap und Hip-Hop neu zu definieren. KRS-One hat es am besten ausgedrückt. Rap ist, wie du performst, sagt er, wie du Worte an einen bestimmten Rhythmus anpasst. Hip-Hop ist die Bezeichnung der gesamten Kultur.

Die politischen Themen im Hip-Hop sind leider aktueller denn je. Vor allem Polizeigewalt und Racial Profiling. Die Pop-Kultur erinnert gerade vermehrt an die krassesten Fälle aus der Vergangenheit. Zum Beispiel die neue Netflix Serie „When they see us“ über die Central Park Five, die unschuldig für Jahre ins Gefängnis mussten. Kannst du dich an den Fall noch erinnern?

Ich kann mich SEHR gut daran erinnern. Ich war selber im College, ich habe all die kleinen Gangs in New York gesehen. Und als ich die Geschichte gehört habe, habe ich es sofort geglaubt. Die Medien, die Zeitungen hatten auch ihren Anteil an diesem Desaster. Sie haben dieses Narrativ so gepuscht, dass sogar ich, ein junger schwarzer Amerikaner, geglaubt habe, dass die fünf afroamerikanischen und latino-Teenager schuldig waren. Heute ist es mir wirklich peinlich, dass ich den Nachrichten geglaubt habe.

Deine Karriere hat viele interessante Momente. Zum Beispiel deine Kollaboration mit Eminem. Er zählt dich auch zu seinen wichtigsten musikalischen Einflüssen.

1993 habe ich mein Album Slaughterhouse veröffentlich. Eminem hat mir erzählt, dass er genau da seine ersten Rap-Versuche gestartet hat. Es war seine Jugend, der Sommer 93, er und sein Kumpel, der Rapper D 12, sind durch Detroit gecruist und hörten mein Album in Dauerschleife. So ist es mit der Musik. Bestimmte Stücke erinnern dich an früher. Solche Alben haben einen besonderen Platz in deinem Herzen und dieses Album hat eine besondere Bedeutung für Eminem. Das ist cool, das er mich erwähnt, das ist ein Zeichen des Respekts und ich denke, dass er ein unglaublicher Künstler ist. Das ist auch mein Ziel, wenn ich Musik mache: Ich will meine Alben so komponieren – dass sie Geschichten erzählen. Ein Album soll wie ein Film auf dich wirken, das will ich erreichen.


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