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Im Interview Das sagen die Regisseure über das Haiyti-Musikvideo in der Strache-Villa

"Perroquet" heißt das neue Album der Trap-Queen Haiyti. Das Musikvideo zu ihrem Song Coco Chanel hat sie auf Ibiza gedreht, genauer: In der Strache-Villa. Wer die dortigen Aufnahmen gemacht hat, ist dieses mal bekannt. Maria Fedorova hat mit den Regisseuren des Videos gesprochen.

Von: Maria Fedorova

Stand: 18.06.2019

Haiyti - Coco Chanel  | Bild: Youtube-Screenshot, Haiyti, Coco Chanel

Maria Fedorova: Wie seid ihr überhaupt darauf gekommen das Video in der Strache-Villa zu drehen?

Steffen Goldkamp: Wir waren auch schon vor dem Release von diesem Skandalvideo auf der Suche nach einem geeigneten Ort. Und dann, als wir dann im Internet und dann später auch in den Zeitungen gelesen haben davon, was das für ein Ort ist und wie das funktioniert hat mit der ganzen Ausstattung, war das eigentlich relativ schnell klar, dass es ein perfektes Hip-Hop Setting ist. Für uns.

Und wie seid ihr dann an die Villa gekommen? Einfach buchen?

Paul Spengemann: Wir sind dann durch alle Portale durchgegangen: AirBnB und Booking und haben uns die Interiors angeschaut den entsprechenden Villen auf Ibiza. Und wir sind dann genau auf diese eine Einstellung gekommen. Man erkennt am Mobiliar, dass es auf jeden Fall dieser Ort ist. Da sieht man diesen Lederstuhl, diesen Schrank im Hintergrund. Und da sind so zwei größere graue Vasen und diesen Glastisch auf dieser Holzwurzel und dieses relativ unscheinbare, graue Sofa. Und dann konnten wir relativ schnell Haiyti davon überzeugen und ihren Manager und Universal. Und dann haben wir die Kreditkarte überzogen und die Villa gebucht.

Im Song rappt Haiyti über Geld und Rausch. Im Video räkelt sie sich auf der Couch, auf dem Tisch stehen der Eiskübel und die Red Bull Dosen. Kurzum - die Szenerie im Strache-Video ist ziemlich korrekt nachgebaut.

Steffen Goldkamp: Das entsteht ja so fast wie von selbst. In der Süddeutschen Zeitung könnte man dann lesen, was für ein Setting da aufgefahren wurde. Da wurde ziemlich genau beschrieben, wie diesen „Maybach“ vor die Tür gesetzt wurde und oder irgendein anderes teures Auto, dessen Bodyguards Service da aufgetaucht ist, der Eindruck machen sollte. Und dieser ganze Präsentationsmodus, der ist eigentlich eingefangen in diesem Video. Es gibt ja ganz klare Lyriks, und die kann man ja auch dann auf bestimmte Art interpretieren. Wenn man hört „Noch ein noch ein Deal“, dann ist das ja vielleicht auch ein Ort, an dem Deals gemacht werden. Und es gibt dieses Hip-Hop Bild und diese Textpassage, die Haiyti sich da ausgedacht hat. Ja, die spricht dann schon für sich, denke ich.

Wie hat es sich angefühlt, in diesem Ambiente zu drehen?

Paul Spengemann: Wir sind angekommen und wir haben auch produktionell uns wirklich nur zwei Tage leisten können. Das heißt, wir hatten auch keine Chance, wirklich den Ort uns vorher anzuschauen, so wie man das in klassischen Video- oder Film-Vorbereitung dann auch tut. Das heißt, wir sind an dem einen Nachmittag angekommen und waren eigentlich geschockt von der Banalität dieses Ortes. Es ist wie ein klassisches AirBnB-Setting. Am Ende ist es immer relativ banal. Wir waren so: Oh okay, wir haben jetzt alles auf diese Karte gesetzt. Jetzt müssen wir hier zwei Tage lang das Ding wuppen.

Steffen Goldkamp: Ich glaube, es ist auch, wie Paul das auch schon beschreibt, eine konzeptionelle Idee. Wir sind diesem Ort dann relativ nüchtern begegnet und haben entschieden, nicht nur in diesem Wohnzimmer zu drehen, sondern eben auch im Pool und in anderen Teilen dieses Geländes, dieser Villa.

Man erkennt nicht nur die Villa, Haiyti trägt auch eine blonde Perücke, zeigt die Fingerpistole, macht also sehr explizite Anspielungen auf das Strache-Video. Wieso wolltet ihr unbedingt in den Resonanzraum von diesem Skandal treten?

Steffen Goldkamp: Das ist das, was sich ergibt in einer Zeit, in der man über ein gut gemachtes Video Regierungen stürzen kann. Das weckt Interesse für uns, auch als Künstler. Damit beschäftigt man sich und setzt sich damit auseinander. Gleichzeitig beschäftigte man sich eben auch mit Bildern von Hip-Hop, die dann auch in so einem pop-kulturellen Segment irgendwie eine bestimmte Strahlkraft haben müssen. Und diese Übersetzung fanden wir total interessant.

Ja, aber bei euch ist nichts verspielt oder subtil. Beim Angucken weiß man ganz genau, wo das Video entstanden ist und wer damit gemeint ist. Wieso wolltet ihr das so explizit ansprechen?

Paul Spengemann: Oh, ok, dann bist du da die erste Person. Wir haben das Feedback bekommen, als es gerade fertig war - Oh ja, man sieht es ja gar nicht! Und wenn man genau hinschaut, dann erkennt man dieses Setting. Also, man hätte das Setting ja noch wesentlich mehr eins zu eins nachbauen können.

Hat Strache ob nun gewollt oder auch nicht gängige Klischees im Hip-Hop bedient?

Paul Spengemann: Ich glaube, er ist auf diese teilweise gängigen Klischees reingefallen, wie auch viele andere darauf reinfallen. Und dieses Verhältnis oder dieses Konstrukt fanden wir interessant. Da werden die Autos vor der Villa geparkt, da wird alles vorbereitet und man glaubt dieser Situation. In einem ähnlichen Setting werden ja auch Musikvideos gedreht. Also da wird ein Auto geliehen und hingestellt und damit konnotiert, dass es im Besitz des jeweiligen Künstlers ist.

Hans Christian Strache und Hip-Hop: die Verbindung ist gar nicht so weit hergeholt, auch aus einem anderen Grund.

Paul Spengemann: Oh, das würde uns interessieren, das ist super.

Vor gar nicht so langer Zeit hat Strache selbst einige Rap-Versuche gestartet. Kennt ihn seinen Song „Steht auf, wenn ihr für HC seid“ aus dem Jahr 2013?

Paul Spengemann: Wunderbar, wenn das nächste Musikvideo kommt für ihn, dann gerne unsere Nummer weitergehen.

Steffen Goldkamp: Weiß nicht, ob das mich interessiert, für Strache Musikvideos zu drehen, aber das würde mich natürlich interessieren, was er jetzt über unser Video denkt.

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Haiyti - Coco Chanel (prod. by Macloud & MIKSU) | Bild: HaiytiOfficial (via YouTube)

Haiyti - Coco Chanel (prod. by Macloud & MIKSU)


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