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Album der Woche: Doko Mien Warum Hybride im Pop immer wichtiger werden

Die Londoner Afro-Band IBIBIO SOUND MACHINE mischt west-afrikanischen Funk & Disco mit Elektro und Post-Punk. Die Band um die nigerianisch-stämmige Sängerin Eno Williams ist eine Multi-Kulti-Truppe aus aller Welt: Ghana, Venezuela, Brasilien, Australien und UK. Wir sollten ihnen zuhören!

Von: Ralf Summer

Stand: 25.03.2019

"Ich will, dass du süß wie Zucker zu mir bist" - mit dieser Aufforderung beginnt das neue Album der Ibibio Sound Machine aus London. Der Titel "I Need You To Be Sweet Like Sugar (Nnge Nte Suka)" meint aber nicht nur ihren Mann und ihre Kinder, sondern auch uns Hörer: dass wir Ibibio eine Chance geben und ihr zuhören.

"Wanna Come Down" beginnt mit ungemein funky Bläsern. Das Stück handelt von der heilenden Kraft des Wassers, das uns hilft, uns täglich zu erneuern. Eno wollte die neue Platte unbedingt wieder gut abmischen: der Hi-Life-Sound aus Ghana und der europäische Elektro Sound sollten innig miteinander verschmelzen. Wie auf dem Debüt - nur diesmal mit mehr Live-Touch eingespielt. Was der neuen Platte sehr gut tut: sie klingt knackig-frisch.

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Ibibio Sound Machine - Wanna Come Down (Official Music Video) | Bild: Merge Records on Youtube (via YouTube)

Ibibio Sound Machine - Wanna Come Down (Official Music Video)

Es klingt nach Miami

Der Titelsong "Tell Me (Doko Mien)" erinnert leicht an die Band, an der sich ihr Bandname anlehnt: die Miami Sound Machine. Tatsächlich ist Eno Williams ein Fan von Gloria Estefan. "Das ist lustig, dass du bei 'Tell Me (Doko Mien') an die Miami Sound Machine denkst. Aber es stimmt schon: Ich war immer Fan von ihnen und ihrem Latino-Sound, auch alles, was Gloria Estefan gemacht hat. Als wir später in England dann unsere Band gründeten und einen Namen suchten, machten die Jungs diesen Witz, dass meine Band 'Ibibio Sound Machine' heißen muss, weil ich ja aus dem Volk der Ibibio in Nigeria komme. Der Witz wurde unser Bandname", sagt die Sängerin.

Der Albumtitel der neuen Ibibio Sound Machine, "Tell Me (Doko Mien)" hat mehrere Bedeutungen, sagt Eno Williams am Handy in London: "Der Titel meint ganz universell: 'sag mir, was ich tun soll'. Er spielt darauf an, dass sich Frauen oft erklären lassen müssen, was sie tun sollen. Wenn sie ihre Stimme nicht erheben, werden sie nicht wahrgenommen. Bei den Aufnahmen zur Platte redeten im Studio alle durcheinander. Ich hatte meine, der Produzent hatte seine, meine Mitmusiker hatten ihre Ideen. Ich musste immer sagen: Hört mir zu, was ich meine und ich höre dann euch zu, was ihr wollt."

Die Welt wird kleiner - aber auch bunter

Eno Williams ist in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen: ihr Vater hörte Miriam Makeba oder Manu Dibango – aber auch gern Aretha Franklin und die Beatles. Sie wuchs in London auf, verbrachte ihre Jugend aber in Nigeria – wo ihr die Verwandten alle möglichen Geschichten auf Ibibio erzählten. Ihre Mutter sang auf dem letzten Album von Ibibio Sound Machine mit und kommt auch bei jedem Konzert in Afrika auf die Bühne.

Nach hinten wird die Platte dann ruhiger, was eine andere, tolle zweite Seite der großen Band zeigt. Die Texte sind immer auf Englisch und auf Ibibio gesungen - damit alle alles verstehen. Eno glaubt, dass Hybride im Pop immer wichtiger werden, weil auch die Welt selbst bunter, kleiner und verbundener wird. Die Entwicklung und die Zeit spiele der Ibibio Sound Machine in die Hände. Wir werden dabei zuhören!


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