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Album der Woche: "Care For Me" Wie Saba sich vom Trauma-Opfer zur neuen Rap-Hoffnung jazzt

Das zweite Album des Rappers aus Chicago und dem Freundeskreis von Chance The Rapper ist gezeichnet von Ängsten und Trauer. Saba verarbeitet den Tod seines Mentors und Couisns, der ermordet wurde. Eine jazzy R'n'B-Traumatherapie

Von: Ralf Summer

Stand: 23.04.2018

Er klingt wie der kleine, soulige Bruder von Kendrick Lamar. Saba heißt der Künstler, kommt aus Chicago – der Stadt mit einer der höchsten Mordraten der USA. Die aber trotzdem weniger für Gangta- als für Conscious-Rap steht wie ihn zum Beispiel Common macht. Der HipHop-Newcomer Saba betreibt nun die eher seltene Gattung des melancholischen Raps: Folgerichtig beschreibt er sein neues Album als eine "introvertierte Reise, gezeichnet von Trauma und Angst."

Traumatherapie in R'n'B

SABA stand in Deutschland für Hifi-Fans bisher für die "Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt", das war bis in die 80er ein bekannter Rundfunk-Geräte-Hersteller, der dann pleite ging. Unser Rapper Saba aus den USA heißt bürgerlich Tahj Malik Chandler. Auf seinem zweiten Album muss er den Tod seines Mentors, seines Cousins verarbeiten: Walter Long Jr. wurde in Chicago erstochen. Im ersten Song "Busy" rappt Saba: "Jesus got killed for our sins, Walter got killed for a coat".

"I don't want to fight no more" - ein Lied, wie einer dieser dunklen Gothic-R'n'B-Tracks von Superstar Frank Ocean. Saba klingt nie aggressiv, für seine 23 Jahre schon mit allen Wassern gewaschen. Sein Vater war R'n'B-Musiker, der Sohn lernte Klavier und probierte sich früh an Musik-Software aus. 2013 war Saba auf einem Mixtape von Chance The Rapper zu hören, mit dem er auch im Fernsehen bei Stephen Colbert auftrat.

Noch ein Geheimtipp

2016 kam endlich sein Debüt – unter anderem mit Rapperin Jamila Woods als Gast. Saba ist also gut vernetzt – sein Buddy, der HipHop-Star Chance The Rapper ist auch auf einem Song auf dem neuen Album "Care For Me" zu hören – auf "Logout", auf dem die beiden über ihre familiären Wurzeln sinnieren. Mit viel Jazz, Soul und Gospel.

US-Kritiker loben seinen Sound als "liquid beats" - als lässig dahin fließende Beats. Am besten zu hören auf dem eigentlichen Hit des Albums "Grey". Das Stück mit der vorsichtigen Trompete. Gleich zu Beginn des Songs rappt er: "The best song is probably on the B-side, won't be surprised when the label deny" - vielleicht ein Hinweis darauf, warum dieses wunderbare Album noch nicht bei einer großen Plattenfirma erschienen ist. Sondern bisher lediglich digital von Saba selbst vertrieben wird. Aber es sollte eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis sein Talent entdeckt wird. Wo uns Kollegah und Farid Bang in diesen Tagen mit der Drohung niederschreien: "Das ist Kunst, du Opfer", erhebt hier ein Opfer, ein Hinterbliebener seine Stimme, und das auf sehr sanfte Weise. Saba. Unser Album Der Woche ist eine Trauer-Therapie von Platte. Mit einem Happy-End namens "Heaven All Around Me".


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