Bayern 2 - Zündfunk


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Young Fathers über "Cocoa Sugar" "Wir waren desillusioniert - aber trotzdem machen wir weiter"

Gleich mit ihrem Debüt-Album gewannen die Young Fathers den begehrten Mercury Prize. Das Trio aus Edinburgh wagt mit dem neuen Album "Cocoa Sugar" nun einen Neuanfang.

Von: Florian Fricke

Stand: 09.03.2018

Young Fathers | Bild: Ninja Tune

Die Young Fathers aus Edinburgh durchleben ihre Karriere im Schnelldurchlauf. Das HipHop-Trio stand auf der Bühne, da waren die drei Mitglieder alle noch Teenies. Erste Veröffentlichungen gab es auf dem renommierten kalifornischen Underground-Label Anticon, dann unterschreiben sie bei Big Dada, dem Hip-Hop-Ableger von Ninja Tune. 2014 gewannen sie mit ihrem Debütalbum "Dead" gleich den den renommierten britischen Mercury Prize. Letztes Jahr durften sie dann einen Song zum Soundtrack von Trainspotting 2 beisteuern. Nun erscheint das dritte Album "Cocoa Sugar".

Zündfunk:  Mit eurem neuen Album lasst ihr die Hip-Hop-Blase endgültig hinter euch. Was war euer Plan?

Graham Hastings: Wir haben unseren eigenen wunderbaren Sound geschaffen. Dann haben wir uns aber gefragt, wie wir weitermachen wollen. Es war schon verlockend, diesen wilden Sound zu zähmen und zu begradigen. Wir wussten, dass wir an dieser Aufgabe wahrscheinlich scheitern würden, aber wir brauchten ein Ziel. Es war eine ambivalente Erfahrung. Auf der einen Seite fühlten wir uns etwas unwohl, aber auf der anderen Seite sind wir auch sehr stolz auf das Ergebnis. Das Album ist nun sehr konstruiert, mehr so ein Pop-Ding. Aber im Grunde ist jedes Album von uns der Versuch, unser Verständnis von Pop zu artikulieren.

Habt ihr denn dafür eure Intuition geopfert, die euch doch so wichtig ist?

Nein. Intuition, Spontaneität sind nach wie vor die Basis für alles, und das bleibt auch so. Es geht darum, Spontaneität zu zulassen, aber nicht alles in Beliebigkeit zu ertränken. Im Studio war es diesmal so: Singe die Stelle nochmal und nochmal und nochmal, bis es perfekt ist. Wir wollten mit etwas mehr Plan an die Sache herangehen, vor allem, was die Arrangements angeht.

Hat denn der Brexit thematisch eine Rolle gespielt, der euch als Schotten besonders betrifft?

Auch. Es war so viel los, als wir an dem Album arbeiteten, politisch wie privat. Wir konnten gar nicht mehr glauben, was da alles passiert. Und wir waren sehr enttäuscht. Im Grunde waren wir in einem Stadium der totalen Desillusionierung angelangt, auch was du mit Musik überhaupt bewegen kannst. Aber diese Ohnmacht hat dem Album zu dem verholfen, was es jetzt ist. Wenn alles sinnlos erscheint, ist es auch ein Statement, trotzdem weiter zu machen.

Hat denn Trainspotting-Regisseur Danny Boyle irgendeine Rolle bei der Entstehung des Albums gespielt?

Nein. Wir hätten aber gerne ein Video von ihm. Er meinte: "Klar, bloß im Moment bin ich zu sehr beschäftigt". Gut, das haben wir uns gemerkt. Wird schon irgendwann klappen.

Ist denn Trainspotting für euch Teil des schottischen Kulturerbes?

Wir sind aus dieser komischen Stadt Edinburgh, eine sehr reiche und touristische Stadt. Jeder Tourist wird sich an die Burg erinnern und die anderen schönen Plätze. Aber für uns repräsentiert Trainspotting das andere Edinburgh, das so schwer zu entdecken ist. Als wir auf der Filmpremiere waren, mussten wir ständig an Stellen lachen, an denen sonst niemand gelacht hat.


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