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Feminismus Warum ein weiblicher James Bond auch keine Lösung wäre

Kann die Welt von einer 007 gerettet werden? Ein weiblicher James Bond wäre ein feministischer Meilenstein: eine Alpha-Frau. Sollte man männliche Rollen auf Frauen umschreiben? Oder brauchen wir eine eigenständig erschaffene Heldin?

Von: Henri Sarafov

Stand: 28.03.2019

Wachsfiguren Bond | Bild: picture-alliance

Durch einen Pistolenlauf sehen wir ihn an uns vorbeigehen. Dann ein Schuss. Blut läuft den Bildschirm runter. Und jetzt kann es losgehen. James Bond rettet die Welt. Entschärft Bomben, Schläft mit Frauen und bringt alle bekannten Sprüche: „Martini, trocken, nicht umgerührt, mit Zitronenschale“
Mehrere Milliarden Menschen weltweit lieben den MI6-Agenten. Aber würden sie ihn auch als AgentIN lieben? James Bond gibt es jetzt seit 60 Jahren. Und von Sean Connery bis Daniel Craig gab es bisher sechs Bonddarsteller, die alle vor allem eines verkörpert haben: Männlichkeit. Frauen waren dabei häufig eher untergeordnet.

Frauen, Autos und stabile Männlichkeit!

James Bond ist ein Macho. Aber absichtlich. Ian Fleming hat den Charakter gezielt so erfunden. Er beschloss damals zu heiraten und wollte sein Junggesellenleben durch den smarten Frauenhelden und Weltretter weiterführen.

Frauen - "nicht bloß Bonds Deko"

Aber dieses "Vorbild" erfüllt der Geheimagent heute gar nicht mehr, sagt Andreas Pott. Er ist Präsident des Deutschen James Bond Clubs. "Ich denke, der aktuelle Charakter, wie ihn Daniel Craig anlegt, ist nicht mehr als sexistisch zu bezeichnen, weil er viel mehr mit sich selbst beschäftigt ist, mit seinen eigenen Ängsten, vielleicht auch Problemen. Er ist ja gerne so als Schmerzensmann unterwegs, dass er sich gegenüber Frauen nicht in irgendeiner Form frauenfeindlich oder sexistisch verhält. Wir haben ja Filme mit ihm, wo er gar keine Beziehung zu Frauen auch eingeht, was ja früher auch Standard war."

Oder andersherum: In "Casino Royale" verließ Bond das MI6 sogar für seine Geliebte Vesper Lynd. Das reicht aber noch nicht, sagt Johanna Warda. Sie ist Filmwissenschaftlerin und freie Journalistin mit Schwerpunkt auf Feminismus.

"Frauen hatten in James Bond-Filmen eigentlich immer nur eine dekorative Funktion. Von daher wäre der Schritt zu einem weiblichen James Bond bahnbrechend. Und ich persönlich würde das sehr begrüßen. Aber weil ich bezweifle, dass das wirklich passieren wird. Mir würde es fürs Erste schon reichen, wenn die Frauencharaktere das Narrativ auch mal aktiv antreiben würden, fassettenreich und komplex wären und eben nicht bloß Bonds Deko."

- Johanna Warda

"James Bond ist nicht mehr der Sexist von früher"

Das strebt auch Danny Boyle an, der Regisseur des kommenden Bond-Films. Er meint: "James Bond ist nicht mehr der Sexist von früher". Dem britischen Magazin "Page Six" sagte Boyle: "Das Vermächtnis von Bond wird anerkannt, aber eben auch an den Zeitgeist angepasst." Trotzdem: Kann die Welt nicht auch von einer weiblichen 007 gerettet werden? Andreas Pott ist skeptisch:

"Ich persönlich denke, es wäre ein größerer Erfolg für weibliche Charaktere, wenn ich einen eigenen ikonischen Charakter erschaffe. Und nicht einen schon bestehenden übergestülpt bekommt. Man könnte das daneben stellen."

- Andreas Pott

Heißt: wine eigene Filmreihe, für das gleiche Publikum. Die dann eben parallel zu dem männlichen Agenten laufen würde, aber nicht genau wie er wäre. "Eine Agentin, die das alte Klischee aufnimmt, würde ja auch nicht in die Zeit passen. Man muss da schon dann in dem Moment tatsächlich mehr in die Tiefe gehen, sonst wär das ja ein Abziehbild."


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