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„Der rätselhafte Tod einer Friedensaktivistin“ Diese sehenswerte Doku zeigt den Aufstieg und Fall der Grünen-Ikone Petra Kelly

Petra Kelly war die Greta Thunberg ihrer Zeit, Mitbegründerin der Grünen, Bundestagsabgeordnete in den 80ern. Ihr Thema war die Friedensbewegung. Eine dreiteilige Doku-Serie erzählt ihre Geschichte - bis zu ihrem tragischem Tod.

Von: Roderich Fabian

Stand: 21.09.2022

Petra Kelly diskutiert mit ihrem langjährigen Freund Konstantin Wecker | Bild: picture-alliance / dpa | Dürrwald

Am 6. März 1983 ziehen die Grünen erstmals in den Bundestag ein. Auf der Wahlparty der Partei wird Petra Kelly - eine der zukünftigen Sprecher*innen der Fraktion – zu ihren Absichten interviewt. Das klingt noch sehr nach außerparlamentarischer Opposition. Sie sagt: „Wir werden nicht nur gewaltfreien Widerstand auf der Straße ausprobieren und einüben. Wir werden diesen gewaltfreien Widerstand gegen Atomarisierung, gegen Außenminister Strauß, gegen Stationierung, gegen frauenfeindliche Politik im Parlament machen im Deutschen Bundestag!“

Petra Kelly als Aktivistin der Friedensbewegung

Aminata Touré

In der dreiteiligen Doku erleben wir Petra Kelly, die aus dem bayerisch-schwäbischen Günzburg stammt, als eine politische Aktivistin, die aus der Friedensbewegung der frühen 80er kommt. Sie ist alles andere als eine abgebrühte Politikerin, sondern überzeugt die Leute durch ihr glaubwürdiges Engagement. Das bestätigen auch die vielen Zeitzeugen, die hier als klassische „Talking Heads“ zu sehen sind: Giovanni di Lorenzo von der ZEIT etwa oder ihr damaliger politischer Gegner Theo Waigel von der CSU und auch der in der Doku besonders wehmütige Freund Konstantin Wecker.

Aber der Film bezieht auch Menschen aus der politischen Landschaft von heute ein, zum Beispiel die Schleswig Holsteins Familienministerin Aminata Touré, die 1992 geboren wurde, also in dem Jahr, in dem Petra Kelly starb. Sie sagt: „Wenn man so polarisiert oder auch so radikale Positionen vertritt oder einfach auch, dass man überhaupt spricht als junge Frau in Räumen, in denen man sonst nicht stattfindet, dann ruft das Leute hervor, die hassen, dass man da ist.“ Das, meint Aminata Touré, habe immer auch einen Preis, den man zahlt, wenn man solche Positionen nach außen vertrete.

Wie es mit Petra Kelly zu Ende ging

Petra Kellys Grab in Würzburg

Im Fall von Petra Kelly ist der Preis maximal. Denn unter nie ganz geklärten Umständen stirbt sie im Alter von nur 44 Jahren in ihrer Wohnung in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Petra Kelly war da schon aus der Parteiführung hinausgewählt worden und auch keine Abgebordnete mehr. Den raschen Untergang als Politikerin zeichnet die Doku drastisch nach. Außerdem haben die Filmemacher versucht, ihren Tod als eine Art „Whodunit-Krimi“ zu inszenieren, wobei damals wie heute vieles dafür spricht, dass es ihr Lebenspartner Gert Bastian war, der erst Petra Kelly und dann sich selbst erschoss. Der ehemalige Bundeswehr-General, der 24 Jahre älter als Kelly war, war bei den Grünen zum erklärten Friedensfreund geworden.

Was genau im Oktober 1992 zwischen den Beiden passiert ist, wird aber immer ein Geheimnis bleiben, über das in diesem Film viele nur spekulieren. Ihre ehemalige Fraktionsgenossin Antje Vollmer jedoch bringt auf den Punkt, was der Tod der Beiden für die Grünen bedeutete: „Die absolute Katastrophe, das Fassungslose war, dass am Ende dieses Friedensikonen-Paars, die so eine Geschichte verkörpern, sie da tot liegen – das war eigentlich wie ein Riesenangriff auf alles, wofür wir gestanden haben, und sie vor allem. Die durften nicht so in Gewalt enden.“

Was die Petra-Kelly-Doku so sehenswert macht

Diese absolut sehenswerte Mini-Serie trägt den Untertitel „Der rätselhafte Tod einer Friedensikone“ und behauptet damit einen Spannungsfaktor, auf den es in diesem Film aber eigentlich gar nicht ankommt. Vielmehr wird hier sehr anschaulich und nachvollziehbar der tragische Aufstieg und Fall einer Idealistin beschrieben, für die im Haifischbecken Politikbetrieb am Ende kein Platz mehr war. Und dass Petra Kelly neben ihrer Friedens- und Umweltpolitik auch frühe, feministische Akzente gesetzt hat.

„Der rätselhafte Tod einer Friedensaktivistin“ ist auf Sky zu sehen. Hier geht's zum Trailer.