Bayern 2 - Zündfunk


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München, 19.11.2018 AUSVERKAUFT - Parquet Courts live in München

Wer sein erstes Album 2011 zuerst auf Audio-Cassette veröffentlicht, lebt zugleich in der Vergangenheit als auch in der Ironie-verseuchten Zukunft – wie diese Texaner in New York. Nun kommen sie endlich wieder nach München.

Stand: 26.08.2018

Parquet Courts | Bild: Ebru Yildiz

19 November

Montag, 19. November 2018, 20:00 Uhr

Muffatwerk - Ampere, Zellstrasse 4, München :

Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr , AUSVERKAUFT

Wer die Parquet Courts einigermaßen verstehen will, muss tief in die Referenzen-Kiste greifen, was wir hier mal versuchen wollen. Die Wurzeln der Band liegen in Texas, das in vielerlei Hinsicht wie Bayern ist: Einerseits sehr konservativ gepolt, dafür mit umso mehr Ausreißern in extreme Obskurität gesegnet. Frontmann Andrew Savage war zunächst in der Band Fergus & Geronimo aktiv. Die machten – noch in Denton, Texas beheimatet – psychedelischen Rock im Stile der frühen Mothers of Invention (s. u. Frank Zappa). Wenig Wert wird auf Aufnahmequalität gelegt, aber umso mehr auf Bewusstseinserweiterung. Schon Ferguson & Geronimo waren also der Alptraum von Mainstream America, aber natürlich ist Denton, Texas trotz eigener Universität und mehr als 100.000 Einwohnern auf Dauer nicht der Ort, seine kulturelle Eigenständigkeit völlig auszuleben.

Also verließ Savage nicht nur seine alte Band, sondern auch den amerikanischen Süden, um sich – wie so viele Outlaws  - in New York City, genauer: natürlich in Brooklyn, niederzulassen. Dort traf er weitere texanische Emigranten, denn bei aller Weltläufigkeit des Big Apple ist man auch dort am liebsten mit denen unterwegs, die den Süden inhaliert haben. So entstanden allmählich die Parquet Courts (das erste Wort spricht man übrigens französisch aus). Da es im Brooklyn des Jahres 2010 vor Bands nur so wimmelte, betrachtete man die Band allerdings eher als Freizeitvergnügen, und veröffentlichte das erste Album „American Specialities“ dann erst mal in limitierter Auflage auf Audio-Cassette. Das war zwar einerseits bescheiden (denn wer hat schon noch einen Cassetten-Recorder), aber andererseits auch sehr hip, denn wer steht im Underground nicht auf verwehte Formate?

Das wichtigste blieb aber trotzdem die Musik auf diesem Album, eine Art amerikanischer Punkrock irgendwo zwischen Velvet Underground und The Fall angesiedelt, aber eben immer noch mit dem Humor ausgestattet, den schon Fergus & Geronimo an den Tag gelegt hatten. Und die Songs waren gut genug, um die Parquet Courts beim Indie-Label „What’s your Rupture“ unterzubringen, das mit „Fucked Up“ und „Iceage“ ohnehin schon die Speerspitzen des neuen Punk Rock unter Vertrag hatte.

Das Label übernahm das 2011 entstandene Album Nummer 2: „Light up Gold“, das die Bekanntheit der Band sehr schnell in ungeahnte Höhen treiben sollte. Irgendwie konnten sich alle wichtigen Indie-Blogs sofort auf die PC`s einigen – und so wurde schon 2012 die erste Europa-Tour organisiert. Seitdem haben alle, die sich mit solch einer Art von Musik anfreunden können, die Band auf dem Schirm. Diese legte 2014 dann gleich zweimal nach, zunächst mit „Sunbathing Animal“ und dann noch einmal am Jahresende mit „Content Nausea“, das allerdings unter dem anderen Namen "Parquay Quarts" erschien.

Auf ihrem neuen Album „Human Performance“  erinnern die Gitarren hin und wieder schwer an Velvet Underground und man hört das stoische, hingebungsvolle Sich-Versenken einer Band in ihre  Instrumente. Schon einen Track später sind sie wieder da, präsent mit einem texanischen Wald- und Wiesenriff, auf das sie munter Reminiszenzen an The Jam und die frühe Phase von Punk packen. Dass das Ganze in eine heitere Mitsinghymne führt, ahnt man erst mal nicht.  Auch hier gilt wieder: Schlicht ist in diesem Falle durchaus ergreifend.

Mit gutem Grund gelten die Parquet Courts als Band, die den Staub, der sich auf dem etwas müde wirkenden Indie Rock der letzten Jahren niedergelassen hat, wegblasen will. Und das, obwohl die Band eigentlich eher einem altmodischen Ideal von guter Rockmusik huldigt. Auch wenn ihr neues Album weniger rotzig als die früheren klingt und stattdessen jede Menge griffige und eingängige Momente  eingebaut hat,  bleiben Parquet Courts eine der spannendsten Bands, die  Brooklyn in den letzten Jahren ausgespuckt hat.


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