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Ein Song und seine Geschichte Wie der Hit "Papa Was A Rollin' Stone" zu den Temptations kam

Der Soul-Klassiker "Papa Was A Rollin' Stone" ist ein Kind seiner Zeit. Die zwölfminütige Albumversion mit den Temptations entstand 1972, wurde ein Hit. Dabei landete der Song erst über Umwege bei den Temptations.

Author: Roderich Fabian

Published at: 13-1-2023

The Temptations | Bild: picture alliance / Photoshot

Auch wenn viele klassische Songs zeitlos erscheinen, so sind sie doch immer Kinder ihrer Ära. Und so ist das auch bei „Papa was a Rollin' Stone“ von den Temptations, das im Juli 1972 zunächst auf dem Album „All Directions“ erschien. Ein Jahr zuvor nämlich hatte der Produzent Isaac Hayes mit dem größtenteils instrumentalen Soundtrack-Song „Theme from Shaft“ einen weltweiten Überraschungshit gelandet: opulenter Funk, der mit Bläsern und Streichern angereichert war.

Soziale Themen statt Motown-Liebeslieder

Nun war der Song von Isaac Hayes bei Stax Records in Memphis herausgekommen, dem auf dem Soul-Markt größten Konkurrenten von Motown Records in Detroit. Motown-Chef Berry Gordy forderte deshalb von seinen Haus-Produzenten, etwas Vergleichbares abzuliefern. Einer davon war Norman Whitfield, der Mann, der sämtliche Hits der Temptations, der führenden Motown Band, produziert und zum Teil auch geschrieben hatte. Whitfield erinnerte sich an einen Song, der ein Jahr zuvor, 1971 als Single der Motown-Band The Undisputed Truth erschienen, aber kein Hit geworden war.

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The Undisputed Truth - Papa was a rollin' stone | Bild: Trip Hop Universe (via YouTube)

The Undisputed Truth - Papa was a rollin' stone

The Undisputed Truth wurden 1970 von Norman Whitfield gegründet, um besser auf die neuen Entwicklungen in der Soul-Musik reagieren zu können. Statt Liebesliedern mit gefälligen Melodien im typischen Motown-Style zu liefern, sollte die „Unbestrittene Wahrheit“ in den Texten soziale Themen im Stile von Curtis Mayfield aufgreifen und musikalisch den Funk von James Brown adaptieren. Norman Whitfield schrieb die Musik und sein bewährter Songwriting-Partner Barrett Strong den Text für die Ur-Version von „Papa was a Rollin' Stone“.

Trotz Protest der Band

Der relative Flop der eigentlich ja ziemlich tollen Undisputed-Truth-Single - er schaffte nur Platz 63 der Charts - war eine Enttäuschung für Whitfield und Strong. Aber bei Motown Records war es ohnehin üblich, dass mehrere Künstler sich an bestimmten Songs versuchten. Norman Whitfield glaubte weiterhin an die Moritat über den rastlosen, untreuen Vater, der seine Kinder nie kennenlernte und sich so jeder Verantwortung entzog. Also schraubte Whitfield im Studio mit einem Orchester und der Motown-Hausband, den Funk Brothers, an einer zwölfminütigen Version des Songs, auf der der Gesang der Temptations erst nach knapp vier Minuten einsetzt.

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Papa Was A Rollin' Stone | Bild: The Temptations - Topic (via YouTube)

Papa Was A Rollin' Stone

Die Produktion des Songs verlief nicht ohne Spannungen. Die fünf Sänger der Temptations, allen voran Gründungsmitglied Dennis Edwards, sträubten sich gegen „Papa was a Rollin' Stone“. Sie hatten Probleme mit dem Social-Consciousness-Ansatz des Songs und wollten zurück zu Liebesballaden à la „My Girl“, mit denen sie berühmt geworden waren. Aber sowohl Labelchef Berry Gordy als auch Mastermind Norman Whitfield bestanden darauf, dass die Temptations den Song einsingen. Motown war eben keine Demokratie und streng hierarchisch organisiert.

Steilvorlage für Hip-Hop-Samples

Zwei Monate nach der Albumversion erschien „Papa was a Rollin' Stone“ als Single, zwar verkürzt, aber immer noch stolze sieben Minuten lang. Der Erfolg war überwältigend. Im Dezember 1972 landete der Song an der Spitze der amerikanischen Charts - es sollte die letzte Nummer eins der Temptations werden. Aber noch heute singt es die Band bei ihren Live-Auftritten den Hit. Wie es sich für ein Evergreen gehört, gibt es unzählige Remixe und Coverversionen von Roy Ayers bis George Michael. Und natürlich waren die langen Instrumental-Passagen eine Steilvorlage für Hip-Hop-Samples. Am bekanntesten dürfte dabei „Avalanche“ von den Migos aus dem Jahr 2021 sein, wo der unzuverlässige Papa sogar selbst erwähnt wird. Der Stein rollt weiter in die Ewigkeit.