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Neue Staffel auf Netflix Die Serie Orange Is The New Black endet. Gut so.

Auf Netflix landet morgen die letzte Staffel "Orange Is the New Black". Für unsere Autorin ist es das Ende einer Liebesgeschichte - aber auch eines, das schon vor einer Weile hätte kommen können.

Von: Alexandra Distler

Stand: 25.07.2019

Orange Is the New Black | Bild: Netflix

Es muss so vor fünf Jahren gewesen sein, als eine, zwar filmisch bewanderte, doch nicht immer meinen Geschmack treffende Freundin mich fragte: "Hast du schon Orange Is the New Black gesehen?" Hatte ich nicht. "Voll lustig", meinte sie. "Frauen im Knast". Ich war skeptisch.

Orange Is the New Black: Die Basics

Piper Chapman, Anfang 30, ist eine hippe Managerin aus New York, weiß, erfolgreich und ziemlich happy mit ihrem Verlobten Larry Bloom. Bis sie ihre Vergangenheit einholt: ein Drogenschmuggel, den sie zehn Jahre zuvor mit ihrer damaligen Geliebten Alex Vause durchgezogen hat. Sie muss also in den Knast, für ein Jahr.

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Orange Is the New Black – offizieller Trailer der 1. Staffel [HD] | Bild: Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (via YouTube)

Orange Is the New Black – offizieller Trailer der 1. Staffel [HD]

Piper landet in der Litchfield Correctional Institution, einem Frauengefängnis in Upstate New York mit circa 250 Insassinnen. Sie trifft dort auf das, was Orange Is the New Black so einzigartig macht: Alte Frauen, junge Frauen, Frauen aus allen sozialen Schichten, Latinas, Esosterikerinnen, Drogensüchtige, White Trash, Rednecks, Schwarze, Lesben, echte Butches, Heteras, Transsexuelle, sie trifft schöne Frauen und furchtbar häßliche, dicke, dünne, kluge Frauen und furchtbar dumme, brutale und ganz sanfte. Frauen, die echt krass drauf sind und vielleicht zurecht im Knast sitzen und solche, denen einfach das Schicksal übel mitgespielt hat. Sie trifft Verbündete und Feindinnen, sie trifft auf alles, was die Frauenwelt zu bieten hat, das alles sehr körperlich, von höchst erotisch bis abgrundtief derb.

Die Welt von Litchfield

Orange Is the New Black ist verdammt lustig und doch weit von einer Komödie entfernt. Die Serie vergisst nämlich nie, wo sie eigentlich spielt, und das ist nun einmal ein amerikanisches Gefängnis. Mit Wärtern und Wärterinnen, die ihre Macht absurd ungerecht ausnutzen, mit Gangs, die sich gegenseitig bekriegen, und einem privaten Gefängnisunternehmen, das Profit machen will.

Soziale Unterschiede, Klassen- und Rassendenken sind auch in Litchfield zementiert und nur selten kommt es zu Vermischungen der einzelnen Gruppen. Das alles ist gut erzählt, stringent, glaubwürdig und ab einem gewissen Punkt sitzt man da mit Piper und den anderen im Knast und will so schnell auch nicht mehr raus. Muss man auch nicht: Piper Chapman muss länger als das geplante eine Jahr im Gefängnis bleiben – der Fortbestand der Serie ist mit dem Ende von Staffel 1 gesichert.

Auch Männern gefällt die Serie

Piper ist zwar technisch gesehen die Hauptfigur, fungiert aber vor allem als Türöffnerin zu den Lebenswelten und -realitäten ihrer Mitinhaftierten. Schon bald geht um die Einzelschicksale der Frauen, um ihre Geschichten, die Umstände, die sie im Knast haben landen lassen. Mit Rückblenden erzählt, die oft bis in die Kindheit der einzelnen Charaktere reichen. Orange Is the New Black ist dadurch auch eine Sozialstudie auf sehr hohem Niveau.

Was mir lange nicht klar war: Auch Männern gefällt die Serie. Tatsächlich war ich davon ausgegangen, dass Orange is the new Black nur von Frauen geschaut wird, dass es Männern zu viel sein müsste, diese Unverfrorenheit, diese Ungeschöntheit, vor allem die ungeschönte Körperlichkeit, mit der Frauen gezeigt werden. Dass ich mit Männern super über die Serie fachsimpeln konnte, hat mich ziemlich gefreut.

Die letzte Staffel kommt

Nun also ab morgen Staffel 7, die letzte. Und das ist auch gut so. Denn Orange Is the New Black ist mittlerweile Pflichttermin geworden. Wahrscheinlich hätte vor etwa zwei Staffeln Schluss sein müssen. Der Plot ist zerfranst, immer neue Charaktere kommen dazu, die alten sind teilweise zu Karikaturen ihrer selbst verkommen.

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Orange is the New Black | Offizieller Trailer – Staffel 7 | Netflix | Bild: Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (via YouTube)

Orange is the New Black | Offizieller Trailer – Staffel 7 | Netflix

Und doch hat Netflix mit einer ihrer ersten Eigenproduktionen gezeigt, wie unabhängig und frei Serien erzählen können und es trotzdem bei Publikum ankommt. Und natürlich ist Orange Is the New Black eine Hommage an die komplette Frauenwelt und feministisches Standardwerk. Mit diesem Wissen quäle ich mich jetzt genüsslich durch die letzte Staffel und werde ja, vielleicht sogar überrascht.


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