Bayern 2 - Zündfunk


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Oke Göttlich, FC St. Pauli "Wir Fußballvereine müssen eine klare Haltung gegenüber der AfD entwickeln"

Wie politisch muss der Sport sein? Der Präsident von Eintracht Frankfurt hält eine AfD- und eine Eintracht-Mitgliedschaft für "unvereinbar". Oke Göttlich vom FC St. Pauli schließt sich an: Die Vereine müssen eine klare Haltung entwickeln.

Von: Michael Bartle

Stand: 06.03.2018

Oke Göttlich, Präsident FC St. Pauli | Bild: picture-alliance/dpa/Peter Böhmer

Zündfunk: Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, hat das Thema vor ein paar Wochen auf den Tisch gebracht. Seitdem köchelt es stetig vor sich hin: Sollen Sportvereine AfD-Mitglieder ausschließen – oder muss man den Dialog suchen?

Oke Göttlich: Wir reden immer über die AfD. Ich würde den Namen gerne nicht mehr nennen, weil ich das auch immer als Überhöhung und Bewerbung der Partei sehe. Mir ist es viel wichtiger über Zivilcourage zu reden: Und das bedeutet eben ein Zeichen zu setzen, bis wohin man bestimmte Dinge macht und ab wann man sie nicht mehr macht. Deswegen unterstütze ich Herrn Fischer sehr und habe ihm auch schon einen persönlichen Brief geschrieben, in dem ich mich sehr für seine Aussagen bedanke und ihm auch meine Unterstützung zugesagt habe. Denn er hat recht: Nach meinem Dafürhalten, darf sich ein Verein natürlich aussuchen, mit wem er dieses Vereinsleben am Ende auch gestalten möchte.

Auch der FC St. Pauli hätte deutlich ein Problem damit, Menschen mit einem Parteibuch aufzunehmen, in deren Gemeinschaft sehr explizit rassistische Äußerungen und tendenziöse rechtspopulistische Meinungen vorherrschen. Und wir können nicht nur für den Stadtteil , sondern auch gern für Hamburg sagen: Wir möchten das hier nicht! Ihr seid hier - für mich persönlich als Oke Göttlich und für den FC St. Pauli - in unserem Stadion nicht gewollt.

Ein Kritikpunkt an dem Peter Fischer-Vorstoß war, dass er seine Kritik auf die Partei zugespitzt hat und nicht gesagt hat, intolerante, homophobe, rassistische Menschen haben bei der Eintracht nichts zu suchen. War das ein Fehler?

Was heißt ein Fehler? Sie dürfen nicht vergessen, bei Leuten in bestimmten Positionen, da werden natürlich alle Worte auf die Goldwaage gelegt. Man hätte vielleicht das eine oder andere Wort abwägen können, aber ich finde, die Zeit der Abwägung ist einfach vorbei: Wir müssen Klartext reden, wir müssen Haltung bewahren. Und - das kriege ich zumindest mit – die Menschen erwarten auch endlich eine klare Haltung zu gewissen Themen. Auch in dieser Diskussion Peter Fischer-AfD: Wollen wir uns wirklich darüber unterhalten, ob er genau die richtige Wortwahl getroffen hat. Nein! Wir wollen nicht, dass eine Partei im Bundestag, die wirklich nur durch Ausgrenzung, Intoleranz, Rassismus und auf Angst aufbaut, so viel Prozent auf sich vereinbart. Das erlebe ich als einen Riesenrückschritt in der Gesellschaft. Und ich würde mir wünschen, dass wir als Fußballvereine – als ein gesellschaftspolitisch relevanter Bereich – dass wir dort eine klare Haltung entwickeln.


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