Bayern 2 - Zündfunk


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20 Jahre, 7 Songs Die kühle Freiheit der Norweger-Disco

Das Land mit dem höchsten Demokratie-Index setzt auch den Standard im Club-Sound. Wie der Fjord-Funk die Disco der letzten 20 Jahre maßgeblich geprägt hat: in sieben Songs.

Von: Ralf Summer

Stand: 31.08.2018

Cover-Art der Gruppe Lindstrøm & Prins Thomas | Bild: Lindstrøm & Prins Thomas

Diese und mehr Songs in unserer Spotify-Playlist!

Erot - Song for Annie

Erot: seines Zeichens Pionier des norwegischen Disco-Sounds. Vor zwanzig Jahren erschien "Song for Annie", gewidmet seiner Freundin und Musik-Liaison Annie Strand. Danach hatte Erot, bürgerlich Tore Kroknes nur drei Jahre Zeit, um den Sound des Landes zu prägen: 2001 starb er viel zu früh an der Folge eines angeborenen Herzfehlers.

Annie - Greatest Hit

Die Annie aus Erots Track hatte ihren eigenen Hit - leider blieb sie ein One-Hit-Wonder. Das Stück entstand in Bergen und verbindet den Sound des Seehafens mit der Studenten-Stadt ganz im Westen Norwegens. Über Wochen war Annie in den Top 10 des Landes - und das obwohl es in Norwegen damals noch keine Dance-Kultur gab.

Röyskopp - So Easy

Der Beginn der Weltkarriere von Röyksopp - auf Deutsch: der Rauchpilz. Der Song enthält ein Sample des Easy Listening-Songs "Blue On Blue" von Gals And Pals aus dem Nachbarland Schweden der 60er. Norwegen stand pop-musikalisch immer im Schatten der Schweden - Röyskopps Erfolg war damit ein echtes Lebenzeichen, und läutete den Siegeszug der Norweger-Disco ein.

Lindström - I Feel Space

Ein Hit auch in den Zündfunk-Jahres Charts von 2005! Lindström landete mit diesem house-igen Disco-Track einen weltweiten Club-Hit und machte das Ausland auf Norwegens Dance-Szene aufmerksam. Sein Einflüsse: verspulte Cosmic-Mix-Tapes aus Italien und Österreich der 80er. Und seine Zeit in einem Elvis-Presley-Chor! Norweger-Disco der Nuller Jahre ist frei, freaky: analog-freundlich, leicht balearisch-süss, aber auch krautig-verkopft.

Prins Thomas - Goettsching

Dieser Titel ist benannt nach dem Berliner Musiker Manuel Göttsching, der vor allem im Ausland für sein "E2E4"-Album bekannt ist. Göttschings Mix aus analoger Elektronik und Mittelmeer-Wärme inspirierte Prins Thomas. Inzwischen ist er Norwegens Remixer Nummer 1 – z.B. für Franz Ferdinand, Morcheeba oder Caribou. Ein Meilenstein war 2005 das erste gemeinsame Album Lindström mit Prins Thomas. Sie verwirrten die DJs mit ihrer Art von Daddel-Disco, beeinflusst von deutschem Krautrock der 70er und Psychedelic Pop der USA der 60er. Im Laufe der Jahre verlagerte sich die Szene immer südlicher: von Tromsø hinter'm Polarkreis über Bergen in die Hauptstadt Oslo. Und aus dem Aussenseiter-Sound wurde Mainstream.

Lindstrøm & Christabelle - Baby Can't Stop

Auch klassische Michael Jackson-Sounds aus Norwegen gibt's: Lindstrøm und die Sängerin Christabelle mit dem hitzigen "Baby Can't Stop": Ein Zeichen dafür, dass sie nun auch Richtung Charts schielen. Oder aber nicht warten wollen, bis alle ihre Version von unterkühlter Disco verstehen.

Todd Terje - Inspector Norse

Die Zehnerjahre gehören in Norwegen aber vor allem dem Light-Jockey der Nordlichterdisco: Todd Terje. Er krönt sich in dieser Zeit zum Disco-König der konstitutionellen Monarchie Norwegens. "Inspector Norse" ist das "Funky Town" von heute – nur ohne Gesang. Danach, in den letzten zwei, drei Jahren, ist es ruhiger um Norweger-Disco geworden. Nun – 20 Jahre nach der Geburt der Northern Disko -  dürfen sich auch andere Länder in Sachen „Disco-kratie“ beweisen: The politics of dancing.


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