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Zündfunk Netzkongress Wenn Häuser unser Essen produzieren: Der Think Tank Space10 arbeitet an unserer Zukunft

Wie wollen wir in Zukunft leben? Das fragt das Future-Lab Space10 aus Kopenhagen und entwirft neben Gebäuden, die Algen produzieren auch Mini-Häuser, die man sich wie einen E-Scooter mieten kann. Voll unrealistisch? Urteilt selbst und kommt zum Zündfunk Netzkongress am Freitag und Samstag in München.

Von: Andrej Prescher

Stand: 07.11.2019

Der "Algea Dome" von Space10 produziert Essen | Bild: Space10

Stellt Euch vor, Euer Haus produziert Euer Essen. Und verbessert nebenbei noch die Welt! Der „Algae Dome“ macht genau das: Eine begehbare Kuppel umgeben von Rohren, in denen Mikroalgen gezüchtet werden. Die Pflanzen sind vollgepackt mit Vitaminen, Proteinen und Mineralien – und das Beste: Sie bauen CO2 in der Luft ab. Als Chips weiterverarbeitet, taugen sie als eine Art gesundes Junkfood.

Konstruiert wurde der Algen-Dom - der 2017 auf der Chart Art Fair in Kopenhagen ausgestellt wurde - von Space10, einer Art Future-Lab aus Kopenhagen. Sie wollten vor allem eine gesellschaftliche Diskussion anstoßen, sagt Visual Editor Monique Schröder: "Der Algae-Dome ist natürlich sehr technisch mit seinen Rohren und all dem, damit dort Spirulina wachsen können. Er war eine Installation, mit der wir die Menschen zum Nachdenken bringen wollten. Sie sollten einfach mehr lernen über Algen und darüber, was Algen alles können."

Innovation und Nachhaltigkeit

Doch das Algenhaus ist nicht die einzige Erfindung von Space10. Die Mission ist eindeutig: Innovative, nachhaltige Ideen sind gefragt. Das „Urban Village Project" beispielsweise experimentiert mit möglichen Blockbauten aus günstiger Massenproduktion, sogenannte „Affordable Homes“. Hier geht es um den Community-Aspekt, darum Räume zu teilen. Das Projekt „Spaces On Wheels“ vermietet mobile Häuser per App, wie man es bisher nur von Autos oder E-Rollern kennt. Beide Projekte sind bisher nur Kunstprojekte und existieren nicht als reale Bauten oder Technologien. Doch das ist auch nicht ihr erster Zweck, erklärt die Architektin Jamiee Williams: “Primär geht es darum, eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen und Euphorie zu versprühen. Aber wir arbeiten daran, einige Projekte auch in der Realität umzusetzen. Jedes Innovations-Labor möchte etwas bewirken, sodass unsere Arbeit auch wirklich einen Unterschied macht.“

Unsere Welt in 50 Jahren

Space10-Architektin Jamiee Williams ist Speakerin beim Zündfunk Netzkongress

Space10 ist ein globales Netzwerk aus Wissenschaftlern und Kreativen – von Architektur über Design bis hin zur Biotechnologie. Jeder Fachbereich soll für jedes Projekt die passenden Visionäre parat haben. Aber was ist das eigentlich für eine Vision? Wie soll die Welt laut Space10 in 50 Jahren aussehen? Jamiee Williams: “Wow, das ist weit weg. Ich denke, wir müssen schneller handeln. Wir haben alle diese vagen Science Fiction-Vorstellungen, wie die Zukunft aussehen könnte. Was wir aber versuchen, ist konkret darüber nachzudenken, wie man die Zukunft gestalten kann.“

Die IKEA-Verbindung

Die Menschen zu inspirieren und zum Nachdenken anzuregen, klingt nach einer noblen Firmenphilosophie. Dass Space10 vom schwedischen Möbelhaus IKEA finanziert wird, verwundert daher etwas - IKEA wird seit Jahren Umweltzerstörung und Ausbeutung seiner Mitarbeiter vorgeworfen. Wie abhängig ist das Future-Labor von seinem Finanzier? Jamiee Williams: “Also, uns werden keine Anweisungen gegeben. Tatsächlich müssen wir aber Ideen zu Markenentwicklung und möglichen Geschäftsmodellen der Zukunft liefern. IKEA hat natürlich viele Innovationslabore im Haus, die überlegen, wie man bessere Produkte kreieren kann. Wir liefern nur Denkanstöße für zukünftige Innovationen.“

Ganz unabhängig ist Space10 also nicht. Die Projekte zeigen aber, dass mit einem globalen Netzwerk und Kreativität originelle Innovation möglich ist. Und manche Vorstellungen erinnern dann doch ein wenig an Science Fiction: Zum Beispiel „Sprout“. Ein Interface, das uns mit Pflanzen sprechen lassen kann.

Trefft Space10 auf dem Zündfunk Netzkongress am 8. und 9. November 2019 in München! Monique Schöder und Jamiee Williams sind am 9.11. um 13 Uhr auf der Main Stage.


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