Bayern 2 - Zündfunk

In memoriam Wir werden dich vermissen, Obi Oka!

Am 12. November 2021 ist die Darmstädter Subkultur-Ikone und treuer Zündfunk-Hörer Tobias Moka alias Obi Oka verstorben. Wir trauern mit seinen Freunden und Angehörigen.

Von: Zündfunk

Stand: 17.11.2021

Tobias Moka | Bild: Tobias Moka

Als der Zündfunk in den 90ern und Nuller Jahren die Telefone ins Studio aufgemacht hat, war Tobias Moka stets ein treuer Anrufer und Gesprächspartner. Als wir in den Zehner Jahren die Neigunxgruppe Musik auf Facebook aufgemacht haben, war er ein toller Kurator von großartiger Musik und Erzähler von zu Unrecht vergessenen Pop-Geschichten. Dafür schätzten wir (T)Obi sehr. Der Zündfunk trauert, auch wenn die meisten unserer DJs Tobi nie persönlich kennengelernt haben, hat er unser aller Leben mit seinen Mails, Posts und Telefongesprächen sehr bereichert.

Silvana von der Darmstädter Band Woog Riots über Tobi:

"Ich habe Tobi in den 90er Jahren kennengelernt, über unsere Radiosendung im Hessischen Rundfunk, wo er damals schon sein unglaubliches Musikwissen eingebracht hatte. Wir sind gute Freunde geworden und Tobi war in Darmstadt natürlich auch sehr bekannt als Konzertveranstalter. Er hat bei Klangfestivals mitgeholfen, hatte seine eigene Radiosendung auf Radio Radar, er war als Mitherausgeber und Schreiber bei P. Stadtmagazin - also alles was mit Musik und Kultur zu tun hatte, das hat Tobi eingesogen und wir vermissen ihn wahnsinnig, weil er einfach ein guter Freund war. Wir sind mit ihm zusammen zum Fußball gegangen, oder er war auch mal Schlagzeuger bei den Woog Riots für eine kurze Zeit und ich weiß gar nicht, wer jemals diese Lücke auffüllen sollte. Das kann niemand. Und wir vermissen ihn sehr."

Das "P Stadtkulturmagazin" schreibt:

"Adieu, Tobi! Am Freitag, 12. November 2021, ist Tobias Moka verstorben. Wir haben einen engen Freund und Kollegen verloren. Mit seinem herzlich-chaotischen Wesen war Tobi schon seit der ersten Ausgabe Teil des Ps. Voller Eifer, einem fast beängstigend lexikalischen Wissen zu Musik und Popkultur und sagenhaftem Humor wirbelte er durch unsere Redaktion. Tobi war selten pünktlich, oft verstreut, aber immer mit unbändiger Leidenschaft am Werk und voller fantastischer Ideen. Ohne Scheuklappen begeisterte er sich für die Darmstädter Kulturszene – und transportierte diese Euphorie in unzähligen Interviews mit Bands, Musikern, Kulturschaffenden, DJs sowie in Reportagen und Storys über Menschen, die unsere Stadt so liebens- und lebenswert machen. Ob er wusste, dass er selbst einer dieser Menschen war?

Diesen Gedanken selbst zu fassen, dazu wäre Tobi zu bescheiden gewesen. Sich zu profilieren, war ihm fremd. Lieber rückte er andere in den Mittelpunkt. Tobi förderte und half, wo er konnte. Er beteiligte sich an der Finanzierung von kleinen Labels, hinterließ im 603qm einen großen Stempel, war Mitbegründer des Zucker, klopfte in der Galerie Kurzweil die alten Fliesen im Klo von der Wand und meldete sich beim Golden Leaves Festival für die unrühmlichsten Schichten als ehrenamtlicher Helfer. Tobi kannte alle und alle kannten Tobi. Als bunter Hund klapperte er teils mehr Konzerte und Partys an einem einzigen Abend ab, als andere in einem ganzen Monat – und grölte zum Warmwerden noch am Bölle für die Lilien. Vom Jazz-Konzert zur Punk-Show, kurz beim Ska-Nighter der örtlichen antirassistischen Skinheads vorbeischauen und bei der Einweihungsparty von Freunden anstoßen, bevor es zum Rave in weniger offiziellen Räumlichkeiten geht. Wir vermissen Dich, liebster Tobi. Du fehlst und wirst nie vergessen!"

Paul Rose in der Zündfunk Neigunxgruppe Musik:

"Das ist so traurig, Tobi (aka Obi Oka) war einer der musik-besessensten Menschen aus meiner Heimatstadt Darmstadt. Ich habe ihn nur flüchtig gekannt, aber er war ganz entscheidend beteiligt an so vielen Orten und ihren Momenten, die mir und allen so viel bedeuten. Einer der wenigen, die bis heute unsere Musik aus den frühen Neunzigern kannten und feierten. Der weiter Veranstaltungen organisierte, Geheimwissen teilte und Verbindungen herstellte. Jetzt ist er weg, und da ist eine große Lücke in der Welt."