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Nachruf auf Daniel Dumile Es wird keinen neuen MF Doom mehr geben

Er war der Mann mit der eisernen Maske, die er nie abnahm. Der Rapper füllte keine großen Hallen, aber seine Fans liebten ihn. Im Oktober 2020 ist Daniel Dumile bereits gestorben, was Ende 2020 erst bekannt wurde. Ein Nachruf.

Von: Matthias Röckl

Stand: 07.01.2021

Rapper MF Doom | Bild: picture-alliance

MF Doom hatte kaum Hits, wurde von keiner großen Plattenfirma unterstützt, spielte nicht in ausverkauften Arenen. Und zeigte nicht mal sein Gesicht, Daniel Dumile, trug eine eiserne Maske – inspiriert von einer Superheldengestalt, namens Doctor Doom. Mit der Maske machte er klar: er ist MF Doom – ein Schurke, der ihn einer eigenen Welt lebt. Nun ist bekannt geworden, dass er schon im Oktober 2020 verstorben ist.

Auf Reddit trauern die Fans um MF Doom. Ein paar weisen dort darauf hin, dass ihnen normalerweise der Tod eines Celebrities nicht besonders nahe geht, doch MF Doom war ihr Celebrity. Ein Nerd, ein Underground-Musiker, der nichts mit der Glitzerwelt des Raps zu tun hatte. Doom war geheimnisumrankt und immer in Deckung, hatte weitaus weniger Fans als Jay-Z oder Diddy, doch dafür waren seine Anhänger treu und haben sich mit seiner Kunst intensiv beschäftigt.  

"This shot just broke my heart for real man. Been crying for the last 30 mins or so. This man literally changed how I listened to Hip-Hop and opened the door to so many other underground cats I never would’ve even thought to listen, let alone had even heard of. What a tragic way to end 2020 [...]"

Kommentar auf Reddit

Weiteres Pseudonym von Doom: Metal Fingers

MF Dooms Musikstücke beginnen meist mit einer Klangcollage – oft Samples aus Superheldenshows oder obskurren Vinyl-Platten. Mit dem Sampler schneidet er die Aufnahmen in einzelne Sätze und bastelt daraus Geschichten. Manchmal braucht es dazu keine seiner eigenen Raps, sondern nur die Beats von Daniel Dumile, für die er sich auch ein Pseudonym zulegt – eine weitere Person aus dem Doomiversum: Metal Fingers.

Doch Doom – die Gestalt des Schurken, der immer einen Schritt voraus ist, immer darauf bedacht, nicht im Fangnetz der kommerziellen Musikindustrie zu landen – hatte bereits eine andere Karriere, die wenn auch nur kurz, sehr vielversprechend und erfolgreich verlief.

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Doomsday | Bild: MF DOOM - Topic (via YouTube)

Doomsday

MF Doom – alias Daniel Dumile war zu Gast bei 3rd Bass unter seinem Namen Zev Love X. "Gasface" heißt die Zusammenarbeit. Damit befinden wir uns im Jahr 1989 und im Folgejahr beginnt das sogenannte Golden Age of Hip-Hop, das Jahrzehnt in dem Rap zum ersten Mal richtig kommerziell durchstartet mit den Bands aus New York: Run DMC, Beastie Boys, Public Enemy, KRS One und weitere. Auch Daniel Dumile schwimmt mit auf dieser Welle mit seinem Trio KMD – eine Abkürzung, die für "Kausing Much Damage" steht.

Bruder stirbt bei Autounfall

Mr. Hood heißt das Debüt – mit dabei bei KMD: Dumiles jüngerer Bruder Subroc. KMDs Rap ist spielerisch, aber auch sehr politisch – die drei praktizierenden Muslime thematisieren unter anderem auch Rassismus. Nach dem erfolgreichen Debüt, und auch das zweite Album war so gut wie fertig, kommt es zum tragischen Tod von Dumiles Bruder, der bei einem Autounfall ums Leben kommt. Noch mitten in der Trauer um seinen Bruder macht Daniel Dumile das zweite Album "Black Bastards" fertig.

Aufgrund des provokanten Covers wird der Band von Elektra Records fristlos gekündigt. Der Label-Rausschmiss und der überraschende Tod des Bruders machen Daniel Dumile stark zu schaffen. Er zieht sich zurück, steigt aus dem kommerziellen Musikgeschäft aus und taucht erstmal für fünf Jahre unter.

MF Doom bricht alle musikalischen Regeln

1997 ist er wieder da. Seine Stimme klingt nun tiefer, er hat seinen Namen Zev Love X abgelegt und wird zur Gestalt MF Doom. Ein Bösewicht, der in einer comicartigen Welt unterwegs ist und nach Weltherrschaft strebt. Musikalisch bricht dieser Schurke alle Regeln. Manche Songs haben keinen Refrain, seine Reime löst er immer wieder mit unerwarteten Wortkombinationen auf, die manchmal super klingen, aber wenig Sinn machen. Auf "MFood" benennt er alle Songs des Albums nach Essensgerichten. MF Foods Texte sind auch wie seine Sounds zusammengebaut, aus guten Sätzen aus seinem Reimbuch.

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JJ DOOM - GUV'NOR (Official Video) | Bild: MF DOOM TV (via YouTube)

JJ DOOM - GUV'NOR (Official Video)

Eine seiner meistgefeierten Platten heißt "Madvillain". Eine Zusammenarbeit mit Madlib, dem Sun Ra des Hip-Hop, der ebenfalls mit einem unorthodoxen Stil produziert, rappt und auch im Club der unbegrenzten Kreativität mit dabei ist.

Alben wie Romane oder Drehbücher

MF Doom bindet seine Hörer mit ein, verlangte eine Portion Offenheit und Fantasie – er sah sich als Schriftsteller, seine Alben könnten Romane sein, ein Filmdrehbuch oder ein Comic-Heft. Immer an anderen Orten mit anderen Charakteren. Manchmal schrieb Daniel Dumile ein ganzes Album aus der Sicht eines seiner Alter Egos, manchmal teilten sich die Charaktere einen Song. King Ghidra ist eine weitere Rolle, in die er schlüpft.

Beim Blick auf all die Musik, die Dumile hinterlassen hat, wird klar – es wird keinen neuen MF Doom geben, genau so wie es auch nie einen zweiten Basquiat oder Lou Reed geben wird. Rest in Peace, Doom.


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