Bayern 2 - Zündfunk

Zündfunk-Special zu seinem Tod Lee „Scratch“ Perry war der unangefochtene Reggae-Großmeister

Reggae, Dub und die Basis für die elektronische Tanzmusik – Lee „Scratch“ Perry hat die Popmusik verändert. Am 29. August ist er gestorben. Eine Hommage auf das Werk des Produzenten.

Von: Roderich Fabian

Stand: 30.08.2021

Der Musiker und Produzent Lee "Scratch" Perry im Januar 1980. | Bild: picture-alliance / jazzarchiv | Hardy Schiffler

Bob Marley mag derjenige sein, der die Musik Jamaikas in der Welt verbreitete, aber Lee „Scratch“ Perry war der Mann, der das Spektrum der Reggae-Musik wie kaum ein anderer erweiterte und schon in den 1970er Jahren die Grundlagen für die moderne Popmusik späterer Dekaden legte.

Perry stieg bereits in den späten Sixties ins Produzenten-Business ein. Anfangs versuchte er sich als Sänger, wie er in einem BBC-Interview erzählte, dann erst wurde er Produzent und Studiotechniker. Und dort war er schließlich so gefragt, dass er keine Zeit mehr für seine Familie hatte.

Mit den „Upsetters“ landete er frühe Reggae-Hits, verlegte sich aber nach Verbreitung der Mehrspurtechnik bald verstärkt auf den sogenannten „Dub-Reggae“, bei dem die einzelnen Elemente einer Aufnahme so gedehnt, verkürzt, akzentuiert oder modifiziert abgemischt wurden, dass völlig neue Tracks dabei entstanden. Diese sogenannten „Versions“ waren die Vorläufer des später entstandenen Remix-Wesens der 1980er und damit die Basis für die elektronische Tanzmusik.

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Lee 'Scratch' Perry & The Upsetters 'Jungle Lion' (Official Audio) | Bild: Trojan Records Official (via YouTube)

Lee 'Scratch' Perry & The Upsetters 'Jungle Lion' (Official Audio)

Sein legendäres Studio „Black Ark“

Manche halten die Lee-Perry-Produktion „People Funny Boy“ aus dem Jahr 1968 für den ersten Sampling-Track überhaupt, weil er darin die Aufnahme eines schreienden Babys in den Song integrierte. Im gleichen Jahr erschuf sich Lee Perry sein Alter Ego und nannte sich „The Upsetter“ – bezeichnete sich also als den Mann, der andere gegen sich aufbringt, sie aber gleichzeitig in ungeahnte Höhen befördert.

Lee Perry arbeitete in den späten Sechzigern als Tontechniker für die großen Reggae-Produzenten jener Zeit, für Coxone Dodd, King Tubby und Joe Gibbs. Aber er hatte so ungewöhnliche Ideen am Mischpult, dass er bald immer häufiger als zuständiger Produzent engagiert wurde. Auch die frühen Wailers mit Bob Marley und Peter Tosh engagierten Perry und nahmen mit ihm auf.

Im Jahr 1973 konnte Perry dann ein eigenes Studio eröffnen, die bis heute legendäre „Black Ark“, die schwarze Arche. Im Jahr 1979 wird das Studio allerdings vollständig niederbrennen. Lee Perry gibt zu, das Feuer selbst gelegt zu haben. Er habe die negativen Geister bekämpfen wollen, die sich dort seiner Meinung nach ausgebreitet hatten.

Massenhaft „jamaikanische Zigaretten“

Neben seinem jamaikanischen Kollegen King Tubby war Lee Perry der unangefochtene Dub-Reggae-Großmeister. Nach Streitereien um Tantiemen in seiner Heimat zog Lee Perry schon in den 1980er Jahren in die Schweiz, produzierte aber weiterhin unermüdlich Musik und ging (oft als Sänger) auf Tournee.

Dass der Mann, der massenhaft „jamaikanische Zigaretten“ rauchte, immerhin 85 Jahre alt wurde, darf die Musikwelt als Geschenk betrachten. Lee Perry starb am Sonntag, 29. August, in seiner Heimat Jamaika. Dieses Zündfunk-Special würdigt das Werk des Produzenten Lee „Scratch“ Perry.

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