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Münchens erste Club-Bookerin "Worauf wir achten, ist ein 50:50 Booking. Wir wollen die Gesellschaft abbilden, wie sie wirklich ist"

Alicia Fricke ist eine der ersten Bookerinnen Münchens. Ihr Arbeitgeber ist der Münchner Club Harry Klein. Zündfunk-Reporter Ferdinand Meyen hat sie getroffen und mit ihr über ihren Weg in den Club, Kumpels, die Kumpels buchen und 50:50 Booking gesprochen.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 14.07.2022

DJ und Bookerin Alicia Fricke | Bild: Alicia Fricke

Es ist halb zehn Uhr morgens, eine ungewöhnliche Zeit um im Harry Klein zu sitzen. In dem noch leeren Münchner Club sitzt Alicia Fricke. Sie ist die Bookerin und gerade dabei, das DJ-Set einer potentiellen neuen DJ-Künstlerin durchzuhören. Wie geht sie dabei vor? „Tatsächlich geht sowas super schnell. Also das ist Wahnsinn, das ist wie beim Verliebtsein“, sagt sie, während sie auf Soundcloud durch das Set klickt. „Man nimmt sich 10, 15 Sekunden Zeit und geht dann durch ein Set für den ersten Eindruck.“ Der Sound gefällt ihr. Er ist groovy, tanzbar und nicht zu schnell.

Von der DJ zur Bookerin

Auf der Webseite des Harry Klein wird Alicia als „erste Bookerin Münchens in einem elektronischen Club“ beschrieben. Dass das so hervorgehoben werden muss, steht für eine Szene, die sehr von Männern dominiert wird. „Wenn ich darüber nachdenke, gibt es deutschlandweit noch nicht so viele“, erklärt sie. „Die Diversität in Clubs ist relativ gering, man spricht aber immer nur davon, dass es zu wenige Flinta-DJs gibt. Aber man muss auch mal hinter die Kulissen schauen und hinter die ganzen Strukturen. Da ist es wirklich zu 99 Prozent so, dass Männer als Geschäftsführer oder Booker stehen.“

Was bedeutet FLINTA?

Das Akronym „FLINTA“ steht für „Frauen, Lesben, inter-, nicht-binäre, trans- und agender“-Personen. Damit sollen alle Personengruppen bezeichnet, inkludiert und genannt werden, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität vom Patriarchat unterdrückt werden.

Angefangen hat Alicia Fricke selbst als DJ. Mit dem Kollektiv WUT hat sie feministische Partys begleitet und am liebsten House und Dub Techno aufgelegt. Dann kommt es am Weltfrauentag 2020 zu einem Gig im Harry Klein und zusammen mit dem WUT Kollektiv übernimmt sie das Booking für einen Corona Livestream. So lernt sie mit Peter Fleming, einen der Geschäftsführer kennen. Der ist begeistert und fragt sie, ob sie sich nicht vorstellen könnte, das Programm mitzugestalten. Als das gut klappt, wird sie dauerhaft eingestellt.

50:50 Booking als Grundlage

Der Dancefloor und die DJs im Harry Klein von oben

Diversität ist eines der wichtigsten Themen für Alicia Fricke – und ein Reizthema bei konservativeren Fans. Im Harry Klein wird auf ein 50:50 Booking geachtet, also Männer und Flinta gleichermaßen. Damit und mit einem besonderen Augenmerk auf queere und BiPOC Artists wollen sie die Gesellschaft abbilden, wie sie wirklich ist.

"Wir müssen uns eingestehen, dass weibliche Artists doppelt so viel machen müssen wie männliche"

Alicia Fricke

Geht es nach Alicia Fricke, ist das absolut kein Problem: „Ich finde, wir haben aktuell eine Männerquote, weil Kumpels ihre Kumpels gebucht haben“, sagt sie über das Thema. „Wir müssen uns eingestehen, dass weibliche Artists doppelt so viel machen müssen wie männliche und dass das einfach sehr ermüdend ist. Da ist es schon sinnvoll, dass man im Harry Klein sagt: Wir machen ein 50:50 Booking. Die Kollektive müssen jetzt darauf achten – und es funktioniert super!“