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Afrobeats Wie sich afrikanische Popstars wie Mr Eazi weltweit durchsetzen wollen

Sie sind Mitte 20, haben Millionen von Followern im Netz und strotzen vor Selbstbewusstsein. Afrikas neue Generation von Popstars, angeführt von Künstlern wie Mr Eazi, feiert erste internationale Erfolge. Aber noch bekommen sie nicht die gleichen Chancen wie Musik aus den USA und Europa.

Von: Georg Milz

Stand: 09.01.2019

Mr Eazi | Bild: Mr Eazi

Mr Eazi ist einer der neuen afrikanischen Superstars. Er hat 2 Millionen Follower auf Instagram, seine Songs werden 20-50 Millionen Mal auf Spotify gestreamt und auch auf Youtube Music ist er ein dicker Fisch. Er kommt aus Lagos, dem Zentrum des neuen afrikanischen Sounds. Der nennt sich Afrobeats und ist weniger politisch als die Musik von Fela Kuti oder Tony Allen, dafür aber umso erfolgreicher.

Lagos - das Zentrum der neuen Musik

Lagos ist gerade das neue Kingston, ein riesiger Steinbruch für neue Sounds. Das wissen nicht nur die Jungs von Major Lazer, die auf ihren Rechnern bereits eine ganze Handvoll Songs von Mr Eazi gebunkert haben und nur auf den richtigen Moment lauern. Auch große Stars der afroamerikanischen Musik wie Rihanna, Drake und Jay Z liebäugeln seit langem mit den Hits aus Afrika und bauen schon Musikpipelines, um die Sounds abzusaugen.

Aber weil Nigeria eben nicht in der Karibik liegt, sondern in Afrika, knirscht und hackt es noch überall noch ein bisschen. Mr Eazi bedient die Märkte bisher alle aus eigener Hand - mit eigenem kleinem DIY-Label sozusagen. "Es gibt Ignoranz auf beiden Seiten", sagt er im Zündfunk-Interview. "Die Popstars aus Afrika kommen mit der Energie, dass sie zuhause bereits Superstars sind und Fußballstadien füllen. Sie verlangen mehr Respekt und bessere Deals. Die großen Labels dagegen vertreten die Position, dass unsere Musik noch neu ist. Und nicht so ganz leicht zu vermarkten."

Von Afrika in den Rest der Welt

Afrikas Popstars zeigen der Welt gerade, dass sie ganz vorne mitspielen können - aber jetzt geht die Arbeit eigentlich erst richtig los. Afrikanischer Pop wird international eben noch nicht wie US-R'n'B vermarktet, meint Mr Eazi: "Eine Möglichkeit wäre, dass die afrikanischen Märkte zuhause so stark werden, wie wir das vom K-Pop kennen. Dann würde niemand mehr darüber nachdenken, ob er nun nur eine oder gleich zwei Millionen Dollar in ein Album von einem Star wie mir oder Wizkid investiert."

Problem: Das mit dem heimischen Markt läuft gerade nicht. Nigeria wurde gerade von einer schweren Rezession erwischt, die Musikindustrie des Landes liegt am Boden. Es fehlt an Auftrittsmöglichkeiten, es gibt keine einzige Konzert-Agentur mehr im Land, die Tourneen für Künstler bucht. "Es gibt Stars, die haben in Ghana den größten Hit und können sich nicht mal ein Auto leisten", sagt Mr Eazi. Deshalb muss die neue Generation junger Popstars aus Afrika umdenken.

Mr Eazi auf Mission

Mr Eazi beginnt das neue Jahr mit einer kostenlosen Promo-Tournee an Universitäten und coacht in Afrika 100 junge Künstler, denen er jeweils ein Musikvideo spendiert. Er ist den meisten Popstars aus Nigeria deutlich voraus, hat in Ghana Ingenieurwesen studiert und dort auch ein kleines Start-Up. Musik war zunächst nur sein Hobby. Bis 2016 seine Songs „Skin Tight“ und später „Leg over“ einschlugen und auch in seiner alten nigerianischen Heimat plötzlich aus jedem Mobiltelefon der Kids dröhnten. Heute ist er das Gesicht der populärsten Playlist für Afrikanischen Pop auf Spotify und hat Werbe-Banner von LA bis Nairobi. Deutschland könnte sein nächstes Ziel werden.


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