Bayern 2 - Zündfunk


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Eine Liebeserklärung zum 20-jährigen Warum „Black On Both Sides“ von Mos Def eines der besten Alben im Rap ist

Vor genau 20 Jahren war es unser Zündfunk-Album des Jahres: „Black on Both Sides“ von Mos Def. Kluger Rap aus Brooklyn, New York. Hungrig und auf den Punkt. Dieses Debutalbum begeistert uns bis heute. Wir haben einen Liebesbrief geschrieben:

Von: Sammy Khamis

Stand: 18.01.2019

The American rapper, singer, poet and actor Mos Def is here pictured at a live concert at Vega in Copenhagen. Mos Def is also known from the duo Black Star. Denmark 08/04 2010 | Bild: picture alliance/Photoshot

Ich höre "Black on Both Sides" immer dann, wenn mein Energie-Level eher auf einer soliden Minus 20 festhängt. Das Album war auf jedem MP3 Player, jedem iPod und wird bis heute nicht gestreamt, sondern hat einen Ehrenplatz in meinem Handyspeicher. "Black on Both Sides" hat diese unbändige Power –  immer nach vorne. Immer auf den Punkt, auf den Beat. Es ist unfassbar: Die ersten vier Songs sind eigentlich einer.

In "Fear Not Of Man" spricht Mos Def über seinen Glauben, den Islam, über Bescheidenheit und seine Liebe zum Rap, um dann ohne jeglichen Übergang zum nächsten Song überzugehen. Es kommt so krass. Jedes. Einzelne. Mal.

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Fear Not Of Man | Bild: Mos Def - Topic (via YouTube)

Fear Not Of Man

Der Retter des Rap

Mos Def wurde 1999 zum Retter des Rap erkoren. Kurz zuvor war der Gangsta-Rap Irrsinn eskaliert: Zuerst wird Tupac erschossen, dann Biggie Smalls. Rap war in der Krise. Und dann kommt Mos Def daher: Aus Brooklyn. Aufgewachsen während der Crack-Epidemie. Sein Vater ist in der "Nation of Islam" und ein Verehrer von Malcolm X. Dante, so der bürgerliche Name von Mos Def, sieht Gang-Gewalt, ist aber selbst nie Gangster.

Nach der Crack-Epidemie und dem Rap-Krieg zwischen East und West Coast kommt der schmalbrüstige Mos Def um die Ecke und brennt ein Rap-Album in die Musik-Historie, das so politisch, so künstlerisch, so unfasslich vielschichtig, so smooth und so on point ist, dass man es nur die perfekte Verbindung des Laid Back Sound von De La Soul, oder A Tribe Called Quest und der politischen Lyrics von NWA oder Public Enemy nennen kann. Geht nicht anders. Es ist perfekt. Die Verbindung beider Styles. Es ist perfekt: Dieses Album.

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Mr. Nigga | Bild: Mos Def - Topic (via YouTube)

Mr. Nigga

Ein Debut als Opus Magnum

Es gibt zu viele großartige Lines in diesem Album, um sie zu zitieren. Das ist die eloquente Kultur- und Race-Analyse – Mos Def spricht über Racial Profiling, über das Messen mit zweierlei Maß. Und dann rappt er auf "Mr Nigga" diese Zeilen:

"You can laugh and criticize Michael Jackson if you wanna. Woody Allen, molested and married his step-daughter."

Mos Def

Und dann sind da die behutsamen Samples, von Gil Scott Heron, den Red Hot Chilli Peppers, natürlich von Aretha Franklin oder dem Wu Tang Clan – nicht anbiedernd, sondern verneigend – mit verschmitztem Lächeln.

Vielleicht gehört es zur Geschichte von Dante Smith, alias Mos Def, dass er mit seinem Debütalbum auch gleich sein Opus Magnum hingelegt hat. 17 Songs. 71 Minuten Playtime. Ein Album, das mal schnell, mal aggressiv kommt, mal verspielt, mal nachdenklich. In den Jahren danach kamen super Alben von Mos Def. Experimentell und neu. Dann nimmt Mos Def den Namen Yasiin Bey an und macht kaum mehr Musik; nur noch Experimente. Das kann man sich alles geben. Klar. Er ist Künstler. Aber „Black on Both Sides“: Fucking Meisterwerk. Auch 20 Jahre später – und jeden Tag von Neuem.


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