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Album der Woche: "Sinner" Berechenbar unberechenbar: Moodymann macht seinem Ruf als "Prince der House-Music" alle Ehre

Unwiderstehlich warme, elegante Grooves, dafür ist Moodymann alias Kenny Dixon Jr. bekannt. Ansonsten gibt sich der "Prince der House-Music" eher mysteriös. Sein letztes Album erschien nur in Kleinstauflage, kaum einer hat es gehört. Nun hat er eine EP rausgbracht - diesmal sogar für alle!

Von: Ralf Summer

Stand: 08.07.2019

Moodymann: Sinner-EP | Bild: KDJ Records

Es ist das Jahr 2018. Das damals noch am Kiosk erscheinende Groove-Magazin platziert ihn auf dem Cover: Der sonst so medienscheue Moodymann gibt ein Exklusiv-Interview. Die Coverstory trägt den Titel „In meiner Welt haben Frauen das Sagen“ und endete mit dem Hinweis: „Das neue Album des Detroit-House-Pioniers erscheint demnächst. Es wird Got Me Coming Back Right Now‘ heißen“. Bis heute warten wir auf dieses Versprechen.

Vor ein paar Tagen überraschte uns nun Groove.de – digitaler Nachfolger des Musikmagazins - mit der Nachricht: Es gibt was Neues von Moodymann! Heißt nicht „Got Me Coming Back Right Now“, ist auch kein Album, sondern die „Sinner“-EP. Die Maxi-Single ist Ersatz für das dann doch nicht erschienene 2018er Album. Das hat Moodymann lieber bei einem seinen seltenen Sets verschenkt. Die wenigen LPs die im Umlauf waren und von Fans auf Discogs verkauft wurden, kosten zwischen 400 und 500 Euro. Auch die nun erschienene „Sinner“-EP gilt bereits als vergriffen. Kenny Dixon Jr. fährt mit seinem KDJ-Label eine Fan-unfreundliche Politik der Vinyl-Verknappung. Gottseidank gibt es die „Sinner“-EP aber im Netz bei Bandcamp. Mit neun Digitalstücken ist es eine Art Mini-Album.

House-Checker

Kenny Dixon Jr. begann als Schlagzeuger – im Jazzclub seines Vaters. Er ist Prince-Fan, macht Beats für Rap-Freunde. 1994 dann eine erste Maxi als Moodymann. So wie sein Spitzname als Jugendlicher: Moody. Und „mann“ mit zwei „n“. Als DJ-Anfragen aus Europa kommen hält er sie für einen Scherz. Und beginnt hinter Vorhängen aufzutreten, er ist nur als Schatten wahrnehmbar. In den 90ern war er dann der Star der House-Checker. So repetitiv wie deep. Auch jetzt ist er am liebsten im Studio und macht sich einen Spaß draus, Platten mit unterschiedlichen Material zu pressen – obwohl Vinyls manchmal den gleichen Titel tragen, können ganz verschiedene Lieder drauf sein.

Tanzmusik, die ein Bein nachzieht

Seinem Ruf als der „Prince of House-Music“ macht er 2019 wieder alle Ehre: beim schwülen Schwofer „Downtown“ zum Beispiel. “Deeper Shadow” ist einer seiner Zeitlupen-Disco-Tracks, für seinen “Hinke-oder Stolper-Hannes-House” ist er berüchtigt, Tanzmusik, die ein Bein nachzieht. Und auch sowas findet sich auf seiner neuen „Sinner“-EP: „Take Yo‘ Praise“ von Camille Yarbrough. Dass Fatboy Slim das Sample bereits für seinen Hit „Praise You“ benutzt hat, ist Moodymann herzlich egal.

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Moodymann - If I Gave U My Love [SINNER | KDJ 48] | Bild: soundsgroovy (via YouTube)

Moodymann - If I Gave U My Love [SINNER | KDJ 48]

Was Moodymann nicht egal ist, ist seine Nachbarschaft. Es heißt, er würde sich als Neighborhood Activist im wieder erblühenden Detroit engagieren. Dafür sorgen, dass die Kids zur Soul Skate-Party kommen, die er einst initiiert hat. Moodymann ist ein großer Rollschuh-Disco-Fan. Und er träumt wohl davon, eine Band zu haben, die Jimi Hendrix und Parliament zusammenbringt. Wir freuen uns einstweilen, dass es Funk und House auch tun – auf seinen Platten zumindest. Genau seit einem Vierteljahrhundert! So, und jetzt vergleichen wir mal die Tracks unseres Albums der Woche mit unserem Banknachbarn ;)


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