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Kollektion von Tyler, the Creator Wie Tennis endlich sein schrecklich weißes Image verliert

Tyler, the Creator macht Tennis wieder cool! Der Rapper kollaboriert mit Lacoste und bringt eine Kollektion raus, die als Hommage an Arthur Ashe durchgeht. In diesem Sinne: Tennis is back! Tennis is black!

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 19.07.2019

 In this July 5, 1975, file photo, Arthur Ashe holds the men's singles trophy after defeating fellow American Jimmy Conners in the final of the men's singles championship at the All England Lawn Tennis Championship in Wimbledon, London. A movement to rename a Richmond, Virginia, thoroughfare for Ashe is cresting just as the state finds itself in turmoil over a blackface scandal involving the governor and attorney general.  | Bild: picture alliance / AP Photo

Danke, Internet. Ein Foto bei Instagram hat mir den endgültigen Tritt in den Hintern verpasst; Zum ersten Mal seit Jahren stehe ich wieder auf dem Tennisplatz. Weil ich Tennis gerade wirklich feiere! Ok, und auch das Drumherum. Es war ein Foto auf dem Account von Tyler, the Creator. Früher ein Bad Boy-Rapper, heute nicht mehr ganz so böse. Aber: definitiv einer der stylishsten Typen im - an Stillosigkeiten nicht armen - Rap-Game.

Seit 2011 hat der Afro-Amerikaner sein eigenes Modelabel Golf Wang und gerade eine neue Kollektion auf den Markt gebracht – zusammen mit Lacoste! Lacoste, das Ur-Tennis-Label, Synonym für weißes Schnösel- Yacht- und Bonzentum! Mit dem Krokodil-Logo, das mich schon als Kind im Tennisclub eingeschüchtert hat, als ich noch gar nicht wusste, was Bonzen sind. Tyler, the Creator hat dem Krokodil jetzt nonchalant eine rote Blume ins Maul geschoben. Damit sieht’s jetzt eigentlich ganz freundlich aus auf den pastellfarbenen Tennis-Shorts und Polos seiner Kollektion. Die Models der Kampagne – unter ihnen natürlich auch Stylo-Tyler selbst – sind übrigens fast alle People of Color.

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feliciathegoat 08.07.2019 | 19:43 Uhr GOLF le COSTE*: july 17th

GOLF le COSTE*: july 17th | Bild: feliciathegoat (via Instagram)

#blackgirlmagic

Guter Move, Lacoste. Aber auch völlig notwendiger Move. "Tennis, so white", das schreckliche weißes Image von Tennis, es verändert sich gerade. Die 15-jährige Cori Gauff aus den USA war in diesem Jahr DIE Sensation in Wimbledon. Gleich in der ersten Runde hat sie ihr großes Idol Venus Williams aus dem Turnier gekickt. Das Netz hat sich überschlagen: "A Star is born" hat Tennis-Legende Billie Jean King getwittert. Von Michelle Obama gab’s Lob! Der Hashtag "Black Girl Magic" hat die Runde gemacht.

Das Aufeinandertreffen von Cori Gauff und Venus Williams war symbolträchtig: hier standen sich zwei Generationen afroamerikanischer Spielerinnen gegenüber. Als Gauff 2004 geboren wurde, hatte Williams schon mehrere Grand Slam Titel geholt – inklusive zweimal Wimbledon. Ohne Williams Erfolge, sagt Gauff selbst, wäre sie heute nicht da, wo sie ist.  

Venus und Serena Williams als Spirit Animals

Das Beispiel Cori Gauff zeigt wieder mal, wie wichtig Vorbilder sind. Das Englische "You have to see it to be it" bringt es auf den Punkt. Cori Gauff ist als junger Mensch damit aufgewachsen, dass da zwei schwarze Frauen waren, Venus und ihre jüngere Schwester Serena Williams, die den Tennissport dominiert haben, so lange sie denken konnte. Die so aussehen wie sie, die ihre Afrohaare mit Perlen und Zöpfen getragen haben. Die nicht aus irgendwelchen weißen Country-Clubs aufgestiegen sind, sondern aus Compton, Kalifornien! Ja, DAS Compton, das man aus dem Rap kennt.

Sloane Stephens, Madison Keys, Taylor Townsend, lauter schwarze Profi-Spielerinnen, geben zu, dass sie von den Williams-Schwestern beeinflusst wurden. Bei den Männern sieht’s zwar noch nicht so gut aus. Aber von Spielern wie Felix Auger-Aliassime aus Kanada wird man noch viel hören, genauso wie vom Amerikaner Francis Tiafoe, dessen Eltern Immigranten aus Sierra-Leone waren.

Eine afroamerikanische Tennisgeschichte

Bis der Tennissport wirklich divers ist, wird es dauern. Aber es hilft, sich immer wieder die Geschichten der Persönlichkeiten vor Augen zu halten, die noch aus ganz anderen Zeiten kamen. Mitte der 50er Jahre durfte die spätere Tennis-Legende Arthur Ashe in seiner Heimatstadt Richmond nicht an einem Turnier teilnehmen, weil er schwarz war. Ein einschneidendes Erlebnis für den damals 12-jährigen. Arthur Ashes Geschichte, die Hindernisse, die er überkommen musste, haben Jahre später wiederum Serena Williams motiviert, ihr bestes Tennis zu spielen.

Und so schließt sich der Kreis. Ohne Arthur Ashe keine Williams-Schwestern, ohne die Williams Schwestern keine Cori Gauff und ohne Tyler, the Creator… hm. Ja, ok. So weit würde ich dann doch nicht gehen, den Rapper in die afroamerikanische Tennisgeschichte zu schreiben. Aber in meiner eigenen kleinen Tennisgeschichte hat er mir allein mit seiner Modekollektion wieder eine Begeisterung für diesen eleganten, coolen Sport verschafft. Aber, by the way, lieber Tyler: an die Outfits von Arthur Ashe in den 70ern kommst auch du nicht ran.


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