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Morgenröte für Kiffer CBD ist Gras, was dich nicht high macht - warum also der Hype?

CBD ist der legale Bruder von THC, jener psychoaktiven Substanz in Marihuana. CBD fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und wird als Schmerz-und Entspannungsmittel konsumiert. Kurz gesagt: Gras, das dich nicht high macht. Und alle sind ganz wild darauf! Was ist da los?

Von: Maria Fedorova

Stand: 12.12.2018

CBD im Handel | Bild: picture-alliance/dpa

Plötzlich ist sie überall, diese perfekte legale Nicht-Droge: C-B-D! Ein Bekannter raucht es, statt Alkohol zu trinken. Meine beste Freundin schluckt das CBD-Öl bei Regelschmerzen. Mein Mitbewohner dampft den CBD E-Liquid um seinen Rücken zu entspannen. Auf Partys tun Leute ein paar Krümel in ihre Zigarette –für gute Vibes. Was tatsächlich dahinter steckt, checken erstmal nur wenige.

„CBD ist ein natürliches Cannabidiol aus den Hanfpflanzen. Menschen entwickeln dabei keine Abhängigkeit. Bei klinischen Tests hat sich CBD als ein gutes Mittel gegen Epilepsie erwiesen. CBD könnte auch antipsychotisch oder entzündungshemmend wirken.“

So steht es im Bericht der Weltgesundheitsorganisation. In Deutschland werden CBD-Produkte als Arzneimittel, als Nahrungsergänzung und Naturkosmetika deklariert. Fundierte Erkenntnisse über die Wirksamkeit von CBD fehlen bislang. Dennoch: Die Lifestyle-Industrie hat natürlich sofort bei diesem neuen Wundermittel zugeschlagen.

Cannabis-Style mit endlosen Redeflashs und Abhängen, mit Kiffer-Musik von Cypress Hill und Stoner-Filmen wie „Dazed und Confused“ war gestern. CBD ist die Helene Fischer auf Droge, so Mainstream wie Beauty Tutorials auf Youtube. Die edlen Tropfen gibt’s im Kaffee-to-go, den man dann mindestens 3 Euro teurer verkaufen kann. Es gibt CBD-Kaugummis, Gesichtsmasken, Hundefutter. Coca-Cola plant eine CBD-Brause. Und die Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow liebt es, auf Partys mit CBD-Mint Julep rumzutorkeln, denn: „Die Kräuternote des Cannabis sorgt für einen funkelnden Schlier und macht den Cocktail zum perfekten Veranda-Faulenzer.“

Eine Flasche Premium-Öl, 10 ml, kostet online ca. 60 Euro. Ein Schnäppchen, wenn man die potenzielle Wirkung mitbedenkt. Ja, aber, wie ist sie denn, die Wirkung? Die Frage lässt sich nicht so flott beantworten. Auch beim nicht-medizinischen Konsum soll CBD entspannen und beim Stressabbau helfen. In den Erlebnisberichten meiner Bekannten kommt das Wort „subtil“ erstaunlich oft vor: „Die Wirkung ist subtil. So subtil, dass sie auch nicht da sein kann.“

Laut Forbes hat die US-Industrie 2017 rund 190 Millionen Euro mit CBD verdient. Und die amerikanischen Autoren von Vox Media haben dafür eine schlaue Erklärung abgeliefert: Die Allgegenwertigkeit psychischer Krankheiten wie Burn-out und Schlafmangel. Der expandierende Markt für medizinisches Cannabis. Der Boom von pflanzlichen Bio-Produkten. Und der Foodie-Super Food-Kosmetik-Beauty-Hype. Dumm ist also, wer CBD nicht in seine Produktpalette integriert. Ist die Substanz doch gerade sowas wie ein pflanzlicher Bitcoin: vielversprechend, von Mythen umrankt, hip, und so richtig checken, was dahinter steckt, muss man auch nicht.

Alt ist die These, aber wahr: Der ultimative Rausch, die Nicht-Funktionalität passen nicht zum Neo-Liberalismus. Und das klassische Kiffer-Narrativ wirkt plötzlich nicht mehr begehrenswert: stoned sein und die Tiefkühlpizzen um drei Uhr in der Früh in die Mikrowelle schieben. CBD ist die perfekte Droge der selbstoptimierten Welt: Sie lässt uns fit, gesund und produktiv sein, dabei einen klaren Kopf behalten und gelichzeitig mega entspannt sein. Mehr Euphorie geht wirklich nicht. 


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