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Album der Woche: "Magdalene" Mit ihrem neuen Album kämpft FKA Twigs gegen die Tricks des Patriarchats

Vor fünf Jahren debutierte Tahliah Barnett, alias FKA Twigs, mit "LP1". Die Songs zwischen elektronischer Musik, Avantgarde Pop und R’n’B wurden von Kritikern gelobt und von Fans gefeiert. Jetzt gibt es Album Nummer 2: "Magdalene". Höchste Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen, die sich um FKA Twigs und ihr neues Album ranken.

Von: Angie Portmann

Stand: 12.11.2019

"Magdalene" ist kein Trennungsalbum!

Im Jahr 2017 haben sich FKA Twigs und der Schauspieler Robert Pattinson getrennt. Die Zeit danach war für die Musikerin nicht leicht. Schuld daran war aber auch eine OP an der Gebärmutter, bei der ihr sechs gutartige Tumore entfernt wurden. FKA Twigs sprach damals auf Instagram von "einer Obstschale voller Schmerz". Trennung und OP haben sie, wie sie selbst sagt, inspiriert – trotzdem ist "Magdalene" kein klassisches Trennungsalbum geworden. Es geht hier nicht nur um Schmerz und Verlust. Sondern auch um Energie, um Empowerment: Um die Macht der Frauen, uraltem Wissen, dass von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dieses Thema, sagt uns Tahlia Barnett, zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. "Dass Frauen heutzutage darüber nicht mehr reden, liegt an den Männern. Es ist ein Trick des Patriarchats. Vor gerade mal ein paar Hundert Jahren haben sie uns auf den Scheiterhaufen verbrannt – sie haben unser weibliches Wissen gefürchtet. Sie wollten uns einschüchtern, sie hatten Angst vor unserer eigenen Magie, unserer ureigenen Macht, die wir als Frauen nun einmal vererbt bekommen", sagt sie.

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FKA twigs - Cellophane | Bild: FKA twigs (via YouTube)

FKA twigs - Cellophane

Maria Magdalena ist keine "heilige Hure"!

Das zweite Album von FKA Twigs heißt nicht nur "Magdalene", Tahlia Barnett hat der biblischen Gestalt der Maria Magdalena sogar einen Song gewidmet: "Was ich in Maria Magdalena gesehen habe, ist eine Reinheit, eine heilende, fast jungfräuliche Art. Sie war frisch, neu und innovativ. Aber gleichzeitig war sie auch mächtig!"

Maria Magdalena gilt heute zwar offiziell als der Inbegriff der heiligen Hure. Die jüngere Religionsforschung behauptet jedoch das Gegenteil. Maria Magdalena sei ein Kunstprodukt, entstanden aus verschiedenen Marienfiguren in den Evangelien, vermixt mit Frauen aus dem Umkreis von Jesus. Die stark von Männern dominierte katholische Amtskirche wollte nicht sehen, was Jesus vorlebte: die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Stattdessen degradierte man Maria Magdalena zur Sünderin und mit ihr hat man alle Frauen in der Kirche degradiert. Um damit über Jahrhunderte hinweg die eigene Überlegenheit festzuschreiben - noch ein Trick des Patriarchats, den FKA Twigs durchschaut hat.

"Magdalene" ist kein R’n’B-Album!

Als im Jahr 2014 alle Medien den innovativen R’n’B-Entwurf von FKA Twigs gefeiert haben, hat sich die Britin dagegen verwehrt. Sie mache alles, nur keinen R’n’B, meinte sie damals. Auch auf dem Album "Magdalene" hören wir immer wieder Spurenelemente von R’n’B. Aber eben nicht nur. Das Album will mehr. Bewegt sich zwischen Art-Pop, gregorianischen Gesängen, avantgardistischer Elektronik und ja, auch einem Hauch futuristischem R’n’B. Produziert wurde "Magdalene" übrigens von Nicolas Jaar, Skrillex, Oneohtrix Point Never und FKA Twigs selbst. Alle bekannt für ihre Lust am sonischen Experiment.

FKA Twigs muss man gesehen haben!

FKA Twigs definiert sich nicht nur als Musikerin, sondern auch als Tänzerin, als Performerin. Ihre Videos sind spektakulär. So artistisch wie im Video zu "Cellophane" hat man Poledance noch nicht gesehen. Aber man muss dieses Album nicht sehen. Es reicht, diese verwirrend schöne Popmusik zwischen Gefühl und Glitch, zwischen Dystopie und Mainstream "nur" zu hören. Schon vor fünf Jahren war die mittlerweile 31-jährige Britin für einen Mercury Award nominiert. Und auch das hypersensible Album Nummer 2 dürfte wieder Kritiker wie Fans in seinen Bann ziehen. Mich hat sie damit auf alle Fälle schon hypnotisiert.


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