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#failoftheweek Michael Bloomberg, es ist keine gute Idee, Söldner in den Meme-Krieg zu schicken

Kann man Memes in Auftrag geben? Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg hat bekannte Influencer dafür bezahlt, Bloomberg-Memes zu kreieren. Keine gute Idee, sagt Christian Schiffer. Aber vielleicht ein Anfang.

Von: Christian Schiffer

Stand: 14.02.2020

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg | Bild: picture alliance / AP Images/David Goldman

Wir haben Donald Trump ins weißen Haus gememt! Da waren sich die jungen Alt Right-Trolle auf dem DeploraBall 2017 – einer Jubelfeier aus Anlass des Wahlsiegs Donald Trumps – sicher. Und in der Tat dürften Memes eine Rolle gespielt haben für den Wahlsieg von Donald Trump. Memes, das sind eben die Kalaschnikows des Informationskrieges: Einfache Bedienung, hohe Zuverlässigkeit, schnelle Feuerrate. Und billig sind sie auch, also zumindest für Donald Trump. 2016 memten seine Fans arbeitsteilig und im Akkord und flutetet mit ihren Text-Bild-Kombinationen das Netz. Der selbst ernannte General im Meme-Krieg Charles Johnson sagte nach der Wahl: „Wenn man eine Wahl gewinnen will und entweder eine Million Dollar für Werbung oder 100.000 Dollar für Trolle ausgeben kann, dann würde ich dazu raten, 100.000 für den Troll zu bezahlen.“

Mehr - oder weniger - witzige Memes

Und so hat jetzt hat der potenzielle Trump-Herausforderer Mike Bloomberg offenbar ein Söldnerheer an Meme-Macher engagiert. Das Projekt läuft unter dem Label „Meme 2020“. Erst häuften sich auf seinem Kanal seltsame und weirde Posts. Da war der Fleischball, der aussah, wie Mike Bloomberg.

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Team Bloomberg 15.01.2020 | 02:16 Uhr Test your political knowledge: SPOT THE MEATBALL THAT LOOKS LIKE MIKE. https://t.co/CkzdgwpzdI

Test your political knowledge:
SPOT THE MEATBALL THAT LOOKS LIKE MIKE. https://t.co/CkzdgwpzdI | Bild: Mike2020 (via Twitter)

Das war dieses gephotoshoppte Bild, das den ehemaligen US-Präsidenten Gerald Ford beim Essen einer Calzone zeigte.

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Team Bloomberg 15.01.2020 | 03:38 Uhr Observers believe the turning point of the 1976 election is when Gerald Ford debated while eating a sausage calzone. #DebateFacts #DemDebate https://t.co/cZYvU4r6Px

Observers believe the turning point of the 1976 election is when Gerald Ford debated while eating a sausage calzone. #DebateFacts #DemDebate https://t.co/cZYvU4r6Px | Bild: Mike2020 (via Twitter)

Und da war dieses Video… ja, leider, leider war da auch noch dieses Video: Das Video mit den sprechenden Hunden.

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Mike Bloomberg 29.01.2020 | 17:08 Uhr Dog people get me. Dogs too. #DogsFurMike https://t.co/gGejm10vZQ

Dog people get me. Dogs too. #DogsFurMike https://t.co/gGejm10vZQ | Bild: MikeBloomberg (via Twitter)

I'm the cool candidate

Diese Woche begannen dann zwei Dutzend populäre Instagram-Accounts mehr oder weniger witzige Bloomberg-Memes zu droppen. Eine selbstironische Chat-Konversation zwischen Bloomberg und einem Influencer zum Beispiel. Oder irgendwas zu Bernie Sanders. Eine Sprecherin von Bloomberg meinte dazu: “Eine Meme-Strategie mag neu sein, aber wir sind uns sicher, dass wir damit die Leute dort erreichen, wo sie sind und dass wir es so mit der mächtigen Digital-Maschinerie von Präsident Trump aufnehmen können.“

Genau daran kann man aber Zweifel haben. Die Werbe-Memes wirken nicht besonders cool, eben weil sie Werbe-Memes sind. Sie fühlen sich an nach Knax-Comics von der Stadtsparkasse. Nach Telekom-Cup. Nach CDU-Wahlkampfsong von Leslie Mandoki. Nach Weather Girls auf dem CSU-Ball.

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Markus Söder 08.02.2020 | 22:08 Uhr It‘s raining men! Die Stargäste beim Ball der Union: The Weather Girls https://t.co/RMSxKl7UGf

It‘s raining men! Die Stargäste beim Ball der Union: The Weather Girls https://t.co/RMSxKl7UGf | Bild: Markus_Soeder (via Twitter)

Learning by doing

Das Echo auf „Meme 2020“ ist entsprechend verheerend. Trump weiß schon, warum er eher auf Wildwuchs setzt, statt auf bezahlte Memes vom Reißbrett. Denn kreativer Wildwuchs und eine hierarchisch geführte Wahlkampagne, das passt eben nicht so recht zusammen. Und so wird jetzt natürlich wieder in der Trump-Wunde herumgepult und gesagt, Linke und Liberale hätten das mit den Memes halt einfach nicht drauf. Und es stimmt ja: Insbesondere Foto-Memes komprimieren Information so sehr, dass es Populisten mit ihren simplen Quatschinhalten da einfacher haben. Doch andererseits: Der #Schulzzug mag entgleist sein, aber immerhin blitzten da kurz so etwas anti-populistische Meme-Skills auf. Vielleicht sollte man die meme-affinen Anti-Populisten also einfach mal machen lassen.


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