Bayern 2 - Zündfunk

Mein Ding mit 16 PeterLicht über die Angst vor der Atombombe

Der Musiker und Autor PeterLicht ist ein Kind der 80er Jahre - und damit Teil der Generation, für die die Angst vor der Atombombe ein ständiger Begleiter war. Er fühlt sich heute sehr in seine Jugend zurückversetzt, denn das Gefühl, dass die Welt jederzeit auseinander brechen kann, ist zurück.

Author: Oliver Buschek und Noe Noack

Published at: 7-12-2022

Zündfunk: Hallo PeterLicht, was war dein Ding mit 16?

PeterLicht: Mein Ding mit 16 Jahren, das waren die 80er Jahre. Und ehrlich gesagt, war eigentlich die Atombombe das Ding, was mich geprägt hat. Ich kann mich noch gut erinnern, wenn im Sommerhimmel ein Jet durch die Luft schoss, dass ich da als Kind oder Jugendlicher immer dachte: Ja, das könnte eine Bombe sein. Der Kalte Krieg war immer noch voll am Start: Angst und dieser ganze Zustand.

Also die ständige Angst, es könnte passieren.

Das war absolut real. Ich hatte wirklich letztens wieder dieses Gefühl gehabt, als ich in den Himmel guckte und da flog so ein Jet. Ich wohne ja hier in Köln und in der Eifel, da ist so ein Fliegerhorst. Dieses körperliche Gefühl, das könnte jetzt auch eine Bombe sein. Nur hatte man damals eine ganz andere Wertung: Die Friedensbewegung hat sich ja gegen Waffen gewendet. Und heute gibt es durch das, was geschieht, eine andere Interpretation: Dass man Waffen braucht. Und bei mir ist ein großes Erstaunen, wie auf einmal meine Kindheit wieder aufersteht mit dem ganzen Schrecken.

Wie bist du denn damals umgegangen mit dieser atomaren Angst? Hast Du Dich engagiert oder hast du eher versucht, das zu verdrängen?

Es gab sehr große Friedensdemos in Bonn, es gab viel Diskussion. Ich war in keiner Friedensgruppe, aber ich bin oft dagewesen und man war sehr unterwegs. Und dann kam ja 89, diese unglaubliche Wiedervereinigung und grandiose Erlösung von diesem Zustand. Das kommt mir heute wieder stark in den Kopf. Auch dieses Verhältnis zu Russland: Es gab in den 80ern dieses Lied „Der Mann aus Russland konnte lachen, fröhlich sein und Witze machen“ von Stephan Sulke. Das war so das Thema, das sind auch Menschen wie du und ich – lass uns doch das doch mal anders sehen. Das Lied wäre heute irgendwie nicht mehr möglich.

Würdest Du sagen, dass Dich diese Atomangst von damals so geprägt hat, dass sie sich in Deiner Kunst niedergeschlagen hat?

Ich glaube, dass die ganze Generation, die in den 80er Jahren groß geworden ist, dass sich da viele Künstler und Musiker damit beschäftigt haben. Das Lebensgefühl war davon geprägt. Und meine Kunst wahrscheinlich auch. Ein großes Thema von mir ist auch der der Kapitalismus und die Konsumgesellschaft. Die Demokratie hat gesiegt. Der Westen hat gesiegt. Wir sind im unendlichen Land des Konsums und der Betriebswirtschaft angelandet. Und das ist natürlich ein Kontrast zu dem, wie das zur Zeiten des Kalten Krieges war. Ich glaube, dass mich das schon geprägt hat, diese Erfahrung wie die Welt mal anders war.