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Meg Duffy von den Hand Habits Warum es für nicht-binäre Menschen so wichtig ist, nicht "sie" oder "er" genannt zu werden

Meg Duffy spielt Gitarre bei Kevin Morby oder den War On Drugs. Mit dem neuen Solo-Album als Hand Habits positioniert Meg sich als nicht-binärer Mensch. Hier erzählt Meg ausführlich, warum es so wichtig ist, richtig angesprochen zu werden.

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 22.05.2019

Cover Hand Habits "Placeholder" | Bild: Hand Habits

Hand Habits, das ist das Bandprojekt von Meg Duffy aus L.A. Meg hat die letzten Jahre Gitarre gespielt in der Band von Kevin Morby. Mittlerweile konzentriert sich Meg nur noch auf das eigene Bandprojekt. Im Frühjahr kam das neue Album "Placeholder" raus. Meg Duffy ist darauf viel selbstbewusster geworden, was die eigene Stimme angeht. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass Meg seit dem neuen Album auch offen damit umgeht, sich als nicht-binär zu bezeichnen. Also als weder weiblich, noch männlich. In diesem Text findet man darum auch kein "sie". In der deutschen Sprache gibt es leider kein geschlechtsneutrales Pronomen. Im Englischen ist man ein bisschen weiter, deshalb schreiben alle Musikblogs über Meg Duffy als “they” und “them”, was bei uns in etwa wie der Pluralis Majestatis wäre. Warum das für nicht-binäre Menschen so wichtig ist, das erzählt Meg hier ausführlich.

Nicht-binär zu sein, gibt mir die Freiheit mit meinem eigenen Geschlecht ein wenig mehr zu spielen und der männlichen Seite mehr Raum zu geben, ohne mich gleich als Trans-Mann zu outen, weil so weit möchte ich nicht gehen in meiner Identität. Im Moment fühle ich mich wohl in diesem Zwischenstatus. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das noch. Wahrscheinlich. Keine Ahnung.     

Aber allein, dass das Nicht-Binäre existiert, als Pronomen oder als Bezeichnung, gibt Menschen, die ihr Geschlecht hinterfragen, das Gefühl, dass das in Ordnung ist. Und dass sie sich auch in ihrer Unsicherheit über ihren Körper wohl fühlen können. Oder wenn sie sich nicht wohl fühlen, dass es okay ist, wenn sie das ändern wollen. Aber im eigenen Tempo - und ohne sofort eine Entscheidung treffen zu müssen.

Und wenn sich das Nicht-Binäre in der Sprache bemerkbar macht, hilft es auch, diese Zweiteilung zwischen Männern und Frauen und das Kräfteverhältnis zu durchbrechen.

"Ich fühle mich auch unwohl, wenn man aus mir eine “sie” macht!"

Als ich das erste Mal mit meinem Vater darüber gesprochen habe, dass ich mich als nicht-binär identifiziere, hat er das am Anfang nicht verstanden und dachte, das ist echt weird. Und dann hab ich es ihm erklärt: Wenn du über jemanden sprichst, und nicht weißt, welches Geschlecht oder Gender die Person hat, dann sagst ja auch nicht “es” statt "sie" oder "er". Du würdest sagen, diese Person oder du würdest den Namen sagen. Es gibt so viele Arten, die Geschlechtsbeschreibung zu umgehen - zumindest im Englischen.  

Klar, für die Familie ist es natürlich besonders schwer, das nachzuvollziehen. Sie haben seit 29 Jahren ihr eigenes Bild von mir.  Ich verstehe das. Aber als ich kürzlich zuhause war, hab ich gefragt, ob sie es nicht vielleicht einfach versuchen könnten, mit "they" oder "them" über mich zu sprechen. Natürlich ist es unangenehm für sie. Aber hey - ich fühle mich auch unwohl, wenn man aus mir eine “sie” macht! Das fühlt sich nicht richtig an. Ich meine, schau mich mal an: was an mir, an meinem Haarschnitt, an meiner Haltung und Kleidung, schreit gerade: “Ich bin eine Frau”. Nicht viel, glaube ich. Vielleicht meine Stimme.

"Nicht-Binäre Bezeichnungen haben einfach noch nicht den Weg in unsere Sprache gefunden"

Ich habe gestern erst mit Eric, unserem Drummer über dieses Thema gesprochen. Er meinte, nicht-binäre Bezeichnungen und Pronomen haben einfach noch nicht den Weg in viele europäischen Sprachen gefunden. Aber es passiert gerade! Im Französischen zum Beispiel. Und Eric meinte, das war wie damals als alle vom Klimaawandel gesprochen haben und meinten, was soll das denn sein?! Den gibt’s doch gar nicht! Und heute? Sprechen alle über den Klimawandel! Das ist mittlerweile Teil unserer Rhetorik. Und ich denke, nicht-binäre Sprache zu verwenden, ist eine neue Art und Weise, wie wir auch im Mainstream mehr über Gender und Gender-Politik sprechen.

Mir war es wichtig, das gleich in den ersten Pressemitteilungen zur neuen Platte anzusprechen, weil ich mich gerade mittendrin in dieser Identitätssuche befinde. Ich wache definitiv nicht morgens auf und fühle mich wie eine Frau. Und ich glaube, es ist hilfreich für Menschen das zu wissen und bei Seiten wie NPR oder Stereogum darüber zu lesen. Oder vielleicht Fans von Kevin Morby, die noch nie von nicht-binären Gender-Identitäten gehört haben. Seit ich das offen thematisiere, bekomme ich so viele Nachrichten von jungen Leuten, die sich bedanken, weil sie genau dasselbe durchmachen. Die sagen, ich bin 17, ich mache auch Musik und ich habe sonst überhaupt keine Vorbilder wie dich. Das ist echt Wahnsinn.

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Hand Habits - can't calm down | Bild: Saddle Creek (via YouTube)

Hand Habits - can't calm down


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