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Alternativer Streamingdienst Means TV will das Netflix für Linke sein

Naomi Burton und Nick Hayes haben das virale Kampagnenvideo für Alexandria Ocasio-Cortez gedreht und arbeiten für Bernie Sanders. Ihr neuestes Projekt: Means TV, die erste post-kapitalistische Streamingplattform. Denn, so die Macher, wir brauchen andere Geschichten.

Von: Maria Fedorova

Stand: 07.08.2019

Means TV - Spot (Screenshot) | Bild: Means TV

Eine Family-Show, die in einer anarchistischen Kommune spielt. Ein Stand-Up, der die US-Armee der Lächerlichkeit preisgibt. Ein Talk, der die Klassentheorie erklärt. Oder eine Variante der Comedyserie „The Office“ – bloß mit einem aktivistischen Twist. Hier gründen Mitarbeiterinnen einen Betriebsrat und fangen an zu streiken. Diese Geschichten haben Naomi Burton und Nick Hayes im Mainstream vermisst und gedacht: Wenn es keiner macht, dann müssen wir es eben selbst tun!

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How to Survive Climate Change | Stay Alive Hacks | Means TV | Bild: MEANS TV (via YouTube)

How to Survive Climate Change | Stay Alive Hacks | Means TV

Eine Streaming-Plattform, deren Programm nicht von Großkonzernen produziert und kontrolliert wird, sondern von denen, die es machen: Den Arbeiterinnen und Arbeitern aus der Unterhaltungsbranche. Also gründeten Nick Hayes und Naomi Burton „Means of Production“ – ein Medienunternehmen, das bereits Kampagnen für Alexandria Ocasio-Cortez gefilmt hat. Means TV ist die erste post-kapitalistische Streaming-Plattform. Oder, wie es Naomi treffender beschreibt, ein Netflix mit „politisch vertretbaren Background.“

Andere Geschichten erzählen

Dieser Background ist dezidiert sozialistisch: Means TV ist eine Genossenschaft, in der linke Künstlerinnen, Comedians und Regisseure aus der ganzen Welt gemeinsamen Content kreieren – ohne Werbung und Produktplatzierungen, ohne teure, befristete Lizenzen, nur durch Abos und Spenden finanziert. Den klassischen TV-Formaten will Nick Hayes dadurch eine kräftige Realismus-Spritze verpassen: „Auch wir haben Sitcoms im Programm, nur zeigen sie das echte Leben: Zum Beispiel einen Menschen, der alles Mögliche anstellt, damit er die nächste Miete zahlen kann. Damit kann sich das normale Publikum doch viel besser identifizieren. Hollywood zeigt uns seit Jahrzehnten eine Welt, die es gar nicht gibt. In den meisten Filmen wollen alle immer nur nach oben, der Kampf um Erfolg ist das immer wieder kehrende Motiv. Und das, was wir hier American Exceptionalism nennen: Der Glaube, dass die amerikanische Nation eine Sonderstellung hat. Viele amerikanische Filme von John Wayne bis zu der aktuellen Avengers-Serie pushen diesen Mythos.“

Netflix‘ größter Aktionär ist BlackRock

Der Appell von Means TV ist dabei klar und einfach: Eigentlich macht jeder Streamingdienst Politik. Nur sind sie die ersten, die das auch klar benennen. „Netflix oder Hulu haben auch eine durchdachte, sozial aufgeladene Agenda, nur behaupten sie was anderes. Du musst dir nur anschauen wem diese Firmen gehören, allein das ist schon politisch. Der größte Aktionär von Netflix ist der Hedgefonds BlackRock, die überall ihre Hände im Spiel haben – seien es Wall Street, Pipelines und auch in der Waffenproduktion“, so Nick Hayes.

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What is Capitalism? │ Means TV | Bild: MEANS TV (via YouTube)

What is Capitalism? │ Means TV

„Auf einmal ist es cool, sozialistisch zu sein“

Es ist nicht überraschend, dass Means TV genau jetzt mit aktivistischen Entertainment um die Ecke kommen. Im Skype-Interview spricht Naomi Burton über den Trump-Effekt, über die Sackgasse, in die die Wirtschaft der USA geraten ist. Eine politische Atmosphäre, in der die Idee eines post-kapitalistischen Streamingdienstes gar nicht so utopisch klingt: „Jetzt, zum ersten Mal in der Geschichte, kritisiert die Hälfte der Millennials den Kapitalismus. Bernie Sanders hat massiv dazu beigetragen. Auf einmal ist es cool, sozialistisch zu sein. Spannende Projekte, darunter auch Means TV, sind das Ergebnis von diesem politischen Aufbruch.“ Für viele ist es leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen, als das Ende des Kapitalismus. Vielleicht gilt dieser Satz bald nicht mehr, hofft Burton.


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