Bayern 2 - Zündfunk


17

Champagnergate im EU-Parlament Martin Sonneborn: "Marine Le Pen musste sich die Zusammenarbeit mit der FPÖ einfach schön trinken"

Gerne setzen sich die rechten Parteien für den kleinen Mann ein. Nun kam raus, dass FPÖ, Front National und PVV im Europaparlament 234 Flaschen Champagner getrunken haben - finanziert aus Steuergeldern. Wir haben den EU-Abgeordneten Martin Sonneborn (Die Partei) gefragt, was da los ist.

Von: Tobias Ruhland

Stand: 03.04.2018

Der Satiriker, Mitglied des Europäischen Parlamentes und Bundesvorsitzende der Partei «Die PARTEI», Martin Sonneborn | Bild: picture-alliance/dpa

Zündfunk: Herr Sonneborn, seit vier Jahren sind sie fraktionsloses Mitglied im Europaparlament. Seit dem Osterwochenende wissen wir: 234 Flaschen Champagner hat die europäische Rechte allein im Jahr 2016 aus EU-Geldern finanziert. Haben Sie denn auch etwas abbekommen?

Martin Sonneborn: Nein, das sind ja überwiegend suspekte Persönlichkeiten, die sich da bedient haben. Ich saß mal relativ nah an Marine Le Pen dran, aber wir haben uns nicht persönlich bekannt gemacht und ich habe auch keinen Champagner mit ihr getrunken.

Sie haben ja ihre ganz eigene Theorie, warum gerade die Rechte und gerade Marine Le Pen so viel Champagner trinkt.

Ich kenne Vilimski so ein bisschen, weil der anfangs auch bei den Fraktionslosen war. Diese österreichischen Rechtsradikalen sind natürlich unangenehme Gestalten. Ich vermute, dass sich Marine Le Pen das einfach schön getrunken hat. Nüchtern hätte ich mit diesen FPÖlern auch nicht zusammen arbeiten mögen. Das hat mein ganzes Verständnis.

Je tiefer ich eingestiegen bin in die Berichterstattung über Champagnergate – wie es auch schon genannt wird – umso mehr beschleicht mich das Gefühl, dass ich mich in so einer fiktiven Titanic-Titelstory verheddert habe: FPÖ-Politiker, die das Champagner-Schlamassel den Franzosen in die Schuhe schieben, man trinke lieber Bier. Das ist alles absurd, aber hat das Ihrer Meinung nach auch Folgen?

Also, es hat bestimmt Folgen für die europäische Politik. Ich habe schon von Ukip-Leuten, also den Brexit-Engländern, gehört, dass die an der Abgeordnetenbar Whiskey aus Wassergläsern getrunken haben und dann zum Abstimmen gegangen sind. Belgien hat eh eine gute Tradition: Im belgischen Parlament gab es zum Beispiel umsonst Alkohol. Das flog erst auf, als sich zwei Parteifreunde beschimpft haben und der eine sich dann damit entschuldigt hat, dass er betrunken war.

Bringen uns solche „Skandale“ weiter, soll man also drauf rumreiten oder soll man sowas lieber den Satirikern überlassen und sich aufs tägliche Politgeschäft konzentrieren?

Sie haben Recht, man sollte den Champagner den Satirikern überlassen, die können damit mehr anfangen.


17