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Coming Out in der Politik Das ist die erste Transperson im Bayerischen Landtag

Ein Treffen mit dem Grünenpolitiker Markus Ganserer. Der hat sich im Bayerischen Landtag als erste Transperson überhaupt geoutet. Jetzt lebt er sowohl als Mann und auch als Frau.

Von: Sammy Khamis

Stand: 14.11.2018

Grünenpolitiker Markus Ganserer als Mann | Bild: picture-alliance/dpa

Der Grünenpolitiker Markus Ganserer sitzt seit 2008 im Landtag. Sein Name war kaum in der Öffentlichkeit bekannt. Seine parlamentarische Arbeit ist eher leise: Beispielsweise Anträge zum Umbau von S-Bahnhöfen. Dann am Wochenende sein Coming Out – als Transperson. Aber warum genau jetzt?

"Ich habe ein Jahr lang abgewogen, wann und wie ich es in der Öffentlichkeit sage. Nach meiner Wiederwahl war mir aber klar, dass es raus muss. Damit ich eben so leben kann, wie ich bin. Als gewählter Abgeordneter habe ich natürlich die doppelte Verantwortung diese Debatte anzustoßen. Ich will für mehr Akzeptanz und Toleranz werben. Auch will ich mich für die politischen Rechte der Betroffenen einsetzen.", so Markus Ganserer.

"Die Angst erkannt zu werden, war unterträglich"

Ganserer lebt jetzt als Mann und Frau. Er hat seine Geschlechterdiversität jahrelang verheimlicht. Erst vor gut einem Jahr hat er sich getraut in Frauenkleidern durch seine Heimatstadt Nürnberg zu laufen. Der Grünenpolitiker sagt, er hat das Bedürfnis diesen Teil seiner Identität zu leben und als Frau einzukaufen oder mit Freunden etwas trinken zu gehen.

Grünenpolitiker Markus Ganserer als Frau | Bild: Grünenpolitiker Markus Ganserer als Frau

Markus Ganserer als Frau

Anfang diesen Jahres erzählte er es zuerst seiner Familie, als Mann und Frau leben zu wollen. Ganserer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Frau unterstütze ihn, sagt er, bei den Wählern war er sich da nicht so sicher: "Es war schwer als die Wahlplakate draußen hingen. Die Angst irgendwo von Passanten erkannt zu werden. Das war unerträglich und deswegen war für mich klar, dass ich eben ein öffentliches Coming-Out machen muss", aber Ganserer wurde nie erkannt, er wurde wiedergewählt: "Wenn ich aus dem Landtag rausgeflogen wäre, hätte sich kein Mensch mehr für meine Geschlechtsidentität interessiert und ein Leben führen können ohne öffentlich dazu stehen zu müssen."

"Ich habe ein breites Kreuz und weiß mich zu wehren"

Der Grünenpolitiker plädiert für mehr Akzeptanz von der bayerischen Staatsregierung um das Coming Out für Betroffene leichter zu machen. Der bayerische Landtag hat keinen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie. Auch unter dem Stichwort: "Anpassung der Lebensverhältnisse" taucht sexuelle Vielfalt nicht im Koalitionsvertrag auf. Auf die Frage ob Herr oder Frau Ganserer die korrekte Ansprache ist: "Ich möchte jeweils in der entsprechenden Erscheinungsform angesprochen werden, wenn ich als Frau auftrete, dann wünsche ich eben auch als Frau angesprochen zu werden."

Und er sagt: Auf Gegenwind von der AfD wird er sich einstellen müssen. Ganserer geht davon aus, dass da was kommen wird: "Das dringende Bedürfnis so leben zu können, wie man leben will, ist wesentlich größer, als die Angst vor blöden Kommentaren. Als Politiker habe ich ein breites Kreuz und dementsprechend auch Haaren auf den Zähnen. Ich weiß mich auch gegen Angriffe zu wehren."

Im Landtag steht Markus Ganserer nicht im Mittelpunkt und nicht erklären, dass er keine Geschlechtsumwandlung möchte, keine Hormone und keine Operation. Ganser will, so sagt er, einfach eine männliche und eine weibliche Seite leben. Die Männliche, das ist der Politiker, die weibliche, die lebt er im Privaten. Noch hält er es sich offen, ob er als Frau auch in den Landtag kommt. Ganserer ist froh, dass es raus ist: "Das äußerliche Erscheinungsbild hat sich nicht geändert, aber meine innere Gefühlslage ist eine andere. Ich bin entspannter und gehe jetzt mit einer positiveren Einstellung durchs Leben.


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