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Zeitlos gut und immer nötig Wie Mark Zuckerberg seit 15 Jahren seine Entschuldigungen wiederholt

Diese Woche könnte für Facebook eine der wichtigsten in der Geschichte des Konzerns sein. Denn Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt vor dem US-Kongress über den Cambridge Analytica-Skandal aus. Er gelobt Besserung. Wiedermal.

Von: Gregor Schmalzried

Stand: 09.04.2018

Mark Zuckerberg | Bild: pa / dpa

Die ganze Welt hat Beef mit Facebook. Der Aktienkurs ist eingebrochen. Medien und Gesetzgeber sind auf Konfrontationskurs: Facebook ist zu mächtig. Zu unvorsichtig. Zu schädlich für die Demokratie. Das Unternehmen – längst mehr als nur ein soziales Netzwerk – braucht einen Neustart. Und es gibt nur einen Mann, der dafür die Verantwortung übernehmen kann: Gründer Mark Zuckerberg. Der schreibt in einem Statement:

"Dafür, dass mein Werk benutzt wurde, um Menschen auseinanderzutreiben anstatt sie zusammenzubringen, bitte ich um Verzeihung und ich werde daran arbeiten, es besser zu machen."
(Mark Zuckerberg)

Aber es tut Mark Zuckerberg doch leid!

Ach, Moment, da ist was durcheinandergekommen. Dieses Statement ist gar nicht aus den letzten Tagen. Zuckerberg schrieb es schon im September 2017 – und da ging es noch gar nicht konkret um Cambridge Analytica, sondern ganz klassisch um Fake News und was Russland damit alles anstellt. Aber irgendwo findet sich doch bestimmt die richtigen Worte zum aktuellen Skandal:

"Wir haben unser Ziel verfehlt. Und wir haben die Rückmeldung gehört. Es braucht einen einfacheren Weg zur Kontrolle von Informationen. In den nächsten Wochen werden wir Privatsphäre-Einstellungen einführen, die deutlich einfacher zu benutzen sind."  
(Mark Zuckerberg)

Ja, es tut ihm wirklich leid!

Danke! Mehr Kontrolle über die eigenen Daten und eine bessere Usability. Nur ein Problem wäre da. Auch dieser Text ist nicht neu - er stammt aus dem Mai 2010. Damals ging es um die Sorge von Usern, dass ihre Daten dazu verwendet werden, Werbung passgenauer zu machen - natürlich ohne ihre Einwilligung. Etwas, das Facebook sicher bald unter Kontrolle haben wird. Sobald die einfachen und übersichtlichen Privatsphäre-Einstellungen kommen eben. In ein paar Wochen, wie Zuckerberg versprochen hatte. Bald könnte es soweit sein. Jeden Moment eigentlich.

"Es fehlen Optionen zur Kontrolle der Privatsphäre. Das war unser großer Fehler, und es tut mir leid. Aber eine Entschuldigung ist nicht genug. Ich will sicherstellen, dass wir handeln, und zwar schnell."
(Mark Zuckerberg)

War damals schon so!

Das hat Zuckerberg gut erkannt und zwar - Überraschung - schon im September 2006. Facebook war gerade zwei Jahre alt und Myspace das größte soziale Netzwerk, das iPhone nur ein Gerücht. Und trotzdem war Mark Zuckerberg schon dabei, sich zu entschuldigen, weil er die Privatsphäre der Facebook-Nutzer nicht ernstnahm. Je weiter man sich durch die Geschichte der Seite gräbt, desto mehr wird klar: Zuckerberg ist gar nicht der verzweifelte Papa, dessen Kind immer wieder Mist baut. Er hat die Fingerfarbe ganz alleine an die Wände geschmiert. 

Vorbei ist unsere Zeitreise noch nicht ganz. Versteckt zwischen all den Datenskandalen haben sich auch unzählige kleinere versteckt. Einer davon geht zurück auf das Gründungsjahr von Facebook, 2004. Es geht um beunruhigende Chatverläufe von Mark Zuckerberg – und als er einige Jahre später darauf angesprochen wurde, hatte er Folgendes zu sagen:

Man könnte sogar sagen: Es tat ihm von Anfang an leid!

"Ich bereue das sehr… Ich glaube, ich bin seitdem gewachsen und habe viel gelernt."
(Mark Zuckerberg)

Ja, ist ja gut. Aber worum ging es eigentlich in dem Chat zwischen Zuckerberg und einem Freund?

"Falls du je Infos über einen Harvard-Studenten willst. Frag einfach. Ich hab über 4.000 Emails, Bilder, Adressen." (Mark Zuckerberg)
"Die Leute haben es einfach eingereicht. Keine Ahnung warum. Sie vertrauen mir. Blöde Penner." (Mark Zuckerberg)

Zugegeben, Zuckerberg war erst 19. Er hatte seitdem vierzehn Jahre Zeit - zu wachsen, sich weiterzuentwickeln. Im April 2018 wird Mark Zuckerberg vor dem Kongress aussagen. Zwei Wochen vorher gab er eines seiner seltenen Interviews, in dem er zeigen konnte, wie viel sich in all den Jahren wirklich bei Facebook getan hat.

"Dies war ein enormer Vertrauensbruch, und ich entschuldige mich dafür dass das passiert ist. Wir sind für den Datenschutz der Leute verantwortlich und wenn wir den nicht leisten können, verdienen wir es nicht, ihnen einen Dienst anzubieten."
(Mark Zuckerberg im Interview mit CNN)

Achso. Na dann.

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Im Übrigen hat Satiriker Schlecky Silberstein die Angelegenheit gleich selbst in die Hand genommen und die Entschuldigung, die er sich von Mark Zuckerberg gewünscht hätte, einfach selbst geschrieben, sogar in Version 1 und Version 2.

Um Entschuldigungen von Mark Zuckerberg geht es auch bei der Wired.


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