Bayern 2 - Zündfunk

Marco Pogo im Interview Dieser Punksänger und Bierparteiobmann will österreichischer Bundespräsident werden

Mit Politik „so volksnah wie ein Sechsertragerl“ wirbt die Bierpartei um Marco Pogo. Der Sänger der Band Turbobier kandidiert für den Bundespräsidenten Österreichs. Im Interview verrät der Arzt, was er politisch verändern würde.

Author: Ferdinand Meyen

Published at: 22-8-2022

Dominik Wlazny, besser bekannt als Marco Pogo | Bild: picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com | Karl Schöndorfer

Als „Österreichs führender Demokratiegefährder“ bezeichnet sich Punksänger Marco Pogo auf Twitter, Die Zeit fragt: „Ist das sein Ernst?“ Denn der Gründer der Bierpartei und Sänger der Band Turbobier, der mit bürgerlichem Namen Dominik Wlazny heißt, kandidiert für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten. Die nötigen 6.000 Unterschriften dafür hat er jetzt zusammen. Ein Gespräch mit Marco Pogo über Punk und Politik, Krise und Humor, den Zustand Österreichs sowie darüber, was Politikerinnen und Politiker eigentlich leisten sollten.

Zündfunk: Der jetzige österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen sagte über Sie: „Ich schätze ihn als Musiker, er hat Ideen und ist witzig. Ich habe nur nicht verstanden, warum er Bundespräsident werden will.“ Können Sie es ihm und uns erklären?

Marco Pogo: Das ist relativ leicht erklärt. Ich bin der Meinung, das Leben ist ständige Veränderung, und ich lebe ständige Veränderung auch für mich selbst. Das Thema interessiert mich sehr und es wäre für das Land gut, wenn auch hier eine Veränderung eintreten würde.

Sie haben alle 6.000 Unterschriften gesammelt, die sie für die Bundespräsidentenkandidatur benötigen. Wenn Sie Bundespräsident werden würden, was wäre das erste, was Sie verändern würden?

Ich würde zuerst einmal ein Festl schmeißen. Es wäre ja total unehrlich, zu sagen, dass man nicht feiern würde. Und ich glaube jeder Kandidat oder jede Kandidatin, die so etwas gewinnt, würde erst einmal feiern. Ich würde mich dann in der Folge bei allen wichtigen Entscheidungsträgern in diesem Land vorstellen. Ich bin ja ein politischer Newcomer und kein Berufspolitiker. Ich kenne viele persönlich gar nicht und ich denke, das ist für eine gute Zusammenarbeit – und darum geht es ja auch – notwendig, dass man sich vorstellt. Dann würde ich hingehen und sagen: „Hey, hier bin ich, jetzt bin ich da und jetzt können wir uns anschauen, was wir gemeinsam Gutes machen können.“

"Gemeinsam hat man einen größeren Hebel, und das ist auch etwas, das ich im Moment schade finde, dass bei so großen Krisen dieser nationale Gedanke immer stärker wird."

Marco Pogo, Bierpartei

Danach würde ich, nachdem ich das mein ganzes Leben schon als Musiker gemacht habe, durch verschiedene Länder zu fahren und Leuten meine Musik vorzustellen, zuerst einmal die österreichischen Nachbarländer besuchen. Österreich ist ein sehr kleines Land und es kann in Zukunft nur funktionieren, wenn man gemeinsam was tut. Gemeinsam hat man einen größeren Hebel und das ist auch etwas, das ich im Moment schade finde, dass bei so großen Krisen, denen wir gerade gegenüberstehen, dieser nationale Gedanke immer stärker wird, vor allem in der Europäischen Union. Da braucht es eigentlich viel mehr Einigung, um wirklich vernünftige Ergebnisse erzielen zu können.

Was ist die Grundidee hinter der Bierpartei – warum haben Sie eine Partei gegründet, die sich fast monothematisch mit Fragen rund um das Bier beschäftigt?

Dominik Wlazny (Marco Pogo) am Dienstag, 09. August 2022, beim Medientermin "Die Hofburg ruft!"

Prinzipiell muss ich sagen: „Ich liebe Bier.“ Bier ist eine ganz, ganz tolle Sache. Sie in Bayern werden das ja auch sicher so nachvollziehen können. Nein, Spaß beiseite. Die Bierpartei ist eine neue, politische Partei in Österreich. Wir haben inzwischen elf Bezirksräte in Wien. Dabei haben wir eigentlich als rein satirisches Projekt begonnen, so richtig im Jahr 2019, als die Ibiza-Affäre in Österreich von Statten ging. Es gab da schon viele Vorlagen zur satirischen Verarbeitung und ich brauche das auch, um selbst gewisse Dinge verarbeiten zu können.

Wir haben in Österreich ja auch wirklich viel durchgemacht politisch. Und dann kam 2020 die Wien-Wahl. Da war mein Ansinnen: Ja okay, da tritt man jetzt einmal an und schaut, wohin die Reise geht. Und es waren dann am Ende tatsächlich elf Bezirksrätinnen und Räte, die wir gewonnen haben. Und dann habe ich gedacht: Jetzt haben wir das und jetzt können wir auch etwas Vernünftiges daraus machen. Natürlich gibt es Themen bei uns, die weiterhin um das Bier kreisen, die sind aber hintenangestellt. Insgesamt versuchen wir einfach, uns mit guten Ideen einzubringen und das funktioniert bis jetzt sehr gut.

Die Bierpartei wirbt ja mit Politik Zitat „so volksnah wie ein Sechsertragerl“ und fordert beispielsweise öffentliche Bierbrunnen für alle. Wie passt das in eine Zeit, in der Politik von großen Krisen wie dem Ukraine-Krieg der Corona-Pandemie oder dem Klimawandel bestimmt wird?

Ich finde, das passt sehr gut zusammen. Dieses ausgewogene Balancieren zwischen Humor und Ernst, das ist einfach mein Charakter. Ich glaube, wer den Spaß nicht versteht, versteht auch den Ernst nicht. Natürlich sind bei uns Forderungen dabei wie der Bierbrunnen, den ich tatsächlich gebaut habe, der auch schon in Wien stand und sich größter Beliebtheit erfreut hat. Daneben stehen in unserem Programm aber auch Dinge wie: „Hopfen und Malz, Klima erhalt’s!“ Wenn wir über Krisen reden: Eine der ganz, ganz großen Krisen ist die Klimakrise und auch da positioniert sich die Bierpartei. Ich bin aber auch der Meinung, es muss nicht immer alles so extrem ernst kommuniziert werden. Weil man die Leute mit gewissen humoristischen Ansätzen vielleicht ein bisschen besser erreichen kann und sie dann vielleicht für die eigentliche Botschaft ein bisschen aufnahmebereiter sind.

"Die Leute sind eigentlich extrem politikverdrossen. Wobei. Sie sind Politiker-verdrossen, nicht politikverdrossen. Sie interessieren sich nach wie vor für Politik und ich glaube, dass man das ganze Spiel neu denken kann."

Marco Pogo, Bierpartei

Und wenn man sich jetzt die österreichische Innenpolitik anschaut: Wir haben so ziemlich alles durchgespielt, was es gab. Hausdurchsuchung im Bundeskanzleramt, Hausdurchsuchung beim Finanzminister, die Frau des ehemaligen Finanzministers ist während einer Hausdurchsuchung mit seinem Laptop spazieren gegangen. Die Leute sind eigentlich extrem politikverdrossen. Wobei. Sie sind Politiker-verdrossen, nicht politikverdrossen. Sie interessieren sich nach wie vor für Politik und ich glaube, dass man das ganze Spiel neu denken kann. Das ist mein Ansinnen.

Es gibt diesbezüglich eine Forderung auf der Webseite der Bierpartei, da geht es um einen Eignungstest für Politikerinnen und Politiker. Wie würde der genau aussehen?

Wenn er gerade nicht als Bundespräsident kandidiert, singt Marco Pogo bei der Punkband Turbobier.

Jetzt kommen wir wieder zum Bundespräsidenten zurück, der in Österreich die Ministerinnen und Minister angelobt. Ich hatte in den letzten Jahren das Gefühl, dass nicht unbedingt die qualitative Eignung der Leute im Vordergrund stand, sondern parteipolitische Taktik, zum Beispiel die Herkunft aus Österreich oder Länderverteilung. Und eigentlich ging es gar nicht darum, was die Leute können. Ich denke aber, diese Ämter sind extrem wichtige Ressorts. Es geht um ganz viel Geld, es geht um die Zukunft Österreichs und oftmals reicht eine Mitgliedschaft im Bauernbund plus Herkunftsland Tirol oder Niederösterreich. Das sollte man sich für solche hohen Ämter aber doch anschauen: Wen entsenden die Parteien? Es geht nicht darum, Wahlergebnisse umzudrehen, sondern zu schauen: Wer kommt da jetzt und können die das überhaupt? Ich glaube, in den letzten Jahren haben die das schleifen lassen und auch deswegen gab es so viele Ministerwechsel in Österreich. Weil wir irgendwann mal draufgekommen sind: Hey, die sind ziemlich unfähig.

Mit ihrer Punkband „Turbobier“ haben Sie gesungen „Hakeln is wos I net mag“ Auf Deutsch heißt das übersetzt: „Ich gehe nicht gern arbeiten.“ Das ist eine Textzeile aus dem Helene Fischer Atemlos-Cover von Turbobier: „Arbeitslos“. Ist das denn so überhaupt möglich, wenn Sie Bundespräsident werden? Das wird ja dann ziemlich stressig. 

Ja, das, was ich als Kunstfigur auf einer Bühne singe, spiegelt tatsächlich oft nicht meinen Alltag wieder. Im Moment habe ich relativ viel Arbeit und Aufwand, ich mache es aber gern. Ich glaube aber, weil Sie das jetzt ansprechen hinsichtlich des Bundespräsidenten, das Amtsverständnis in Österreich ist: Repräsentieren, Angeloben und hier und da vielleicht einen Parkplatz eröffnen. Generell in der österreichischen Wahrnehmung ist das ein bissl ein langweiliges Amt. Ich glaube aber, dass man das auch anders gestalten kann.

"Der Song 'Arbeitslos' spiegelt bis dato das Amt des Bundespräsidenten sehr gut wieder. Das heißt aber nicht, dass sich das nicht ändern kann."

Marco Pogo, Bierpartei

Ich glaube, dass das Amt sehr viel hergibt, dass man sich da wirklich zum positiven einbringen kann. Die Position des Bundespräsidenten ist ja in Österreich eine deutlich mächtigere als in Deutschland. Ich glaube also, dass man da viele Dinge zum Positiven verändern kann, sich auch aktiver einbringen kann und offener und direkter kommunizieren. Deswegen glaube ich: Ja, der Song „Arbeitslos“ spiegelt bis dato das Amt des Bundespräsidenten sehr gut wieder. Das heißt aber nicht, dass sich das nicht ändern kann.

Können Menschen, die lieber Wein oder gar keinen Alkohol trinken, überhaupt die Bierpartei wählen?

Ja, das geht, das ist tatsächlich möglich. Aus strategischen Gründen wäre es vielleicht sogar schlauer gewesen, in einem Weinland wie Österreich eine Weinpartei zu gründen. Ich habe mich dann doch für das Bier entschieden, aber ja, man kann trinken was man will. Solang es kein Radler ist.