Bayern 2 - Zündfunk


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Dunkle Machenschaften im Allgäu Mafia, Dschihad, Neonazis - das Allgäu neu entdeckt

Das Allgäu hat den Ruf eines unschuldigen Bilderbuch-Idylls. Soweit so bekannt. Doch in den letzten Jahren hat sich hier auch das organisierte Verbrechen breitgemacht, treiben Schmuggler, Drogendealer und Islamisten ihr Unwesen. Wie geht das zusammen?

Von: Maria Stöhr, Bene Mahler

Stand: 14.06.2019

Das Allgäu ist dieses beschauliche Fleckchen Erde im Südwesten Bayerns. Die Menschen, die hier geboren sind, kennen den Spruch: „Leben, wo andere Urlaub machen.“ Und die Allgäuer, sie leben oft gut. Die Region hat beinah Vollbeschäftigung, es gibt mittelständische Betriebe, ein paar größere Städte und sogar eine Uni.

Soweit die eine Seite des Allgäus. Doch wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen, ist längst das Zwielichtige erwacht. Das Allgäu hat in den vergangen Jahren Schlagzeilen gemacht, die so gar nicht zusammengehen mit dem unschuldigen Bilderbuch-Idyll. Das organisierte Verbrechen hat hier seit vielen Jahrzehnten eine Heimat gefunden, der Weg über die Alpen ist einer der wichtigsten Schmugglerpfade für Drogen. Das bringt schon mal korrupte Drogenfahnder hervor, die mehrere Kilogramm Koks in ihrem Spind aufbewahren. Die Mafia treibt im Voralpenland ihr Unwesen, genauso wie Neo-Nazis und Rechtsrockbands, die hier überdurchschnittlich oft vorkommen. Daneben koexistierte bis vor Kurzem eine kleine Terrorzelle des Islamischen Staats.

Warum gerade hier?

Für den Zündfunk Generator sind wir losgezogen, um dies zu beantworten.  Wir, das sind Maria Stöhr und Bene Mahler. Das Allgäu ist unsere Heimat und wir sind dorthin zurückgekehrt, um ein Allgäu zu finden, das wir noch nicht kannten. Das von Dschihadisten, der Mafia, und Neonazis.

Rückblick: 1998 nimmt die Polizei am Kemptener Bahnhof einen Mann fest mit dem Namen Giorgio Basile. Ein Mann Ende 30 damals, er lebt in Deutschland, hat seine Wurzeln in Italien. Und er ist Auftragskiller der ´Ndrangheta, er hat unter anderem seinen eigenen Stiefvater umgebracht. Basile ist der erste Mafioso, der in Deutschland gefasst wurde, ausgerechnet im Allgäu. Ein Kriminalkommissar schafft es, ihn zur Aussage zu bewegen. Basile wird so vom Killer zum Kronzeugen.

Und heute? Die Mafia soll im Allgäu vor allem mit Kokain und Heroin ihr Geld verdienen. Für den ZÜNDFUNK besuchen wir ein Restaurant, in dem einer der einflussreichen Mafiosi im Allgäu leben soll.

Die Autoren

Kempten, Oberallgäu. Kommissar Robert Graf erinnert sich noch gut an den „Hype“, wie er sagt, den es 2014 gab um die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Und an die Gruppe junger Menschen, die sich in Kempten radikalisierte. Mit dem Plan, nach Syrien auszureisen und zu töten. Man weiß das so genau, weil die Männer offen darüber sprachen, in einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung und der ARD zum Beispiel. David G. und Erhan A radikalisierten sich in der Allgäuer Salafistenszene und schafften es schließlich, über die Türkei nach Syrien zu gelangen.  Beide ließen dort ihr leben.

Und dann wäre da noch die Neonazi-Kameradschaft Voice of Anger, die im Allgäu ansässig ist. Die Szene vertreibt über das Label Oldschool-Records Rechtsrock und veranstaltet in der Region Konzerte. Obwohl Mitglieder der Szene in den vergangenen Jahren immer wieder durch brutale Gewalttaten in Erscheinung traten, werden sie von der Allgäuer Bevölkerung kaum als Problem wahrgenommen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Akteure bestens in die Gesellschaft integriert sind.

Ist das eigenwillige Allgäu ein Energiepunkt für dunkle Machenschaften?

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