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Madonnas neues Album Gun Control, brasilianische Rhythmen und ein wenig Sex: Madonnas neues Album tut fast gar nicht weh

Auf Madonnas neuem Album „Madame X“ gibt es kapverdische Trommler, portugiesische Gäste und das Cover eines brasilianischen Hits. Alles wird betont und gewohnt eingängig im Pop-Format vorgetragen. Aua macht es eigentlich nur, wenn Madonna wie Ariana Grande sein will, aber das passiert hier gottlob nicht sehr oft.

Von: Roderich Fabian

Stand: 14.06.2019

Madonnas neues Album | Bild: picture-alliance/dpa

Madonna hat immer darauf bestanden, Pop zu machen und nichts anderes. Auch wenn sie schon immer diverse Stil-Elemente in ihre Musik hat einfließen lassen, ist sie nie in ein anderes Genre abgewandert, hat nie HipHop gemacht oder puren Elektro. Wichtig war immer der drei- bis vier-Minuten-Song mit möglichst griffiger Hookline und irgendeiner eindeutigen Botschaft, die der Song transportiert. Daran hat sich auch auf „Madame X“ nicht geändert.

Auf “Killers Who Are Partying” stellt sie sich auf die Seite der Unterdrückten und Ausgegrenzten, egal ob es nun der Islam oder der Staat Israel ist – eines der seltenen, explizit politischen Statements auf dem neuen Madonna-Album. Auf „God Control“ geht’s dann gegen die fehlende „Gun Control“ in Amerika und in „Batuka“ wird dann gegen den „bösen alten Mann“ gewettert, den man in den Knast stecken sollte, ohne direkt den Namen Donald Trump zu nennen.

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Madonna, Maluma - Medellín (Official Music Video) | Bild: MADONNAVEVO (via YouTube)

Madonna, Maluma - Medellín (Official Music Video)

Ja, Madonna weiß genau, wie sie sich positionieren muss, und ihre wohlmeinenden, völkerverbindenden Statements auf “Madame X” sind durchaus glaubwürdig, wenn auch nicht besonders originell. Das gilt auch für die Musik hier. Aber deutlich merkt man dem Album an, dass sie in den letzten Jahren viel in Lissabon gelebt hat. Es gibt kapverdische Trommler und Chöre zu hören, portugiesische Gastsänger und sogar eine Coverversion des brasilianischen Hits „Faz Gostoso“, auf dem Madonna portugiesisch singt.

Ja, und dass das kitschige „Despacito“ von Luis Fonsi der größte Hit der letzten Jahre gewesen ist, ist auch Madonna nicht entgangen. Der Hang zu südlichen Rhythmen durchzieht das Album, für das - größtenteils jedenfalls - wieder ihr Hausproduzent, der Franzose Mirwais verantwortlich war. Davor war er schon dreimal für Madonna-Alben zuständig. Das ist alles sehr okay gemacht und bleibt aber - wie gesagt - immer streng im Pop-Format, überfordert also niemanden, weder musikalisch noch intellektuell oder ästhetisch. Denn auch die Leute aus den 80ern sollten sich ja inzwischen in Weltoffenheit weitergebildet haben. So richtig übel wird es eigentlich nur, wenn Madonna sich an den Ariana-Grande-R&B-Sound der Gegenwart anbiedert.

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Madonna, Swae Lee - Crave (Official Music Video) | Bild: MADONNAVEVO (via YouTube)

Madonna, Swae Lee - Crave (Official Music Video)

Bei vereinzelten Songs wie „Crave“ spielt Madonna dann wieder die verliebte 20-jährige, die sich nach irgendeinem heißen Typen verzehrt – man kann ja nochmal in diese Rolle schlüpfen, mag sich die 60-jährige gedacht haben, wohl eher zum Scherz. Aber „Madame X“ wirkt eigentlich nicht berechnend. Madonna hat fast alle Texte selbst geschrieben und ist sich wohl im Klaren darüber, dass sie im Hipness-Wettbewerb der Gegenwart nicht mehr mithalten kann. Also versorgt sie hier vor allem ihre alten Fans mit einer rhythmisch-runderneuerten Version ihrer selbst.

„Madame X“ ist Madonnas vierzehntes Album. Es wird keine neuen Anhänger mehr generieren, aber auch niemanden vergraulen. Immerhin hat sie einen Weg gefunden, es sich in ihrer ganz persönlichen Nische gemütlich zu machen. Von dort aus kann sie weitermachen, bis sie (mindestens) 70 ist.


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