Bayern 2 - Zündfunk


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Im Interview Der Machiavelli-Podcast beweist, dass Rap & Politik mehr gemeinsam haben, als man denkt

In ihrem Podcast "Machiavelli", der regelmäßig auf WDR Cosmo erscheint beweisen die Journalisten Jan Kawelke und Vassili Golod, dass es definitiv mehr Schnittpunkte zwischen Rap & Politik gibt, als man vorerst erwartet.

Von: Noe Noack & Oliver Buschek

Stand: 06.02.2020

Jan Kawelke und Vassili Golod sitzen vor einer Gründn Wand | Bild: Nils vom Lande

Zündfunk: Jan, du hast dich schon immer viel mit dem Schreiben beschäftigt und darüber auch die Liebe zum Hip-Hop und zu dieser Musik gefunden. Vasilli, du hast Politik studiert und als Kind viel Phoenix und Euronews geguckt. Deine Eltern waren auch sehr politisch und du sagst von dir selbst, du kannst eigentlich nicht unpolitisch sein, weil Politik unser gesamtes Leben bestimmt und ordnet. Zusammen habt ihr den Machiavelli-Podcast. Wie kam es zu dem Namen Machiavelli? Die Nähe zu Gangsta-Rap, den Mächtigen mit schwarzen Geldern? Oder wer hatte die Idee?

Jan: Wir haben sehr lange uns die Köpfe zerbrochen und überlegt. Welcher Name würde diese beiden Welten gut beschreiben? Und dann hatte ich die Idee und bin in einer Verzweiflungstat nochmal auf Wikipedia gegangen und hab ganz stumpf Politiker-Zitate durchgelesen. Ich dachte, irgendwo muss da die Inspiration stecken, und da bin ich über ein Zitat von Machiavelli gestolpert und hab es direkt durch den Telefonhörer gebrüllt. Hab zu Vasilli gesagt: Das ist es. Und er fand Machiavelli natürlich super, weil wichtigster italienischer Philosoph oder einer der wichtigsten.

Vassilli: Aber ich habe mich gefragt, was hat das denn mit Rap zu tun.

Das Zitat würde mich nochmal interessieren, auf das du gestoßen bist.

Jan: Das weiß ich gar nicht.

Vassili: Bestimmt „Der Zweck heiligt die Mittel“.

Jan: Das kann es gewesen sein. Ich hatte aber direkt den Bezug zu Rap, weil ganz viele Rapper sich auf Machiavelli beziehen, auch einer der wichtigsten Rapper, der ihn auch gelesen hat und sich in Anlehnung an ihn sogar „Makaveli“ für ein Album genannt hat, und zwar Tupac Shakur. Und dann war für uns klar: Okay, das ist so eine starke Verbindung in diesem Namen.

Dass ihr zwei aus unterschiedlichen Richtungen kommt, das kann man regelmäßig hören. Zum Beispiel auch auf der Live-Tour, die ihr gerade mit eurem Podcast durchzieht. Die letzte Folge ist live in Köln aufgenommen worden und da gab es zum Beispiel auch ein Quiz, in dem ihr jeweils den anderen über euer Spezial-Gebiet befragt. Wir würden es jetzt positiv drehen und sagen: Ihr ergänzt euch eigentlich ziemlich toll, oder?

Jan: Absolut ja. Daraus ist ja die Idee von Machiavelli entstanden, dass man Fragen einfach stellen konnte und die aufrichtig beantwortet bekommen hat. Das macht natürlich Spaß. Und zu diesem Quiz: Wir entwickeln jetzt auf der Tour enormen Ehrgeiz.

Vassili: Ja. Ich gehe jeden Abend nach der Show noch einmal alles durch. Zum Glück wart ihr nicht in Berlin dabei. Da habe ich massiv verloren. Das war ganz schlecht. Aber jetzt habe ich gewonnen. Und im Moment steht es zwei zu eins für mich.

Jan: Genau, aber heute in München hole ich den Ausgleich.  

Die Frage ist ja so ein Podcast, wo ihr euch sehr angeregt und anregend unterhaltet, mit zum Teil auch namhaften Rappern über Themen wie Geschlechterklischees im Hip-Hop/Rap, Mauerfall oder „Streiten“ bzw. „Batteln“. Wie bringt man sowas auf die Bühne?

Jan: Wir haben uns überlegt, dass wir nicht einfach nur den Podcast auf der Bühne machen wollen, sondern dieses Konzept „Machiavelli“ in so eine Late-Night-Live-Show packen. Wir wollten ein Verständnis dafür schaffen, wo genau die Geschichte von Rap und Politik immer wieder aufeinander trifft, welche kleinen Geschichten dazwischen stecken. Oder auch wo Rapper auf Politiker treffen und das dann so eine krasse Dynamik verursacht.

Hast du ein Beispiel?

Jan: Rapper Stormzy, gerade ganz aktuell. Der hat bei den Brit Awards 2018 in UK Theresa May die damals noch mächtigste Politikerin des Landes, für ihren Umgang mit der Grenfell-Tragödie kritisiert. Er hat dadurch Theresa May zu einer Reaktion gezwungen. Das sind so Geschichten, wo man wirklich merkt, welchen Einfluss diese früher Jugendkultur, jetzt Kultur, hat, die alle möglichen Bereiche beeinflusst und eben auch die Politik.

Gibt es eigentlich ein aktuelles Beispiel für deutsche Rapper, die sich aktiv in Politik einmischen. Stormzy hat sich nochmal vor der Wahl eingemischt, da haben wir drüber berichtet. Aber in Deutschland fällt uns eigentlich nichts ein…

Vassili: Ich habe im letzten Jahr sehr, sehr viel gelernt und mitbekommen. Ich war zum Beispiel zum ersten Mal überhaupt auf Festivals und ein besonderer Moment, der mir in Erinnerung geblieben ist, war das Splash! Festival. Da ist Trettman aufgetreten. Tausende von Menschen. Und dann spielt er „Stolpersteine“. Ich habe auf diesen Text gehört, und ich dachte „Das passt gar nicht“. Die Leute wollen feiern und abgehen. Und dann kommt dieser Song, der Erinnerungskultur thematisiert und dann aber gleichzeitig auch Bezug nimmt auf die gegenwärtigen antisemitischen Übergriffe, die es in Deutschland gibt. Oder auch Max Herre mit „Dunkles Kapitel“. Das ist jetzt nicht unbedingt tagespolitisch aktuell, aber es ist gesellschaftspolitisch total relevant, was deutsche Rapper machen.

Euer Podcast ist eigentlich vor allem für Rap-Fans, die noch ein bisschen mehr wissen wollen? Oder ist er für diejenigen, die sich für Politik interessieren und gerne Rap besser verstehen möchten?

Vassili: Es ist ungefähr so, dass die eine Hälfte bei meinen und die andere Hälfte bei Jans Witzen lacht. Und auch die Nachrichten, die wir über Social Media bekommen: Das sind ganz oft Leute, die Politik studieren und sagen „Boah total spannend, wie viel Politik in Rap in Hip-Hop steckt“ und umgekehrt. Aber es sind auch ganz viele Menschen, die älter sind als wir, älter als Mitte 30, die sagen: „Ich interessiere mich weder besonders für Politik noch für Rap. Und trotzdem eröffnet mir dieser Podcast irgendwie Einblick in beide Themen, und das finden wir total schön.“

Ja. Die viel beklagte Segmentierung der Gesellschaft - ihr leistet einen Beitrag, die Menschen doch wieder zusammenzubringen. Danke, dass ihr hier wart!


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